Die Corona-Situation macht die Weihnachtsplanung für die Kirchgemeinden und Pfarreien zur Herausforderung. Ziel ist, dass Weihnachten mit Zusammensein unter Einhaltung der Schutzmassnahmen möglich ist. Die katholische, reformierte und christkatholisch Landeskirche im Kanton Luzern gehen einen neuen Weg: Erstmals feiern sie ökumenisch das Fest der Geburt Jesu. Ihr gemeinsamer Gottesdienst wird am 25. Dezember auf Tele 1 ausgestrahlt.

Medienmitteilung vom Montag, 19. Oktober 2020

An Ostern konnten aufgrund der ausserordentlichen Lage mit Versammlungsverbot schweizweit keine Gottesdienste stattfinden. Deshalb feierten die drei Landeskirchen des Kantons Luzern Ostern erstmals ökumenisch und im Regionalfernsehen Tele1 gefeiert. «Die Rückmeldungen fielen sehr positiv aus. Insbesondere schätzten die Zuschauerinnen und Zuschauer das gemeinsame Feiern als christliche Kirchen», sagt Renata Asal-Steger, Synodalratspräsidentin der römisch-katholische Landeskirche des Kantons Luzern. Aktuell ist die Situation mit den sehr hohen Corona-Fallzahlen national und kantonal wiederum sehr angespannt. «Im Fernsehen ermöglichen wir einen Zugang für sehr viele. Dies gilt für Risikogruppen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und es zeigt sich, dass wir auch Menschen mit christlichen Werten erreichen, welche vielleicht nicht analog an einem Gottesdienst teilnehmen würden», so Dr. Lilian Bachmann, Synodalratspräsidentin ad interim der evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Luzern. Der Weihnachtsgottesdienst wird am Freitag, 25. Dezember 2020, um 10 Uhr auf Tele1 ausgestrahlt.

«Kirche kommt an» – trotzdem

Die Luzerner Landeskirchen feiern 2020 ihr 50-jähriges Bestehen. In ökumenischer Verbundenheit planten sie unter dem Motto «Kirche kommt an» verschiedene Anlässe. Aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus mussten die Aktivitäten zuerst abgesagt, verschoben und jetzt neu geplant werden. «Doch die Kirche ist da und wir gehen auf unterschiedlichen Wegen auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse ein», sagt Esther Albert, Präsidentin christkatholische Kirchgemeinde Luzern.

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Am 25. Oktober 1970 wurde im Kanton Luzern das Frauenstimmrecht angenommen, am 7. März 1971 das nationale. Wo steht Gleichberechtigung heute in Gesellschaft und Kirchen? Ein Gespräch mit der Politikerin Cécile Bühlmann und den Kirchenfrauen Renata Asal-Steger und Lilian Bachmann.

Vor 50 Jahren wurde das Frauenstimmrecht eingeführt. Was hat sich seither für die Frauen geändert?
Cécile Bühlmann: Damals glaubten viele, mit der Einführung des Frauenstimmrechts sei Gleichberechtigung erreicht. Viele Errungenschaften, die wir heute haben, wurden jedoch erst danach von den Frauen erkämpft
Lilian Bachmann: Mit dem Frauenstimmrecht wurde der Grundstein für zahlreiche neue Gesetze zu Frauenanliegen gelegt, die ohne die Frauenstimmen so wohl nicht eingeführt worden wären. Insbesondere  das neue Ehe- und Scheidungsrecht, die Fristenregelung, die Mutterschaftsversicherung, das BVG-Splitting oder das Gleichstellungsgesetz. Wir haben inzwischen etwa die halbe Strecke erreicht und müssen weiterhin aktiv bleiben.

Wo hapert es noch?
Bühlmann: Auch heutige Frauen stecken oft beruflich stark zurück, wenn Kinder kommen. Die Namenswahl ist ein Indiz dafür, dass sich die Frauen stärker zurücknehmen: Die meisten Familien führen selbstverständlich den Namen des Mannes. Die Verantwortung, an alles zu denken, was die Familie betrifft, die sogenannte «mental load», liegt ebenfalls noch mehrheitlich bei den Frauen.

Wollen Frauen und Männer an diesen Rollen gar nichts ändern?
Bühlmann: Es liegt tatsächlich nicht nur an den Gesetzen. Es gibt Frauen, die engagieren sich lieber im geschützten Rahmen der Familie. Sich einer bisweilen harten Arbeitswelt oder der Politik zu stellen, braucht Mut. Wer sich einsetzt, setzt sich aus.
Renata Asal-Steger: Frauen haben oft das Ganze im Blick: Partnerschaft, Familie, Beruf. Sie wägen ab und fragen sich, ob sie all dies miteinander vereinbaren können. Meine Erfahrung ist, dass sich Männer solche Überlegungen grundsätzlich weniger machen und schneller zusagen: «Es wird schon irgendwie gehen.»

«Frauen würden diese klerikale Priesterkaste, die sich selber zwischen den Laien und Gott verortet, abschaffen»: die Luzerner alt Nationalrätin Cécile Bühlmann. | 2020 Martin Dominik Zemp

Fühlen Sie sich in Ihren Gremien als Frau ernst genommen?
Bachmann: Absolut. Wir leben ein Klima der Gleichberechtigung und diskutieren auf Augenhöhe. Unsere Meinungen bringen wir ein, hören einander zu und finden gemeinsam zu Lösungen.
Asal-Steger: Auch ich fühle mich in den Gremien der Landeskirche ernst genommen und kann meine Anliegen einbringen. Das kann ich auch in den Gremien auf Bistumsebene oder mit der Bischofskonferenz. Es kommt jedoch nicht selten vor, dass ich dort die einzige Frau bin. Was von meinen Anliegen dann umgesetzt wird, ist eine andere Frage.

Frau Bühlmann, Sie sind 2018 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Warum?
Bühlmann: Die römisch-katholische Amtskirche ist eine hierarchische, klerikale Männerkirche. Unter diesem Dach wollte ich nicht mehr länger stehen. Darum war der Austritt für mich ein Akt der Befreiung. Ich kann nicht verstehen, dass katholische Frauen immer noch auf Gleichberechtigung hoffen.

Haben Sie diese Hoffnung noch, Frau Asal-Steger?
Asal-Steger: Ja, ich habe sie nach wie vor. Unbestritten ist, dass die katholische Kirche weltweit in einer grossen Glaubwürdigkeitskrise ist. Man realisiert, dass strukturelle Fragen zu Machtmissbrauch geführt haben. Mich lässt hoffen, dass sich viele Katholikinnen und Katholiken für Reformen in der Kirche stark machen Der Frauenbund war kürzlich bei der Bischofskonferenz eingeladen. Frauen vernetzen sich weltweit. Wenn jetzt nicht etwas passiert…
Bühlmann: Wie viele Enttäuschungen braucht es noch, bis ihr merkt, dass sich nichts ändern wird?
Asal-Steger: Die Kirche und ihre christliche Botschaft liegen mir am Herzen. Sie sind meine religiöse Beheimatung. Ich möchte diese Kirche weiterhin mitgestalten und mich beharrlich engagieren, dass die katholische Kirche glaubwürdige Schritte der Erneuerung geht. Wenn ich draussen bin, kann ich nicht mehr mitreden.
Bühlmann: Bischof Felix Gmür ist offen für Gleichberechtigung. Aber was macht er, wenn Rom nein sagt?
Asal-Steger:  Papst Franziskus hat die Bischöfe mehrfach aufgerufen, mutig zu sein und Lösungen vor Ort zu suchen. Ich meine, reformwillige Bischöfe sollten sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Es gibt beispielsweise in Deutschland Bischöfe, die sich für Reformen einsetzen.

«Gelebte Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit sind Grundwerte der Reformierten Kirche»: Lilian Bachmann, Präsidentin des Synodalrats der reformierten Luzerner Landeskirche. | 2020 Martin Dominik Zemp

Was können Sie selbst in dieser Sache bewirken?
Asal-Steger: Ich leide unter den Diskriminierungen innerhalb der katholischen Kirche. Deshalb engagiere ich mich in «meinen» Gremien für Reformen und habe mich als Präsidentin der RKZ zur Verfügung gestellt. Denn auf der Ebene der Bischofskonferenz wird es in den nächsten Jahren kaum ein weibliches Gesicht geben. Zudem vernetze ich mich, ich habe beispielsweise am Kirchenfrauenstreik teilgenommen. Aber ich weiss, dass ich das Kirchenrecht nicht ändern kann.

Seit wann gibt es in Luzern reformierte Pfarrerinnen?
Bachmann: Die reformierte Kirche im Kanton Luzern hat sich im Januar 1970 eine kirchenpolitische Verfassung gegeben und damit den Weg für das kirchliche Frauenstimm- und Wahlrecht frei gemacht. Frauen konnten damit seit Anbeginn der reformierten Landeskirche im Pfarramt wirken. Ordiniert werden konnten sie schon früher, jedoch nicht als Pfarrerinnen in der Kirchgemeinde amten. Daher waren sie häufig in Stellvertretungen oder im kirchlichen Unterricht tätig.

Was würde sich in der katholischen Kirche ändern, wenn Frauen zu Ämtern zugelassen wären?
Bühlmann: Sie wäre näher bei den Menschen. Frauen würden diese klerikale Priesterkaste, die sich selber zwischen den Laien und Gott verortet, abschaffen. Sie wären ganz normale Menschen, zwar mit besonderen Funktionen, aber nichts Unantastbares.

Ist das in der reformierten Kirche Realität?
Bachmann: Gelebte Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit sind Grundwerte der Reformierten Kirche. Frauen sind zu Ämtern und zum Pfarrberuf zugelassen, obwohl die Verteilung noch nicht hälftig ist. Sie sind im Pfarramt sowie im Parlament je zu einem Drittel vertreten,  in den Exekutivämtern etwas weniger. Da besteht noch Luft nach oben.
Bühlmann: Aber diesen besonderen Status der Kleriker nehme ich bei den Reformierten nicht wahr. Dieses andere Amtsverständnis wäre für mich ein Vorbild.

Interview: Sylvia Stam

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Präsidentinnen im Beirat des Jubiläums

Der Kanton Luzern war am 25. Oktober 1970 der dritte Deutschschweizer Kanton, der das Frauenstimmrecht auf Kantons- und Gemeindeebene annahm. Das 50-Jahr-Jubiläum soll Gelegenheit sein, «über Fragen zu Gleichberechtigung und Demokratie nachzudenken», wie der dafür gegründete Verein schreibt. In dessen Beirat setzen sich auch die drei Frauen ein, die derzeit an den Spitzen der drei Luzerner Landeskirchen stehen: Renata Asal-Steger, katholische Synodalratspräsidentin, Lilian Bachmann, reformierte Synodalratspräsidentin, und Esther Albert, Präsidentin der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern. Cécile Bühlmann, von 1991 bis 2006 Luzerner Nationalrätin (Grüne), präsidiert mit alt Nationalrätin Judith Stamm (CVP) den Beirat.

Anna Gassmann aus Hildisrieden wollte nach der Matura «etwas anderes» kennenlernen. Neue Erfahrungen sammelte sie schliesslich in einem Waisenheim in den Karpaten. Die Organisation Voyage-Partage, die das möglich machte, spricht von weltkirchlicher Jugendarbeit.

Vom Februar bis Juli packte die 19-Jährige im Heim einer christlichen Stiftung in der Kleinstadt Gheorgheni mit an, in dem rund dreissig Kinder im Alter von fünf bis achtzehn Jahren zuhause sind. Gheorgheni liegt zwar in Rumänien, gleichwohl wird dort aber vorab Ungarisch gesprochen. Anna Gassmann versteht und spricht die Sprache heute recht gut. Es seit «sehr förderlich», meint sie mit Blick auf das geplante Logopädiestudium, einmal eine Fremdsprache von Grund auf zu lernen.

Den Glauben reflektieren

Die Sprache war freilich nicht der Grund, weshalb es Gassmann nach Rumänien zog. Sie habe nach der Matura im Sommer 2019 «einfach etwas anderes» kennenlernen wollen, sagt Anna Gassmann gegenüber dem «Kirchenschiff»: «Eine andere Kultur, eine andere Lebensweise und mich selbst neu.» Als ihr eine Bekannte von Voyage-Partage erzählte, wurde sie neugierig. Ein Ziel der Organisation ist, dass junge Menschen ihre eigenen kulturellen Werte und ihren Glauben reflektieren. Dieser sei ihr wichtig, sagt Gassmann, sie komme aus einer katholischen Familie.
Im Heim, in dem die junge Frau sechs Monate mithalf, teilen zwar Gebetszeiten den Tag ein. Dazwischen ging es für sie von früh bis spät handfest zu und her: Frühstück machen, Waschen, mit den Kindern spielen, ein Gutenachtlied singen. Sie habe sich gleich angenommen und einbezogen gefühlt, blickt Anna Gassmann zurück.
Für Voyage-Partage sind Einsätze wie jener von Anna Gassmann «weltkirchliche Jugendarbeit», wie Madlen Portmann, Leiterin der Fachstelle in Luzern, sagt. Das Volontariatsprogramm wolle ermöglichen, «dass eine Begegnung zwischen jungen Menschen aus der Schweiz und Menschen aus anderen Ländern stattfindet und somit ein interkultureller und religiöser Dialog auf Augenhöhe entsteht». Zurzeit vermittelt Voyage-Partage etwa zehn Volontariate pro Jahr.

«Das nehme ich mit»

Die Rückkehrerinnen und Rückkehrer sollen die sozialen und interkulturellen Kompetenzen, die sie erworben haben, mit Menschen in der Schweiz teilen und sich so für die weltweite Solidarität einsetzen – ein Austausch, an dem sich auch Anna Gassmann beteiligt. Sie habe in Rumänien «ein neues Stück Heimat» gefunden, in das sie sicher wieder zurückkehre. Ihr hat es dort vor allem die erlebte Offenheit angetan: «Die Menschen sind viel herzlicher, gehen viel mehr aufeinander zu. Das habe ich dort gelernt, das nehme ich mit.»

Dominik Thali

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Eine Auszeit mit Tiefgang erleben


Voyage-Partage ist ein Freiwilligenprogramm, das vorab junge Menschen ansprechen will, zum Beispiel in einem Zwischenjahr nach der Matura oder einer Auszeit nach der Lehre. Voyage-Partage wurde 1991 in der Westschweiz gegründet und besteht heute als Verein mit Sitz in Luzern. Trägermitglieder sind die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (noch bis 2021), katholische Ordensgemeinschaften und weitere kirchliche Organisationen.

In der Gruppe «Mein Weg» verbringen junge Menschen mit und ohne Behinderung Zeit miteinander. Sie teilen ihren Alltag, sie kochen zusammen, sie feiern. Die Gruppe, getragen von der katholischen und reformierten Landeskirche, besteht seit zehn Jahren.

Um die 20 Namen stehen auf der Adressliste von «Mein Weg», etwa die Hälfte traf sich am Freitag Abend (4. September) auf der Terrasse der katholischen Landeskirche, um das Jubiläum zu feiern. Mit dabei auch Max Scheitlin (29), der 2008 in einem Gespräch mit dem damaligen Behindertenseelsorger Gregor Gander den Wunsch geäussert hatte, eine Jugendgruppe von Menschen mit und ohne Behinderung zu bilden. Die Idee nahm Gestalt an, und am 5. Mai 2010 fand das erste Treffen statt. Seither ist «Mein Weg» für viele Jugendliche ein wichtiger Freundeskreis.

«Ein unkompliziertes Miteinander»

«Es geht um einen Austausch und die Darstellung seiner grossen sowie kleinen Wünsche, Ziele und Lebensträume – um eine Vision ihres Lebens», schrieb der Max Scheitlin damals in einer Medienmitteilung. Hans Sutter, reformierter Sozialdiakon im Ruhestand, spricht heute von einem «unkomplizierten Miteinander». Er leitet die Gruppe mit Heidi Bühlmann von der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche. Seit 2010 fanden rund 50 Treffen statt. Es gab schon Filmabende, Spielen und Kochen sind beliebt, viele Treffen richten sich nach den Jahreszeiten und Kirchenfesten, Religion und Glaube spielen immer wieder eine Rolle. «Wir machen alles gerne», hatte Brigitte Kunz im Mai 2019 in einem «Kirchenschiff»-Beitrag erklärt; am Jubiläumsabend ist sie mit ihrem Partner Gilbert Löhle wiederum dabei. Wichtig sei ihr, bei «Mein Weg» Freundinnen und Freunde zu treffen, die sie nicht oft sehe, und über Themen in den Austausch zu kommen, die nicht alltäglich seien.

Sandra Dietschi, welche «Mein Weg» von 2015 bis 2019 mitgeleitet hatte, erinnert sich an «berührende Gespräche», die sie oft erlebt hat: «Ihr lasst uns Anteil nehmen an euren Geschichten, das ist nicht selbstverständlich», dankte sie am Jubiläumsabend den Anwesenden. In der Gruppe «Mein Weg» werde nicht nur von Inklusion gesprochen, «hier wird sie gelebt», hatte Dietschi schon im erwähnten «Kirchenschiff»-Artikel betont.

Bisherige Leitungspersonen: auf katholischer Seite Gregor Gander (2010–2015), Sandra Dietschi (2015–2019) und Heidi Bühlmann (seit 2019), auf reformierter Seite Stefan Sägesser (2013–2015), Hans Sutter (seit 2015)

KONTAKT: Heidi Bühlmann, Behindertenseelsorge der kath. Landeskirche, 041 419 48 43, heidi.buehlmann@lukath.ch

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Zwei katholische und zwei reformierte Jugendliche der Heilpädagogischen Schule Luzern feierten am Freitag Morgen, 4. September ihre Firmung, bzw. Konfirmation in der Kirche St. Anton in Luzern. Auf das Fest vorbereitet worden waren sie durch die Katechetinnen Christel Gysin und Yvonne Blum. Sie hatten sich darüber ausgetauscht, wie man das Vertrauen auf Gott vertiefen und selber dazu beitragen kann, dass Gott in den Begegnungen mit den Nächsten erfahrbar wird. Diesen göttlichen Geist des Wohlwollens und des Mutes wurde ihnen an der Firmung und Konfirmation durch Bischofsvikar Hanspeter Wasmer und Pfarrerin Margrit Schönholzer zugesprochen.

«Dass solche ökumenischen Feiern in der Behindertenseelsorge seit mehreren Jahren möglich sind, freut mich sehr», sagt der katholische Behindertenseelsorger Bruno Hübscher. Das Jubiläumsboot der Landeskirchen, das vor der Kirche anlegte, habe auch aufzeigen sollen, «dass wir in Zukunft noch mehrt zusammenarbeiten und uns gegenseitig ergänzen möchten», sagt Hübscher.

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Kirche ist, wo Menschen leben und sich begegnen. Im Sommer also auch auf der Alp. Im Entlebuch macht sich der reformierte Pfarrer mit dem Töff zu ihnen auf den Weg, und seine katholischen Kollegen segnen die Alpen. Was beide wollen: Anteil nehmen, ein Stück Leben teilen.

Auf der Alp Oberwisstanne ist die Kirche weit weg. Der Himmel dafür umso näher. Hier, auf 1507 Metern Höhe, verbringen Margrit (56) und Benz Fink (55) seit vielen Jahren den Alpsommer. Heuer mit 11 Kühen, 30 Guschti, 15 Kälbern – und 2 Eseln. Im Rücken der Alphütte ragt der Böli hoch, ein Zipfel der Schrattenfluh, nach vorne verliert sich der Blick in der Entlebucher Bergwelt.

«Die Leute dort besuchen, wo sie sind»

Die Oberwisstanne ist eine von 45 Alpen in Flühli, der grössten Gemeinde des Kantons. Erst vor 20 Jahren wurde sie mit einer Strasse erschlossen. An diesem Morgen ist Marcel Horni (62) diese hochgefahren. Jetzt legt er den Helm ab und den mitgebrachten Kuchen auf den Stubentisch. Marcel, gesiezt werden hier nur die hohen Herren, ist Pfarrer in Escholzmatt, drei Jahre nun schon und zuständig fürs obere Entlebuch, 1200 Reformierte. Das Motto der feiernden Landeskirchen, «Kirche kommt an», ist für ihn selbstverständliches Programm: «Man muss die Leute doch dort besuchen, wo sie sind», sagt er. Im Sommer sei das nun mal bei vielen Bauern und Bäuerinnen auf der Alp. Am liebsten ist er dorthin mit dem Töff unterwegs. Weil er damit überall durch- und – vor allem – besser ankommt. «Anders jedenfalls, als wenn ich in den Halbschuhen käme», hat Marcel schon erfahren. «Die Menschen sind offener und nehmen sich mehr Zeit.» Wotsch es Kafi?, heisse es oft schon bald.

Wie heute bei den Finks. Margrit tischt Währschaftes auf, schenkt ein und nach. Das Gespräch dreht sich um das Leben, um den Alltag auf der Alp also ebenso wie den Wald oder die Mutter im Altersheim. Und die Kirche. Benz sagt dazu keine langen Sätze. Die Kirche sei «etwas, das es einfach braucht», meint er, irgendwo müsse man schliesslich Halt finden, gerade wenn etwas passiere. Sie seien beide keine grossen Kirchgänger, fügt Margrit an, «aber einen Glauben haben wir natürlich trotzdem». Sie stammt vom Kemmeriboden, er aus dem Emmental; nach mehreren Pachten im Bernbiet konnte die reformierte Familie vor 16 Jahren einen Betrieb in Sörenberg erwerben.

«Das schätzen wir»

Der Pfarrer in seiner Töffkluft hört zu, nickt dann und wann. Seine Aufgabe sieht er darin, Anteil zu nehmen, mit den Menschen ein Stück Leben zu teilen. Die Alp-Besuche sind eine Gelegenheit dazu. Anteil nehmen: Er und die Mitglieder des Kirchenvorstands bringen aus diesem Grund auch das Glas Honig, das die Kirchgemeinde jeweils im Advent den über 75-Jährigen schenkt, am liebsten persönlich vorbei. Seine Wahrnehmung der Welt um ihn habe sich durch diese Seelsorgebesuche «extrem verändert», stellt Marcel fest. Wind und Wetter hätten hier im Bergbauerngebiet eine andere Bedeutung als im Unterland. «Und in den Ferien fotografiere ich bereits schöne Kühe.»

Benz und Margrit nicken. Dass der Pfarrer, den sie sonst kaum je treffen, «alle gleich behandelt, auch wenn sie so näbedusse wohnen», freue sie, sagt Benz. «Das schätzen wir sehr.»

Dominik Thali

© 2020 Roberto Conciatori

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Segensreiche Besuche auf den Alpen

Viele Seelsorgerinnen und Seelsorger besuchen im Sommer in ihren Gebieten die Älplerinnen und Älpler. Urs Corradini etwa, das katholische Gegenüber von Marcel Horni und Pastoralraumleiter im mittleren Entlebuch, nimmt sich jedes Jahr etliche Tage Zeit, um die Alpen zu segnen – natürlich auch jene von reformierten Älplerinnen und Älplern. Es ergebe sich meistens ein Gespräch, berichtet er, «dann beten wir miteinander und ich spende den Alpsegen». Den Segen mit einem Bibeltext bringt Corradini ausgedruckt mit und gibt ihn den Älplerinnen und Älplern, die ihn oft in der Stube aufhängen. Das Seelsorgeteam legt für diese «sehr schöne Aufgabe» (Corradini) weite Wege zurück. Manche Alpen sind nur von Berner Kantonsgebiet her erreichbar, vom Kemmeriboden.

Kannst du nicht ins Lager, kommt das Lager eben zu dir. Die Behindertenseelsorge bereitet deshalb ihren Gästen, welche diese Woche wegen der Corona-Krise nicht in Delsberg weilen können, jeden Tag eine Überraschung. Um gleichwohl «etwas Farbe und Abwechslung» in den Alltag zu bringen, wie die Verantwortlichen schreiben.

«Ich habe mich so auf diese Woche gefreut», sagt Rachèle Ryf. «Und war so enttäuscht, als die Absage kam.» Sie versteht den Grund – und mag sich aber nicht lange damit abgeben. Das Lachen lässt sich die 35-Jährige aus Sursee ohnehin nicht nehmen – es macht ihr Wesen aus. Sie strahlte also, als ihr vergangene Woche die Post ein dickes Couvert brachte, in dem acht weitere Couverts steckten: eines für jeden Tag, den sie zurzeit mit fast dreissig Kolleginnen und Kollegen in Delsberg verbringen würde. Ein sommerlicher Adventskalender sozusagen mit Allerlei zum Erzählen, Rätseln oder Ausmalen. Und einer selbstgemachten Aufklapp-Blume, die gestern Sonntag erblühte. Eines der Couverts enthält zudem ein Gebet: «Das soll uns alle miteinander verbinden, auch wenn wir uns nicht sehen», heisst es dazu im Begleitbrief.

Die Überraschung solle «etwas Farbe und Abwechslung in diese Woche bringen», schreiben Bruno Hübscher, Heidi Bühlmann, Marlis Rinert und Ursula Stiner. Die vier hätten die Delsberg-Woche gemeinsam geleitet. Bruno Hübscher ist der Behindertenseelsorger der katholischen Landeskirche, Heidi Bühlmann seine Mitarbeiterin; Marlis Rinert gehört ebenfalls zum Kernteam. Ursula Stiner trägt jeweils im Lager Mitverantwortung. Die Überraschungscouverts sind im Team von Heidi Bühlmann, Marlis Rinert und Ursula Stiner entstanden.

«Öppe chli tanze»

Rachèle Ryf ist mit zwei Schwestern aufgewachsen und lebt bei ihren Eltern in Sursee. In der Stiftung Brändi, nur ein paar Steinwürfe von ihrem Wohnort entfernt, hat sie ihren Arbeitsplatz im Restaurant Cayenne, wo sie Gäste bedient, abräumt und in der Küche gefragt ist. Vor drei Jahren wagte sich Ryf, die sich nicht so leicht auf Neues einlässt, das erste Mal nach Delsberg in die «Ferien- und Besinnungswoche für Menschen mit einer geistigen Behinderung». Davon sei sie «so begeistert» heimgekommen, dass die Woche seither ins Jahresprogramm gehöre, erzählt ihre Mutter Edith Ryf. Weshalb? Tochter Rachèle lacht – und zählt auf: «Kolleginnen und Kollegen treffen, die man nur einmal im Jahr sieht, etwas erleben, basteln, singen, Theater spielen, Ausflüge machen…» Und, ach ja, fast gings vergessen: «Öppe chli tanze mache ich auch gern.» Die Tage in Deslberg sind dicht.

Über Gott und das Leben reden

Die Behindertenseelsorge wird von der katholischen Landeskirche getragen, ist aber offen für alle Menschen. Als eines von vielen Angeboten (siehe Kasten) lädt sie jedes Jahr zu Ferienwochen in Delsberg ein; im Mai Menschen mit einer körperlichen Behinderung, im Juli solche mit einer geistigen. Rachèle Ryf fährt seit einigen Jahren mit, weil sie Marlis Rinert dazu ermunterte. Die beiden wohnen nicht weit voneinander entfernt und treffen sich ab und zu auf dem Arbeitsweg. Rinert, heilpädagogische Katechetin, setzt sich seit vielen Jahren freiwillig für die Behindertenseelsorge ein und gestaltet jeweils das Programm in Delsberg. Sie kennt Rachèle schon lange, war an der Heilpädagogischen Schule Sursee ihre Religionslehrerin und begleitete sie zur Erstkommunion und Firmung. Inzwischen nimmt Rachèle Ryf im Herbst jeweils an den Bibelkursen von Marlis Rinert teil. Geschichten aus der Bibel, das Leben von Jesus, die Kirche – das sind Themen, die Rachèle Ryf interessieren. «Ich rede gerne über Gott und das Leben», sagt sie. Rinert freut sich über den allemal guten Besuch. Sie staune immer wieder, berichtet sie welche Fragen die Menschen mit einer Behinderung stellten, «wie schnell wir jeweils in ihrem Alltag sind. Da gibts bei uns im Brändi auch, heisst es dann jeweilen.»

Die Überraschungscouverts gingen an alle, welche diese Woche nicht ins Lager nach Delsberg konnten. Die Auffalt-Blume steckte im Couvert von gestern Sonntag. | © 2020 Dominik Thali
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Die Behindertenseelsorge

Die Seelsorge für Menschen mit einer Behinderung ist ein Angebot der katholischen Kirche im Kanton Luzern, das seit 1974 besteht. Sie ist offen auch für Menschen anderer Konfessionen und Religionen. Zum engeren Team gehören Seelsorger Bruno Hübscher  als Leiter und Heidi Bühlmann, die das Sekretariat der Behindertenseelsorge führt, verantwortlich ist, die Besinnungs- und Ferienwochen in Delsberg mitorganisiert und das Freizeitprojekt «Mein Weg» leitet. Pater Christian Lorenz kümmert sich um Menschen mit Hörbehinderung, Yvonne Rihm leitet den Beratungsdienst für Religionsunterricht an Sonderschulen und Marlis Rinert  ist Projektverantwortliche Andachten, Kurse, Besinnungstage sowie Begegnungsgottesdienste.

Die zwei Ferienwochen in Delsberg sind zwei von vielen Angeboten der Behindertenseelsorge. Besuche und Gespräche in den Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung gehören zu Alltag, Gottesdienste dort und gemeinsam mit Pfarreien, Sakraments- und Abschiedsfeiern,  Wallfahrten und andere Ausflüge sind weitere Angebote. Die Behindertenseelsorge unterstützt auch Eltern und Angehörige sowie Mitarbeitende in den Einrichtungen.

Was hat mich durch die Coronazeit getragen? Am Philosophieabend der Behindertenseelsorge war das eine der Fragen. Und kam Gutes vom Grill auf den Tisch.

Am Donnerstag, 25. Juni, kamen sechs Frauen und Männer zum Philosophieabend für Menschen mit einer körperlichen Behinderung zusammen. Seit dem Corona-Lockdown war dies das erste Angebot der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche, das wieder besucht werden konnte. Es war gleichzeitig die Gelegenheit, die neue Rollstuhlrampe einzuweihen, die auf den Balkon des Hauses am Abendweg 1 in Luzern führt.

Die Teilnehmenden erzählten sich gegenseitig, was sie in der Coronazeit getragen hatte und welche Geschichten, Weisheiten oder philosophischen Gedanken ihnen in dieser Zeit hilfreich waren. Dazu sang die Runde einige Lieder und genoss Köstlichkeiten vom Feuergrill, der auf dem Balkon angezündet wurde.

Für alle war zu vorgerückter Stunde klar, dass dies nicht der letzte «Philosophieabend mit Bräteln» war, den sie genossen hatten. Das Beisammensein und Austauschen über wichtige Lebensfragen tut Menschen mit und ohne Behinderung gut und wird in dieser oder ähnlicher Form sicher nächstens wiederholt.

Die neue Rollstuhlrampe auf den Balkon hält: Brigitte Kunz testet sie mit Erfolg. | © 2020 Bruno Hübscher
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Menschen, die sich begleitet das Leben nehmen wollen, können weder Sakramente noch seelsorgliche Begleitung erwarten. Die Bischöfe wägen in ihrer «Orientierungshilfe» zwar ab. Doch im (katholischen) Pfarreialltag ist ihr Schreiben nicht mehr als Papier.

Für die Bischöfe ist klar: Der «vorsätzlich assistierte Suizid» sei eine Sünde und «moralisch unentschuldbare Tat Tat», die dem Evangelium und den Sakramenten des Lebens widerspreche. In ihrer «Orientierungshilfe» (siehe Kasten) sprechen sie aber auch vom «überlegten Abwägen» jedes Einzelfalls. Es sei ein Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit, einer suizidwilligen Person und deren Familie beizustehen sowie «ein Zeichen für einen Gott des Lebens». Die Bischöfe verstehen ihr 36-seitiges Papier als Hilfe zur «richtigen seelsorglichen Begleitung» von Menschen, die mithilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben scheiden wollten und sich zugleich an die Kirche wenden mit der Bitte um Begleitung und den Empfang der Sakramente.

«Nicht ich entscheide»

Solche Bitten häuften sich tatsächlich, stellt etwa Claudio Tomassini fest, Leiter des Pastoralraums Sursee. Und angegangen werde er eigentlich erst, wenn die Situation akut sei. Tomassini ist dann, wie den Bischöfen, das Gespräch wichtig. Während diese aber die Seelsorgenden auffordern, sie sollten «bis zuletzt versuchen», eine Person «von ihrem Vorhaben abzubringen», betont Tomassini, es sei nicht seine Aufgabe, zu entscheiden. Er wolle vielmehr sein Gegenüber dazu bringen, selbst auf seine Frage eine Antwort geben zu können. Für Tomassini ist dabei das eigene Gewissen «die letzte Instanz» und «ein wunderbares Geschenk». Er hat erfahren, dass Menschen  gerade in Notsituationen froh sind, jemanden zu haben, der ihnen im Gespräch dieses Gewissen schärft. «Zu sagen, dieses oder jenes sei eine Sünde, nützt dagegen niemandem etwas.»

An die Angehörigen denken

Das Gespräch ist auch Theres Küng wichtig, Leiterin des Pastoralraums Michelsamt. «Es geht nicht darum, ein eigenes Urteil zu fällen.» Küng berichtet von einer Person, die sich begleitet das Leben nehmen wollte und die sie auf die Möglichkeiten der Palliative Care hinwies. «Diese Person starb dann in einem Hospiz. Das war ein guter Entscheid, besonders für ihre Angehörigen.» In einem anderen Fall baten die Angehörigen einer suizidwilligen Person um seelsorgliche Begleitung. Küng war mit ihnen in Kontakt, auch am Tag des assistierten Suizids. Sie hält diese Zuwendung für ebenso wichtig. «Das kann am Ende auch der suizidwilligen Person helfen.»

Zu Widerspruch geführt hat die «Orientierungshilfe» der Bischöfe vorab dort, wo diese den Seelsorgenden erklären, wie sie Menschen begleiten sollen, die unmittelbar vor einem begleiteten Suizid stehen. Die Sakramente – Kommunion und Krankensalbung – könnten nur dann gespendet werden, heisst es in dem Papier, wenn die Möglichkeit bestehe, «die Person dahingehend zu begleiten, dass sie von der getroffenen Entscheidung Abstand nehmen kann». Und wenn der Akt des Suizid beginne, müssten die Seelsorgenden das Zimmer verlassen. Die Sakramente seien «stets Sakramente des Lebens» und könnten nicht als Vorbereitung für den Suizid gespendet werden, begründen die Bischöfe. Und: Das Zimmer zu verlassen, bedeute nicht, die Person zu verlassen. Die Kirche setze einen Sünder nicht mit seiner objektiven Sünde gleich. Die Bischöfe wollen weiter verhindern, dass die «Gegenwart im Auftrag der Kirche als eine moralische Unterstützung des assistierten Suizids aufgefasst werden könnte».

«In Absprache mit Gott»

In den sozialen Medien stiess diese Haltung auch auf Unverständnis: «Wenn überhaupt ein/e Seelsorger/in gerufen wird, geht es doch darum, zu begleiten bis zum Tod. Das Leben ist ein Geschenk, kein Zwang», kommentierte etwa Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, auf Facebook. Der Medienpädagoge und frühere Thurgauer Synodale Thomas Merz befand, es habe « mit christlicher Nächstenliebe nichts zu tun», einen Menschen in der wohl schwierigsten Situation seines Lebens zu verlassen.

Wo seine Seelsorge bei einem assistierten Suizid «ihre Grenzen fände», weiss Roland Häfliger, Pfarrer des Pastoralraums Baldeggersee, nicht – er hat noch keinen solchen Fall erlebt. «Ich würde mich von dem leiten lassen, was in der konkreten Situation richtig ist. Und das auch tun, intuitiv und in Absprache mit meinem Chef, Gott», sagt Häfliger. Am Papier der Bischöfe könne  er «sich orientieren».

Urs Corradini, Leiter des Pastoralraums Mittleres Entlebuch, räumt ein, dass er «ein Problem» damit hätte, einen Menschen zu begleiten, der sich für den Tod mit einer Sterbehilfeorganisation entschieden habe. «Es liegt mir fern, jemanden zu verurteilen, der keinen anderen Ausweg mehr sieht. Hingegen ist es klar, dass es die Aufgabe der Seelsorge sein muss, Menschen zum Leben zu ermutigen.» Corradini nimmt die Gesellschaft als widersprüchlich wahr: Einerseits setze man sich für die Suizidvorbeugung ein, anderseits werde kranken und alten Menschen der Zugang zu Sterbehilfeorganisationen erleichtert.

«Versöhnt Abschied nehmen»

Hier hakt Simone Rüd ein, Seelsorgerin im Alterszentrum St. Anna Luzern mit langjähriger Erfahrung als Spitalseelsorgerin. Sie plädiert für Vertrauen in die Palliative Care. «Nur ganz selten» habe sie erlebt, dass starke Schmerzen nicht behandelt werden konnten, sagt Rüd. «Die grosse Mehrheit der Patientinnen und Patienten konnte dank sorgfältig eingesetzter Schmerztherapie und oft tiefen Gesprächen mit Fachpersonen und Angehörigen versöhnt und persönlich Abschied nehmen von dieser Welt.»

Eine Erfahrung, die viele Seelsorgende teilen. Vielen geht es aber auch wie Claudio Tomassini, der beim Thema assistierter Suizid «eine unglaubliche Verantwortung als Seelsorger und Mensch» spürt, die ihn «eigentlich» überfordere. Tomassini: «Ich komme selten so an meine Grenzen.»

Dominik Thali

«Da bleiben bei Sterbenden und Familien»

Medizin und Pflege sowie psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung sollen ein Leben und Sterben in Würde ermöglichen: Dafür setzen sich die Kirchen im Kanton Luzern ein. Gregor Gander leitet deren Fachstelle Palliative-Care-Seelsorge, die seit 2017 besteht. Damit nähmen die Kirchen ihren Auftrag wahr, «Menschen in schwierigen Momenten verlässlich zu begleiten, da zu bleiben, bei den Sterbenden, den Familien und Freunden», sagt Gander.
Das schliesst für ihn nicht aus, auch Menschen zu begleiten, die freiwillig aus dem Leben scheiden. Die Kirche solle nicht Entscheide einzelner Menschen beurteilen, sondern an einer solidarisch-sorgenden Gesellschaft mitgestalten. «Verbunden-Sein und Autonomie bilden aber keine Gegensätze. Leben ist miteinander leben, Sterben miteinander leben bis zum Ende», zitiert Gander den deutschen Theologen, Philosophen und Soziologen Andreas Heller von der Universität Graz.

Bild: Gregor Gander
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Die bischöfliche «Orientierungshilfe»

Wie sollen Seelsorgerinnen und Seelsorger Menschen begleiten, die mithilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben scheiden wollen? Die Bischofskonferenz hat dazu im Dezember eine «Orientierungshilfe» herausgegeben, «Seelsorge und assistierter Suizid».
In Teil 1 machen die Bischöfe eine sozialethische Auslegeordnung zum aus ihrer Sicht «gesellschaftlich aktzeptierten assistierten Suizid». Niemand, nicht einmal eine Person für sich selbst, dürfe über den Wert eines Lebens urteilen, um ihm ein Ende zu bereiten.
Teil 2 geht auf die seelsorgliche Begleitung ein. Christinnen und Christen müssten sich zwar auch zu jenen Menschen begeben, die sich am Rand des Lebens befänden. Im Moment des Suizids hätten Seelsorgende aber die Pflicht, das Zimmer zu verlassen.
Teil 3 schildert Fälle, in denen sich Seelsorgende befinden können und stellt «Hilfen» dazu vor.

Reformierte Seelsorge reicht «bis zum Sterben»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz hat, anders als auf katholischer Seite die Bischofskonferenz, zum Thema Seelsorge bei assistiertem Suizid noch nicht Stellung bezogen. Allerdings hat das Positionspapier «Solidarität bis zum Ende» des Synodalrats der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn vom Juni 2018 die Diskussion dazu angekurbelt. Es habe Widerspruch dazu gegeben, stellt der reformierte Luzerner Synodalrat Florian Fischer fest, das Papier sei aber aber von vielen anderen Landeskirchen «sehr wohlwollend aufgenommen» worden.

«Solidarität bis zum Ende» hält zwar fest, assistierter Suizid könne «aus biblisch-theologischer Sicht keine Option» und «immer nur Grenzfall, nie der Normalfall» sein. Es gebe allerdings auch keinen Zwang, Leben zu müssen. Das Papier zitiert dazu den Theologen Dietrich Bonhoeffer: «Wer nicht mehr leben kann, dem hilft auch der Befehl, dass er leben soll, nicht weiter.» Es müsse akzeptiert werden, dass es Situationen gebe, in denen für Menschen die Güte des Lebens im Dunklen liegt. Die Frage des Mitgehens bis zum Schluss ist aus Sicht der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn klar. «Auch im Zusammenhang mit begleiteter Selbsttötung stellt seelsorgliche Solidarität keine Bedingungen», heisst es in dem Papier. Und: Die kirchliche Seelsorge reiche auch im Fall eines assistierten Suizids «bis zum Sterben. Pfarrerinnen und Pfarrer sollen Menschen, die sie begleiten, auch im schwierigsten Moment, dem Akt der Selbsttötung, Beistand leisten, wenn diese es wünschen.» Dazu könne aber niemand verpflichtet werden; in jedem Fall gelte «besonders an dieser Stelle» das Recht auf den freien Gewissensentscheid».

Die Wölfli der Pfadi St. Johannes in Luzern haben den Wettbewerb «Faires Lager» 2019 gewonnen, weil sie auf originelle Weise die Nachhaltigkeit thematisiert haben. Dazu beigetragen hat auch die Kirche. Sie unterstützt das Projekt mit.

«Macht euch schlau zu eurem Wasserverbrauch. Entwickelt ein Spiel zum Thema Wasser, das ein Grundverständnis für unseren Wasserverbrauch vermittelt.» Das war die Ausgangslage, mit der die Wölfli, die «Kleinen» bei den Pfadis, ins Rennen stiegen. «Die Jury war beeindruckt, dass wir die Aufgabe mit den Wölflis, also mit Erst- bis Viertklässlerinnen und -klässlern anpackten», sagt Laura Brügger, Abteilungsleiterin bei der Pfadi St. Johannes. Hinter dem Wettbewerb «Faires Lager» steckt eine Trägerschaft, in der neben der Pfadibewegung Schweiz, Jungwacht Blauring Schweiz, Fastenopfer, «young Caritas» auch die Katholische Kirche der Stadt Luzern unterstützend mitwirkt.

Der Kampf ums Wasser

Samland, Poringen und Gingenreich: So hiessen die drei Länder im letztjährigen Sommerlager in Stein im Appenzell. Jedes Land musste ein Menu zusammenstellen. «Die Kinder wussten, dass es beispielsweise für die Herstellung von 200 Gramm Rindfleisch rund 3000 Liter Wasser benötigt», sagt die 24-jährige Medizinstudentin. Das zum Kochen benötigte Wasser mussten sie auf spielerische Weise ergattern. Jedes Land hatte unterschiedliche Wassermengen zur Verfügung. «Bald merkten die Kinder, wie unfair das unter den Ländern aufgeteilt ist.» Schliesslich setzten sich alle zusammen und beschlossen, die Wasserressourcen fair untereinander aufzuteilen. «Weil das Wasser begrenzt war, haben sie dann zum Beispiel das Fleisch vom Menu gestrichen und durch Rüebli ersetzt, oder kauften die regionalen Früchte statt die importierten, damit es für alle reichte.»

Am Schluss zeichneten die Kinder ihre Menus auf grosse Plakate. Die Umsetzung überzeugte die Organisatoren des Wettbewerbs so sehr, dass die Pfadi St. Johannes zur Siegerin gekürt wurde. Laura Brügger und das gesamte Leitungsteam hatten überhaupt nicht damit gerechnet. «Wir hatten am Abend der Preisverleihung einen Elternabend. Als sie dann darauf bestanden, dass wir unbedingt zur Verleihung kommen müssten, wurde uns erst klar, dass wir ja vielleicht einen Preis gewinnen.» Die Freude war umso grösser. «Es ist ein mega cooler Preis», findet Laura Brügger – ein Zelt für zehn Personen, dazu noch eines von bester Qualität. «Ein Preis, den wir sehr gut gebrauchen können.»

«Wir wollen Vorbild sein»

Auch dieses Jahr nimmt die Pfadi St. Johannes am Wettbewerb teil. «Wir werden wieder mit den Wölfli antreten», sagt Laura Brügger. «Wir sind mitten in der Planung. Dieses Mal werden die kreativsten Transporte für das Sommerlager gesucht.» Die Pfadileiterin betont, dass das Thema Nachhaltigkeit auch ohne Wettbewerb grossgeschrieben wird. Die Pfadi sei schon immer eine Bewegung gewesen, die sehr naturverbunden sei. «Deshalb gehen wir sorgsam mit Ressourcen um. Wir versuchen auch, für die Kinder ein Vorbild zu sein, indem wir etwa Abfall konsequent einsammeln oder nicht einfach Äste abreissen.»

Auch beim Essen schauen die Leiterinnen und Leiter darauf, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit mit einfliesst. «Wir machen uns in der Vorbereitung jeweils viele Überlegungen dazu», sagt Laura Brügger. So werden wenn möglich die Milch und die Eier vom benachbarten Bauern bezogen. «Wir planen auch vegetarische Menus mit viel lokalem Gemüse.» Die Schwierigkeit sei jeweils, dass die Lager für die Kinder günstig sein müssen und sich das mit umweltfreundlicher Menuplanung nicht immer ganz vereinbaren liesse. Auch deshalb lohnt sich die Teilnahme am Wettbewerb: «Dadurch bekommen wir pro Nacht und Kind zwei Franken zusätzlich.» Zudem sei der Beitrag von «J+S Jugend und Sport», dem Sportförderungsprogramm des Bundes, verdoppelt worden. «Das können wir unter anderem für nachhaltigere Lager investieren, was uns sehr freut.»

Robert Bossart

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Kirchen investieren in Kinder- und Jugendarbeit

Jungwacht Blauring Luzern ist der grösste Jugendverband des Kantons, die Pfadi Luzern einer der grössten der 22 Kantonalverbände. Beide werden durch die katholische und reformierte Landeskirche unterstützt. Mit diesem Geld können die Verbände zum Beispiel Leiterinnen und Leiter ausbilden und – im Fall der Jubla – eine Arbeitsstelle führen, die für die 80 Scharen eine professionelle Anlaufstelle ist. Oder: Dank der kirchlichen Unterstützung kann der Mitgliederbeitrag tief gehalten werden. So können Kinder und Jugendliche aus allen Schichten mitmachen.

Jubla und Pfadi sind zwei von vielen Einrichtungen, die Menschen darin unterstützen, ihr Leben zu gestalten. Den Kirchen ist dies wichtig. Die reformierte Kantonalkirche und deren Kirchgemeinden haben im Jahr 2018 rund 180’000 Franken für Kinder- und Jugendarbeit ausgegeben – allein für Lager, Projekte oder Pensen in der Kinder- bzw. Jugendarbeit. Bei der (grösseren) katholischen Kantonalkirche waren es im gleichen Jahr erneut rund 100’000 Franken an Jungwacht Blauring und Pfadi. Die Beiträge der Kirchgemeinden an die jeweiligen Scharen und Abteilungen sind noch nicht mitgerechnet.