2017 erhielten Eltern in Römerswil beim dort traditionellen Taufbaumfest ein «Schatzchischtli». Die kleine Kartonbox ist wertvoller Wegbegleiter für Eltern und Kind und so wurde die Idee bereits auch in anderen Pfarreien umgesetzt. Inzwischen ist die Stiftung Brändi in Luzern für das Befüllen der «Schatzchischtli» zuständig.

Den Glauben leben in der Familie? Das geht, zum Beispiel, so: Vor dem Essen beten Eltern mit ihren Kindern: «Guter Gott, segne und stärke uns, damit wir Freundschaft teilen, hier an diesem Tisch und mit allen Menschen. Amen.» Oder: Am Morgen zeichnet der Vater seinem Sohn mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn und schickt ihn mit den Worten auf den Schulweg: «Gott segne dich mit Freude an diesem Tag.» Am Abend wiederum setzt die Mutter sich zu ihrer Tochter ans Bett, geht mit ihr den Tag erinnernd durch und dankt gemeinsam Gott für das Schöne und Gute, das ihnen heute geschenkt wurde. An einem Nachmittag schliesslich erzählt die Grossmutter ihren Enkelkindern eine biblische Geschichte, etwa vom Zöllner Zachäus auf dem Baum. Dazu gibt es ein Zämesetzi und eine Zeichnung zum Ausmalen.

Begleitung auf dem Glaubensweg

Anregungen und Vorlagen für Gebete und Rituale wie diese gibt es im Schatzchischtli, das in der Pfarrei Römerswil Eltern, die ihr Kind taufen liessen, erstmals 2017 am Taufbaumfest erhielten. Zu diesem Fest lädt der Pfarreirat jeweils am Palmsonntag die Taufkinder des vergangenen Jahres und deren Familien ein.

Das Chischtli ist ein Behältnis aus Karton, klein wie eine Kinderfaust, und angelegt wie eine Kartei. Es gibt darin Kärtchen mit kurzen Texten zu den Themen Weihwasser, Tischrituale und -gebete, Abendrituale und -gebete sowie biblische Geschichten, Bilder zu einem möglichen Abendritual, zwei Puzzles und mehrere Ausmalbilder. Mit dem Namen des Taufkinds auf dem Deckel wird das Schatzchischtli zu einem persönlichen Wegbegleiter, das Eltern hilft, ihre Kinder auf dem Glaubensweg zu begleiten und den Kindern ihren Platz in der Pfarreigemeinschaft gibt.

Jedes «Schatzchischtli» trägt den Namen des getauften Kindes, das es erhält. | © 2019 Thomas Villiger

Die Idee zum Schatzchischtli hatte Religionspädagogin Rita Amrein-Stocker. Zusammen mit dem Pastoralassistenten gab sie es erstmals 2017 den Taufeltern ab. Mitglieder des Pfarreirats von Römerswil halfen bei dem Befüllen der Chischtli. Von allen Beteiligten war das eine grosse, freiwillig geleistete Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Pilotprojekt «Getauft – und jetzt?» von der Landeskirche (Verantwortlicher Thomas Villiger-Brun) entwickelte Rita Amrein-Stocker das Schatzchischtli weiter und so steht es nun zur Freude vieler fertig da.

Kirche unterstützt Arbeitsintegration

Künftig erhalten auch die Taufeltern der anderen drei Pfarreien im Pastoralraum das Schatzchischtli; es gibt dort jeweils ähnliche Bräuche wie das Taufbaumfest in Römerswil. Weil damit der Aufwand grösser geworden ist, hat die Stiftung Brändi in der Rösslimatt in Luzern das Befüllen übernommen. «Eine interessante Arbeit», sagt dort Mitarbeiter Theo, und für seine Kollegin Sandra sind die Schatzchischtli eine willkommene Abwechslung. Sandra ist im ersten Lehrjahr als Printmedien-Praktikerin EBA. Bei diesem Auftrag kann sie ihr ganzes Geschick einsetzen. Die katholische Kirche unterstützt damit die beruflliche Eingliederung von Menschen mit einer Behinderung.

Dominik Thali

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Wer ein Kind verliert, stürzt aus der Welt. Und stösst oft auf Menschen, die in Überforderung verletzend reagieren. Die «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt am zweiten Dezembersonntag mit einer ökumenischen Gedenkfeier Betroffenen Gelegenheit, Trauer und Schmerz zu teilen. Eine Möglichkeit, dem Unsagbaren Raum und Sprache zu leihen.

Julia kam an einem Novembersamstag vor zwei Jahren zur Welt. Und verliess sie nach einer Stunde schon wieder. Einfach so. Nichts hatte darauf hingedeutet. «Das hat uns den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt ihre Mutter Katarina Honauer. Julia war ihre erste Tochter.

Den Schmerz teilen

Katarina und ihr Ehemann André Honauer leben in Küssnacht. Zwei Wochen nach dem Ereignis nahmen die beiden in Luzern an der jährlichen Gedenkfeier für und mit Menschen teil, die ein Kind verloren haben – manche bei der Geburt, andere später durch eine Krankheit oder einen Unfall; mitunter sitzen Frauen und Männer in den Reihen, bei denen der Verlust Jahre zurückliegt, die aber nie darüber sprechen konnten und allein damit fertig werden mussten. In der Lukaskirche teilen sie ihren Schmerz mit anderen Müttern und Vätern, mit Patinnen und Paten, Geschwistern und Grosseltern. «Sammle meine Tränen» heisst die Gedenkfeier, die es seit 2005 auf Initiative der «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt. Die Theologin Li Hangartner brachte die Idee damals aus Deutschland mit und wollte damit ein Thema ans Licht holen, «von dem man nur weiss, wenn man selber davon betroffen ist», wie sie bis heute feststellt. «Der normale Lauf ist doch: Jemand wird schwanger, das Kind kommt zur Welt und ist gesund. Der Tod hingegen ist ein Tabu.»

Hilflosigkeit und Überforderung prägen den Umgang damit. Katarina Honauer erinnert sich, wie jemand «mitfühlend und aufmunternd» gemeint habe, sie solle froh sein, dass Julia gleich nach der Geburt gestorben sei, später wäre der Verlust «viel schlimmer» gewesen.
Die Gedenkfeier «Sammle meine Tränen» will mit Texten, Ritualen und Musik den trauernden Menschen «eine Sprache leihen, wenn sie noch in der eigenen Sprachlosigkeit verharren», erklärt Li Hangartner. Unter anderem sind alle eingeladen, den Namen ihres verstorbenen Kindes in das «Buch des Lebens» einzutragen, dessen Seiten sich mit den Jahren füllen. Im zweiten Teil der Feier werden diese Namen vorgelesen, und für jedes Kind brennt am Ende eine Kerze.

Die Schwere auflösen

Schmerz und Trauer verdichten sich dabei. Das sei kaum auszuhalten, findet Katarina Honauer, der Gang zum Lebensbuch sei für sie «sehr drückend» gewesen. Die Hebamme Susanne Leu, welche die Gedenkfeier mitgestaltet, kann dies mitfühlen. «Aber die Tränen in der Gemeinschaft fliessen lassen zu können, vermag auch Schwere im Bauch aufzulösen. Man fühlt sich nach der Feier leichter», meint sie. Leu macht auch die Erfahrung, dass Eltern und Angehörige, die glauben, den Verlust eines Kindes «anders tragen können und getragen werden». Es komme nicht darauf an, woran man glaube, aber der Glaube könne «ein innerer Lebensmotor» sein, wenn jemand dadurch einen Tod deuten könne, für den es keine medizinische Erklärung gebe.

Die Tränen fliessen zu lassen hilft. Das erlebte auch Katarina Honauer so. Hilfreich waren für sie daneben vor allem der Austausch mit Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Anderen, die bei der Begegnung mit Menschen, die ein Kind verloren haben, unsicher sind, empfiehlt sie, auf vermeintlich gut gemeinte Aussagen zu verzichten: «Mitgefühl zu äussern reicht völlig.»

Dominik Thali

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«Sammle meine Tränen» heisst die jährliche ökumenische Gedenkfeier in Luzern für Menschen, die um ein Kind trauern. Sie findet seit zehn Jahren jeweils am zweiten Sonntag im Dezember statt, am Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder.