Wenn der Pfarrer zweimal predigt

08.04.2020

Manchen Gottesdienstbesuchern kann der Pfarrer nicht kurz genug predigen. Sie hätten sich bei den Aufzeichnungen für die Fernseh-Gottesdienste von Karfreitag und Ostern gelangweilt. Dort hätten sie die Worte von der Kanzel sogar zweimal anhören müssen.

Zweimal, damit die Feiern am Ende minutengenau in die halbe Stunde Sendezeit passen. Zweimal also die Passionslesung aus Lukas, zweimal das Vater unser, zweimal das «Gelobt sei Gott im höchsten Thron». Zwei Drehs, aus denen die beiden Gottesdienste geschnitten werden, die am Karfreitag und Ostersonntag um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen sind.

Es verlief alles genau nach Drehbuch am Freitag vor dem ersten Gottesdienst in der reformierten Weinbergli-Kirche und am Dienstag für den Ostergottesdienst in der Jesuitenkirche in Luzern: Jeweils vier bis fünf genau getaktete Stunden, denen dichte Tage der Vorbereitung vorangegangen waren. Die konzentrierte Vorbereitung der Seelsorgerinnen und Seelsorger machte sich bei den Aufzeichnungen bezahlt: Sie hielten die Längenvorgaben auf Anhieb genau ein.

«Eine grosse Herausforderung»

«Eine total spannende Erfahrung», sagt Sylvie von Arx, Lektorin in der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern. Sie gestaltet mit dem katholischen Priester Hansruedi Kleiber und dem reformierten Pfarrer Hans Weber die ökumenische Feier von Ostern. Am Karfreitag stehen Markus Müller, katholischer Pfarreileiter, Verena Sollberger, reformierte Pfarrerin, und Adrian Suter, christkatholischer Pfarrer, vor der Kamera.

Die Vorbereitung für den Gottesdienst war für die Beteiligten freilich nicht anders als sonst. Für die Karwoche beginne er ohnehin immer zwei Wochen zuvor. Neu für ihn sei allerdings die Taktung auf die Minute genau gewesen: «Das war eine grosse Herausforderung. Ich habe meine Teile mit der Stoppuhr mehrmals laut gesprochen, bis die Zeit und vor allem der Inhalt auf die Vorgabe passte.» Hansruedi Kleiber, der Erfahrung als Radioprediger hat, erging es gleich: «Die Vorbereitung für einen Fernseh-Gottesdienst ist aber aufwändiger und nimmt viel mehr Zeit in Anspruch», stellt er fest. Ansonsten teilt er Markus Müllers Hinweis: Er müsse einen Ostergottesdienst ja auch sonst schon in den Tagen zuvor vorbereiten. Ohnehin sei Ostern für Christinnen und Christen ohnehin dauerhaft präsent: «Auch am Karfreitag.»

«…einfach auf einer anderen Ebene»

Jedoch: Den Karfreitag begehen, Ostern feiern – Tage zuvor und vor leeren Bänken, geht das überhaupt? Durchaus, finden die Beteiligten. Sie habe «gleichwohl Ernsthaftigkeit verspürt» sagt Sylvie von Arx. Von einer «speziellen Situation» spricht Hansruedi Kleiber, in die er sich aber als ehemaliger Radioprediger gut habe einfühlen können. «Ich musste einfach an die möglichen Zuschauerinnen und Zuschauer am Bildschirm denken.» 

Die leeren Bänke machen auch Hans Weber keine Mühe. Er finde diese Form von Gottesdienst auch anregend, sagt er. «Man weiss, dass man mit den Menschen in Kontakt ist, einfach auf einer anderen Ebene.» Er habe sich nicht allein gefühlt, Nähe lasse sich auch mittels Technik schaffen.» Markus Müller ging es gleich: Es sei für ihn «stimmungsmässig ein richtiges Feiern» gewesen, erst recht der zweimaligen Aufzeichnung wegen. «Ich hoffe, dass man dies dann auch am Fernsehen spüren kann.»

Dominik Thali

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Beim Dreh für den Ostergottesdienst in der Jesuitenkirche: der reformierte Pfarrer Hans Weber bei seiner Predigt; hinten Hansruedi Kleiber und Sylvie von Arx. | © 2020 Dominik Thali

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An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen. Am Ostersonntag besteht die Möglichkeit, im Anschluss an den Fernsehgottesdienst von 10.30 bis 11.30 Uhr telefonische Gespräche mit Pfarrpersonen und Seelsorgenden der drei Landeskirchen zu führen. Willkommen sind auch Kommentare auf der Facebook-Seite der drei Landeskirchen.