Ein Abenteuer in Rumänien – die Kirche machts möglich

13.10.2020

Anna Gassmann aus Hildisrieden wollte nach der Matura «etwas anderes» kennenlernen. Neue Erfahrungen sammelte sie schliesslich in einem Waisenheim in den Karpaten. Die Organisation Voyage-Partage, die das möglich machte, spricht von weltkirchlicher Jugendarbeit.

Vom Februar bis Juli packte die 19-Jährige im Heim einer christlichen Stiftung in der Kleinstadt Gheorgheni mit an, in dem rund dreissig Kinder im Alter von fünf bis achtzehn Jahren zuhause sind. Gheorgheni liegt zwar in Rumänien, gleichwohl wird dort aber vorab Ungarisch gesprochen. Anna Gassmann versteht und spricht die Sprache heute recht gut. Es seit «sehr förderlich», meint sie mit Blick auf das geplante Logopädiestudium, einmal eine Fremdsprache von Grund auf zu lernen.

Den Glauben reflektieren

Die Sprache war freilich nicht der Grund, weshalb es Gassmann nach Rumänien zog. Sie habe nach der Matura im Sommer 2019 «einfach etwas anderes» kennenlernen wollen, sagt Anna Gassmann gegenüber dem «Kirchenschiff»: «Eine andere Kultur, eine andere Lebensweise und mich selbst neu.» Als ihr eine Bekannte von Voyage-Partage erzählte, wurde sie neugierig. Ein Ziel der Organisation ist, dass junge Menschen ihre eigenen kulturellen Werte und ihren Glauben reflektieren. Dieser sei ihr wichtig, sagt Gassmann, sie komme aus einer katholischen Familie.
Im Heim, in dem die junge Frau sechs Monate mithalf, teilen zwar Gebetszeiten den Tag ein. Dazwischen ging es für sie von früh bis spät handfest zu und her: Frühstück machen, Waschen, mit den Kindern spielen, ein Gutenachtlied singen. Sie habe sich gleich angenommen und einbezogen gefühlt, blickt Anna Gassmann zurück.
Für Voyage-Partage sind Einsätze wie jener von Anna Gassmann «weltkirchliche Jugendarbeit», wie Madlen Portmann, Leiterin der Fachstelle in Luzern, sagt. Das Volontariatsprogramm wolle ermöglichen, «dass eine Begegnung zwischen jungen Menschen aus der Schweiz und Menschen aus anderen Ländern stattfindet und somit ein interkultureller und religiöser Dialog auf Augenhöhe entsteht». Zurzeit vermittelt Voyage-Partage etwa zehn Volontariate pro Jahr.

«Das nehme ich mit»

Die Rückkehrerinnen und Rückkehrer sollen die sozialen und interkulturellen Kompetenzen, die sie erworben haben, mit Menschen in der Schweiz teilen und sich so für die weltweite Solidarität einsetzen – ein Austausch, an dem sich auch Anna Gassmann beteiligt. Sie habe in Rumänien «ein neues Stück Heimat» gefunden, in das sie sicher wieder zurückkehre. Ihr hat es dort vor allem die erlebte Offenheit angetan: «Die Menschen sind viel herzlicher, gehen viel mehr aufeinander zu. Das habe ich dort gelernt, das nehme ich mit.»

Dominik Thali

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

«Ich fühlte mich sogleich angenommen»: Anna Gassmann (zweite von rechts) mit von ihr betreuten Kindern im Heim in Rumänien. | © pd

Eine Auszeit mit Tiefgang erleben


Voyage-Partage ist ein Freiwilligenprogramm, das vorab junge Menschen ansprechen will, zum Beispiel in einem Zwischenjahr nach der Matura oder einer Auszeit nach der Lehre. Voyage-Partage wurde 1991 in der Westschweiz gegründet und besteht heute als Verein mit Sitz in Luzern. Trägermitglieder sind die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (noch bis 2021), katholische Ordensgemeinschaften und weitere kirchliche Organisationen.