«Anerkennen»: So lautet das Motto des Aufrufs von Kirchen und Kanton Luzern in ihrem Aufruf zum Bettag vom 20. September. Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj und Regierungspräsident Reto Wyss über Anerkennung in der Politik und die Rolle der Kirchen im Staat.

Der Bettagsaufruf ist so etwas wie eine Sonntagspredigt mitten im politischen Alltag. Warum überhaupt diese Aktion?
Reto Wyss: Der Bettag ist von der Geschichte her ein staatlicher Feiertag. Daraus leiten Kanton und Kirchen ihren gemeinsamen Bettagsauftritt ab, der seit 2009 praktiziert wird. Der Bettagsaufruf ist also keine Alibiübung und auch kein Traktandum, das in der Regierung nicht die erforderliche Beachtung findet. Wir setzen uns mit dem Text auseinander.

Inwiefern?
Reto Wyss: Die Regierung unterschreibt den Aufruf und will zu ihren Aussagen stehen können. Es soll sich in dieser heiklen Konstellation Kirche und Staat niemand vor den Kopf gestossen fühlen.

Ylfete Fanaj, Sie gehören als Muslimin schon seit Jahren der Arbeitsgruppe an, welche die Bettagsaktion vorbereitet? Warum dieses Engagement?
Ylfete Fanaj: Der Bettagsaufruf ist auch von der Islamischen Gemeinde als nicht anerkannte Religionsgemeinschaft unterschrieben. Für mich ist das eine symbolisch wichtige Botschaft von Gemeinsamkeit und Dialog. Ich leiste nur einen kleinen Beitrag. Aber gerade im Sinne des diesjährigen Mottos «Anerkennen» sind auch kleine Zeichen wichtig, um die Wertschätzung für die kirchliche Arbeit auszudrücken.

Sie haben vor kurzem mit der Wahl zur Kantonsratspräsidentin grosse Anerkennung erfahren. Wie wichtig ist Ihnen das?
Ylfete Fanaj: Anerkennung tut gut, in welcher Position auch immer. Man sollte sie im Alltag noch viel mehr ausdrücken. Manchmal sind es Kleinigkeiten, mit denen man Menschen wertschätzen und bestärken kann. Insbesondere, wenn wir ihnen zuhören und etwas Zeit schenken.

Regierungspräsident Reto Wyss. | | © 2020 Roberto Conciatori

Als Regierungsrat erhält man in der Regel mehr Kritik als Anerkennung.
Reto Wyss: Jeder Mensch braucht Anerkennung. Natürlich bekommen wir nicht gerade jeden Tag Liebesbriefe. Aber es gibt immer wieder Momente und Gelegenheiten, bei denen Bürgerinnen und Bürger – Bekannte und Unbekannte – ihre Anerkennung und Wertschätzung ausdrücken. Ich denke, das ist ein mindestens so wichtiger Faktor, um eine Arbeit gut und mit Freude auszuüben, wie der materielle Teil. Darum ist es wichtig, dass wir Menschen in ihren unterschiedlichsten Tätigkeiten Respekt und Anerkennung zollen. Unsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn alle Rädchen sich drehen.

Sie beide haben für ihr «Regierungsjahr» ein Motto gewählt, das dem «Anerkennen» des Bettagsaufrufs sehr ähnlich ist: Verbinden. Das steht heute etwas quer in der Politlandschaft, wo meistens das Trennende, die Abgrenzung betont wird. Reto Wyss, Sie gehören einer sogenannten Mittepartei an: Wie schwierig ist es im politischen Alltag, «die Mitte» zu finden?
Reto Wyss: Es ist insbesondere schwierig, eine Mitteposition als politische Leistung zu verkaufen. Diese Erfahrung haben wir in der CVP in den vergangenen Jahren machen müssen. Kompromisse haben im politischen Alltag oft den Ruf des «faulen Kompromisses». Ich bin jedoch unvermindert der Überzeugung, dass es der Schweiz so gut geht, weil wir im Grundsatz den Konsens anstrengen. Darum ist es wichtig, für Kompromisse einzustehen und auf gemeinsame Lösungen hinzuarbeiten.

«Anerkennung ist ein mindestens so wichtiger Faktor, um eine Arbeit gut und mit Freude auszuüben, wie der materielle Teil.»

Reto Wyss, Regierungspräsident

Ylfete Fanaj, als Sozialdemokratin gehören Sie in der gängigen Diktion einer Pol-Partei an. Wie wichtig sind für Sie Werte wie Verbinden und Kompromisse?
Ylfete Fanaj: Ebenfalls mit Blick auf unsere Geschichte stelle ich fest: Erst dann, als wir anerkannt haben, dass man durchaus verschiedene Meinungen haben und trotzdem einen gemeinsamen Weg gehen kann, erst dann sind wir in der Schweiz weitergekommen und erfolgreich geworden. Wir haben als politische Parteien unterschiedliche Rollen. Polarisierung entsteht, wenn man sich ausgeschlossen fühlt. Es ist wichtig, dass die grösseren Parteien die kleineren anerkennen und bereit sind, die Minderheiten in den Dialog einzubeziehen und in die Verantwortung einzubinden. Das war in unserm Kanton in den letzten Jahren – zum Teil der finanziellen Lage geschuldet – nicht gegeben.

Sie unternehmen jetzt gemeinsam einen Versuch des Verbindens: Was können Sie konkret tun, damit möglichst viele Menschen «das Gemeinsame statt das Trennende entdecken», wie es in Ihrem Motto heisst?
Reto Wyss: Es soll mehr als ein Motto sein. Wir planen gemeinsame Veranstaltungen, bei denen wir mit möglichst vielen Menschen unseres Kantons ins Gespräch kommen wollen. Wir wollen insbesondere auch zeigen, dass wir zuhören können und nicht einfach unsere Botschaften überbringen.
Ylfete Fanaj: Ja, es geht um eine Haltung, die unser Jahr an der politischen Spitze des Kantons prägen soll. Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und das Verbindende betonen. Diese Überzeugung soll bei allen unseren Auftritten und Aktivitäten spürbar sein.

Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj. | © 2020 Roberto Conciatori

Anerkennen und Verbinden: Wie wichtig sind die Kirchen in diesem Bereich?
Ylfete Fanaj: Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten einen enorm wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Sie bieten Gemeinschaft, Lebenshilfe, Spiritualität und Seelsorge. Und ganz zentral: Sie ergänzen staatliche Leistungen sehr wirkungsvoll. Darum ist ihre öffentlich-rechtliche Anerkennung so bedeutsam. Aber auch die nicht offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften leisten wichtige Arbeit.
Reto Wyss: Das kann ich nur bestätigen. Ich spüre das bei meiner Tätigkeit immer wieder. Die Kirche nimmt uns im gesellschaftlichen und sozialen Bereich einen Teil der Arbeit ab und ist eine wertvolle Ergänzung, die wir hoch schätzen. Die Partnerschaft mit den drei Landeskirchen und den weiteren Religionsgemeinschaften hat sich in den vergangenen Jahren sehr bewährt.

Die Kirchen verlieren Mitglieder und damit finanzielle Mittel. Droht eine Verschärfung der Lage im sozialen Bereich, weil ja auch der Staat eher auf der Sparbremse steht?
Ylfete Fanaj: Wir müssen uns bewusst sein, dass jeder Kirchenaustritt dazu beiträgt, dass der Staat längerfristig wieder mehr Aufgaben übernehmen muss. Ich bedaure jeden Kirchenaustritt, auch wenn ich viele Gründe gut verstehe. Aber man entzieht damit nicht dem Vatikan, sondern der Kirche vor Ort jene Mittel, die sie sehr sinnvoll einsetzt. Etwa bei der Gassenarbeit, Freiwilligenarbeit oder im Asylwesen.

«Kirchen und Religionsgemeinschaften bieten Gemeinschaft, Lebenshilfe, Spiritualität und Seelsorge. Und ganz zentral: Sie ergänzen staatliche Leistungen sehr wirkungsvoll.»

Ylfete Fanaj, Kantonsratspräsidentin

Der Asylbereich birgt auch Konfliktpotenzial zwischen Kirche und Staat. Etwa wenn es um Kirchenasyl geht. Da stehen sich Staatsräson und Gewissen manchmal im Weg.
Reto Wyss: Das ist so. Entscheide zu fällen, die für Menschen einschneidende Folgen haben, führt manchmal zu schweren inneren Konflikten. Als Politiker sind wir aber dem Recht verpflichtet und müssen unsere Arbeit auf den Grundlagen der Gesetze leisten. Es ist auf der anderen Seite legitim, dass eine Kirche in gewissen Fragen eine pointiertere Haltung einnimmt, weil sie eine ganz andere Grundlage hat.
Ylfete Fanaj: Wir leben in einem Rechtsstaat und in diesem Rahmen müssen wir uns alle an die Gesetze halten, egal, welche Gesinnung wir haben. Und trotzdem finde ich es wichtig, dass die Kirchen die Aufmerksamkeit auf Anliegen besonders verletzlicher Gruppen legen und deren Rechte einfordern. Sie sollen und müssen ihre Stimme erheben, den Finger auf wunde Punkte legen und so zum moralischen Kompass für uns Politikerinnen und Politiker werden.

Vor 50 Jahren hat der Kanton Luzern die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche als Landeskirchen anerkannt. Das gilt schon seit 1932 auch für die christkatholische Gemeinde. Heute stellt sich die Frage, ob nicht weitere Religionsgemeinschaften, insbesondere der Islam, eine öffentlich-rechtliche Anerkennung erhalten müssten. Wie ist der Stand der Dinge im Kanton Luzern?

Reto Wyss: Mit der Totalrevision der Staatsverfassung wurde die Grundlage für die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften geschaffen. Seither gab es mehrfach Überlegungen und Gespräche in dieser Richtung. Aber zu konkreten Ergebnissen haben diese Bemühungen bisher nicht geführt.

Ylfete Fanaj: «Das Gesetz regelt die Voraussetzungen und das Verfahren», heisst es in der Verfassung. Doch dieses Gesetz existiert noch nicht. Und die Zeit dafür ist – realistisch betrachtet – noch nicht reif. Auch die heutigen Landeskirchen mussten einen weiten Weg gehen, bevor sie anerkannt wurden. Das ist ein langer politischer Prozess. Darum ist es wichtig, dass wir uns heute auf diesen Weg machen. Wenn wir überzeugt sind, dass die Religionsgemeinschaften einen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert haben, dann müssen wir auch über die Nichtanerkannten reden. Sie haben heute eine rechtliche Stellung wie ein Fussballverein. Der verstärkte Dialog und eine verbindlichere Zusammenarbeit etwa mit dem Islam böte auch Gelegenheit, Sachverhalte zu klären und Ängste abzubauen.

Reto Wyss: Grundsätzlich einverstanden. Die bisherigen Bemühungen aber haben deutlich gezeigt, dass es in der Praxis einige handfeste Probleme gibt. Wir haben zum Beispiel keinen einheitlichen Ansprechpartner. Auch in der Frage der steuerlichen Hoheit gibt es noch viele ungelöste Fragen. Wir machen es uns nicht einfach und es ist wohl noch ein langer Weg.

Ylfete Fanaj: Das ist so. Aber der Kanton kann auf diesem Weg Unterstützung bieten. Das beginnt bei alltagspraktischen Fragen wie etwa, bei der Seelsorge Lösungen zu finden. Vor allem müsste der Kanton klar kommunizieren, dass er gewillt ist, diesen Weg zu gehen und die anstehenden Probleme anzupacken.

Haben Sie Ihrerseits aus Sicht der Politik ein Anliegen an die Kirchen und Religionsgemeinschaften?

Reto Wyss: Ich wünsche mir, dass wir unsere Partnerschaft, die gegenseitige Ergänzung und Zusammenarbeit weiterhin pflegen können. Sie kommt letztlich der gesamten Luzerner Bevölkerung zugute.

Ylfete Fanaj: Sie sollen eine andere Sicht öffnen für uns Politikerinnen und Politiker, die wir oft gefangen sind im Tagesgeschäft und eingebunden in unsere Parteien. Stimmen von aussen zu hören, ist deshalb sehr wertvoll.

Zum Schluss: «Der Bettag sollte auch ein Denk-Tag» sein, heisst es im Aufruf des Regierungsrats und der Kirchen. Kommen Sie im hektischen politischen Alltag überhaupt noch dazu, vertieft nachzudenken?

Reto Wyss: Ich hoffe schon, dass sich die Reflexion nicht nur auf den Bettag beschränkt. Ich selber versuche, mir immer wieder Zeitfenster herauszunehmen. Eine gute Gelegenheit sind etwa die Sommerferien. Da kann ich mich über längere Zeit in ein Thema vertiefen. Wichtig ist mir auch, regelmässig über meine eigene Arbeit nachzudenken: Was mache ich, und wie mache ich es?

Ylfete Fanaj: Ich funktioniere etwas anders.Wenn ich ein Zeitfenster habe, um über etwas nachzudenken, dann kommen mir meistens nicht besonders gute Ideen. Die besten Denkanstösse erhalte ich in Gesprächen mit verschiedensten Menschen. Beim Philosophieren bei einem guten Essen etwa. Darum ist es mir wichtig, genügend Zeit zu reservieren für Freundschaften und Diskussionen.

Interview: Stefan Calivers, Chefredaktor des «Willisauer Bote»

Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj und Regierungspräsident Reto Wyss . | © 2020 Roberto Conciatori
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Bettag, Kirchen und Kanton

Anerkennen: Kirchen und Kanton Luzern stellen dieses Jahr ihre Aktion zum Bettag unter dieses Motto. Geplant war im Jubiläumsjahr der Landeskirchen, die Bevölkerung am Bettag zu einer öffentlichen Feier in die Festhalle Willisau einzuladen. Dieser Anlass musste wegen der Corona-Schutzmassnahmen abgesagt werden. So wird der Bettag im gewohnten Rahmen mit örtlichen Feiern begangen. Plakate und Spots in den Bussen weisen auf die Aktion hin. Zusätzlich schalten die Kirchen Zeitungsinserate mit dem Sujet des Bettagsplakats 2020. Sie legen dabei den Fokus auf das «Danke» im Bettag. Denn es gibt für sie allen Grund dafür, Danke zu sagen: Als Kirchen für die ihnen geschenkte Anerkennung, der Bevölkerung für die Solidarität, welche die Gesellschaft in dieser herausfordernden Zeit trägt. Das Interview mit Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj und Regierungspräsident Reto Wyss ergänzt diese Kampagne. Es erscheint in vielen Zeitungen im Kanton Luzern.

Die drei Luzerner Landeskirchen und der Kanton treten seit 2009 mit einer Aktion zum Bettag an die Öffentlichkeit. Daran beteiligt sich jeweils auch die Islamische Gemeinde Luzern. Die Aktion soll dazu beitragen, dass der Bettag von der Bevölkerung unseres Kantons wahrgenommen wird und zum Nachdenken anregt.

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag wird seit 1848 in allen Kantonen jeweils am dritten Sonntag im September gefeiert. Obwohl der Bettag an Bedeutung verloren hat und nicht mehr alle Kantonsregierungen eigene Bettagsworte herausgeben oder sich an solchen beteiligen, hat ein staatlicher, über Konfessionsgrenzen reichender Feiertag bis heute seinen Sinn nicht verloren. Im Kanton Luzern gilt der Bettag weiterhin als Hoher Feiertag, in einer Reihe mit dem Karfreitag, dem Ostersonntag oder dem Weihnachtstag.

In der Gruppe «Mein Weg» verbringen junge Menschen mit und ohne Behinderung Zeit miteinander. Sie teilen ihren Alltag, sie kochen zusammen, sie feiern. Die Gruppe, getragen von der katholischen und reformierten Landeskirche, besteht seit zehn Jahren.

Um die 20 Namen stehen auf der Adressliste von «Mein Weg», etwa die Hälfte traf sich am Freitag Abend (4. September) auf der Terrasse der katholischen Landeskirche, um das Jubiläum zu feiern. Mit dabei auch Max Scheitlin (29), der 2008 in einem Gespräch mit dem damaligen Behindertenseelsorger Gregor Gander den Wunsch geäussert hatte, eine Jugendgruppe von Menschen mit und ohne Behinderung zu bilden. Die Idee nahm Gestalt an, und am 5. Mai 2010 fand das erste Treffen statt. Seither ist «Mein Weg» für viele Jugendliche ein wichtiger Freundeskreis.

«Ein unkompliziertes Miteinander»

«Es geht um einen Austausch und die Darstellung seiner grossen sowie kleinen Wünsche, Ziele und Lebensträume – um eine Vision ihres Lebens», schrieb der Max Scheitlin damals in einer Medienmitteilung. Hans Sutter, reformierter Sozialdiakon im Ruhestand, spricht heute von einem «unkomplizierten Miteinander». Er leitet die Gruppe mit Heidi Bühlmann von der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche. Seit 2010 fanden rund 50 Treffen statt. Es gab schon Filmabende, Spielen und Kochen sind beliebt, viele Treffen richten sich nach den Jahreszeiten und Kirchenfesten, Religion und Glaube spielen immer wieder eine Rolle. «Wir machen alles gerne», hatte Brigitte Kunz im Mai 2019 in einem «Kirchenschiff»-Beitrag erklärt; am Jubiläumsabend ist sie mit ihrem Partner Gilbert Löhle wiederum dabei. Wichtig sei ihr, bei «Mein Weg» Freundinnen und Freunde zu treffen, die sie nicht oft sehe, und über Themen in den Austausch zu kommen, die nicht alltäglich seien.

Sandra Dietschi, welche «Mein Weg» von 2015 bis 2019 mitgeleitet hatte, erinnert sich an «berührende Gespräche», die sie oft erlebt hat: «Ihr lasst uns Anteil nehmen an euren Geschichten, das ist nicht selbstverständlich», dankte sie am Jubiläumsabend den Anwesenden. In der Gruppe «Mein Weg» werde nicht nur von Inklusion gesprochen, «hier wird sie gelebt», hatte Dietschi schon im erwähnten «Kirchenschiff»-Artikel betont.

Bisherige Leitungspersonen: auf katholischer Seite Gregor Gander (2010–2015), Sandra Dietschi (2015–2019) und Heidi Bühlmann (seit 2019), auf reformierter Seite Stefan Sägesser (2013–2015), Hans Sutter (seit 2015)

KONTAKT: Heidi Bühlmann, Behindertenseelsorge der kath. Landeskirche, 041 419 48 43, heidi.buehlmann@lukath.ch

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Zwei katholische und zwei reformierte Jugendliche der Heilpädagogischen Schule Luzern feierten am Freitag Morgen, 4. September ihre Firmung, bzw. Konfirmation in der Kirche St. Anton in Luzern. Auf das Fest vorbereitet worden waren sie durch die Katechetinnen Christel Gysin und Yvonne Blum. Sie hatten sich darüber ausgetauscht, wie man das Vertrauen auf Gott vertiefen und selber dazu beitragen kann, dass Gott in den Begegnungen mit den Nächsten erfahrbar wird. Diesen göttlichen Geist des Wohlwollens und des Mutes wurde ihnen an der Firmung und Konfirmation durch Bischofsvikar Hanspeter Wasmer und Pfarrerin Margrit Schönholzer zugesprochen.

«Dass solche ökumenischen Feiern in der Behindertenseelsorge seit mehreren Jahren möglich sind, freut mich sehr», sagt der katholische Behindertenseelsorger Bruno Hübscher. Das Jubiläumsboot der Landeskirchen, das vor der Kirche anlegte, habe auch aufzeigen sollen, «dass wir in Zukunft noch mehrt zusammenarbeiten und uns gegenseitig ergänzen möchten», sagt Hübscher.

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Die St. Anna-Schwestern in Luzern haben seit Ende Juli erstmals eine Leiterin, die keine der Ihren ist: Simone Rüd. Sie betreten damit Neuland – einmal mehr. Und wollen so anderen Gemeinschaften Mut machen.

Am Vortag des St.-Anna-Festes, am 25. Juli, übernahm Simone Rüd (58) die Leitungsaufgabe von Sr. Rosa Scherer (77), die fast 30 Jahre lang Führungsaufgaben in der Gemeinschaft innehatte. Rüd ist damit die erste Leiterin der Schwestern, die nicht dem Orden angehört. Die Theologin und Palliative-Care-Fachfrau hat viele Jahre Erfahrung als Spitalseelsorgerin. Anfang Jahr wechselte sie ins «St. Anna», jetzt ist sie neu auch die erste Ansprechperson für die noch gut 60 Schwestern (siehe Kasten). Für Alltägliches, wenn zum Beispiel jemand im Spital liegt. Oder sie organisiert gemeinschaftliche Anlässe. Was möglich sei, müsse das Zusammenleben erst zeigen, sagt Simone Rüd. Sie ist vor allem auch Vertrauensperson, hat Zeit und ein offenes Ohr: «Damit das Zusammenleben immer wieder neu gelingt», sagt sie. Dies sei auch in einer Schwesterngemeinschaft stets zu üben, nicht anders als in einer Familie.

«Bi de Lüüt» sein

Ob sie nicht selbst in die Gemeinschaft eintreten wolle, wurde Simone Rüd seit ihrem Stellenwechsel bisweilen gefragt. Sie lacht – und winkt ab: Das Thema Frauengemeinschaften begleite sie zwar seit dem Studium, «aber nur von aussen». Die neue Aufgabe, die Generaloberin Sr. Heidi Kälin (66) erst mit einem handschriftlichen Brief an sie trug, passt ihr, weil sich darin Seelsorge und Betreuung eng verzahnen. «Und ich so immer nahe bi de Lüüt sein kann», wie Rüd sagt. Sie hat ein 100-Prozent-Pensum, ist an Werktagen täglich vor Ort und teilt das Mittagessen mit den Schwestern. Am Wochenende organisieren sich die Schwestern ohne die neue «Oberin», denn Simone Rüd lebt nicht «im St. Anna». Um Verwaltungsbelange, zum Beispiel Versicherungen oder die Krankenkasse, muss sie sich nicht kümmern, das tut die St. Anna Stiftung (siehe Kasten).

Für die St. Anna-Schwestern brauchte die Anstellung von Simone Rüd «einigen Mut», wie Sr. Heidi einräumt. Für sie und ihre Mitschwestern ist der Entscheid aber richtig, zumal er daran anknüpft, was die Gemeinschaft seit über 20 Jahren gut kann: planen und neugestalten. «Dazu hat uns der Heilige Geist immer wieder bewegt», sagt die Generaloberin. Sie wurde vor 14 Jahren als damals Jüngste an die Spitze der St. Anna-Schwestern gewählt. Heute zählt Sr. Heidi mit 66 Jahren zu den noch vier Frauen der Gemeinschaft, die jünger als 70 sind.

Ein Zukunftsmodell

Als die Schwestern Anfang 2019 in einer Zukunftswerkstatt auf das Jahr 2030 blickten, waren sie sich bewusst, dass es darum geht, mit Blick auf die Wirklichkeit und doch Vertrauen Entscheide zu treffen. Auch wenn viele von ihnen manche Veränderung nicht mehr erleben würden. Trotzdem spricht Sr. Heidi von einem Zukunftsmodell, das nun umgesetzt werde und das anderen Gemeinschaften Mut machen könne. Sie ist sich gewiss: «Es gibt immer einen Weg.» Vor über 20 Jahren gründeten die St. Anna-Schwestern in diesem Vertrauen eine Stiftung, um ihre sozialen Werke zu sichern und dieser mehr und mehr die Sorge um die alternde Gemeinschaft anzuvertrauen. 2009 begann das «St. Anna», Schwestern anderer Orden in seine Häuser aufzunehmen. Später war die Gemeinschaft die treibende Kraft für das benediktinische Zentrum, das 2019 im Kloster Sarnen eröffnet wurde und in dem auch die Schwestern vom Melchtal und von Wikon ein neues Zuhause fanden.

Sr. Samuelle Käppeli, mit 56 Jahren die Jüngste der St. Anna-Schwestern und Mitglied des Generalrats, sagt, es gehöre zum Wesen und Auftrag der Gemeinschaft, «die Zeichen der Zeit» zu erkennen. «Wir können heute also weniger durch unser Tun wirken», sagt sie, «immer noch aber durch unser Dasein und unsere Anteilnahme am Leben der Welt um uns.» Simone Rüd nickt. Dies sei spürbar im Haus. Sie weist auf das Alterszentrum St. Anna hin, das in gut einem Jahr eröffnet werden wird und wo neben den Schwestern andere Menschen ihren Lebensabend verbringen werden, die sich von der spirituellen Ausrichtung des Hauses angesprochen fühlen. Das Zentrum entsteht unterhalb der Hirslanden-Klinik St. Anna, dem Gründungsort der Gemeinschaft. Wer in Luzern vom «St. Anna» spricht, meint seit jeher das Spital auf der Sonnseite der Stadt. Dieses liegt den Schwestern nach wie vor am Herzen, war es doch über Jahrzehnte das Mutterhaus der Gemeinschaft. Vor 15 Jahren veräusserte sie die Klinik an die Hirslanden-Gruppe.

Generaloberin Sr. Heidi ist es wichtig, dass die Schwestern auch in ihren alten Tagen ein erfülltes Leben führen können. Das absehbare Ende der Gemeinschaft in der Schweiz nimmt sie gelassen. «Im Lauf der Geschichte sind schliesslich schon viele Orden verschwunden.» Die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern lebe und wirke in Indien und Ostafrika weiter.

Das aus deren Häusern in Luzern nun ein Alterszentrum entsteht, freut Sr. Heidi zusätzlich. «Es lohnt sich, in die Zukunft zu investieren, auch wenn das Werk uns Schwestern überleben wird.» Der Geist von St.  Anna werde über diese spürbar bleiben.

Dominik Thali

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Noch vier Schwestern sind jünger als 70 Jahre

1909 | Die Gemeinschaft wird von Wilhelm Meyer, Regens am Priesterseminar Luzern, gegründet. Unter dem Namen «St. Anna-Verein» entsteht eine Organisation für die Pflege von Müttern und Kindern.
1918 | Das neu erbaute Sanatorium St. Anna (heute Hirslandenklinik St. Anna) wird eröffnet.
1927 | Die ersten Schwestern reisen nach Indien in die Missionen. 1990 dehnen sie ihr Werk nach Ostafrika aus. Heute arbeiten rund 900 Schwestern in 60 Niederlassungen, seit 2000 unabhängig von der Schweiz.
1998 | Die Gemeinschaft wird kleiner und beschliesst, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen. Die Stiftung St. Anna wird gegründet, um die sozialen Werke der Schwestern für die Zukunft zu sichern und mehr und mehr für die Bedürfnisse der Schwestern zu sorgen.
2005 | Das «St. Anna» in Luzern wird als letzte der vier eigenen Kliniken (neben Zürich, Lugano und Fribourg) verkauft.
Heute | In den 50er Jahren zählte die Gemeinschaft in Luzern rund 400 Schwestern; heute sind es 62, das Durchschnittsalter beträgt 80 Jahre, nur vier Schwestern sind jünger als 70.
Ende 2021 | Das Alterszentrum St. Anna wird eröffnet. Es wird mit den bestehenden Schwesternhäusern insgesamt rund 130 Wohn- und Pflegeplätze bieten – für die Schwestern selbst und weitere Interessierte.

Stiftung verwaltet die sozialen Werke

Die St. Anna-Schwestern bewiesen schon 1998 Weitsicht. Sie gründeten damals eine Stiftung, die sich seither um die Bedürfnisse der der Schwestern kümmert und deren soziale Werke für die Zukunft sichert. Heute sind dies noch eine Kindertagesstätte, ein Alterszentrum, die Herberge «Haus Hagar» für Frauen in Not sowie die Hilfswerke in Indien und Afrika. Die Stiftung sichere die Lebensgrundlagen der Schwesterngemeinschaft, sagt Generaloberin Sr. Heidi Kälin. Als Arbeitgeberin zählt sie rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Und was hältst du von der Kirche? Wie kommt Kirche bei dir an? Dieser Kurzfilm, der zum Jubiläumsjahr der Luzerner Landeskirchen 2020 entstanden ist, lässt Menschen zu Wort kommen, die wir auf der Strasse getroffen haben.

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Credits
Produziert von Team Tumult
Regie: Beni Morard
Konzept: Beni Morard / Fleur Budry
Interviews: Fleur Budry
Storyboard & Schnitt: Beni Morard
Design: Beni Morard, Nina Christen
Animation: Beni Morard, Frederic Siegel
Sounddesign & Mischung: Etienne Kompis

Was bedeutet Kirche den Menschen im Kanton Luzern? In einem Film, der zum 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen entstanden ist, sagen sie es gleich selbst.

«Für mich ist die Kirche so eine Art Dorfgemeinschaft», meint ein Mann zu Beginn. Sie finde es «mega toll», wie sich in der Kirche Leute ehrenamtlich engagierten, sagt später eine Frau. Und ein Bub erzählt begeistert vom Spielen in der Jubla.

«Kirche kommt an»: Unter diesem Motto feiern die katholische und reformierte Kirche im Kanton Luzern 2020 das 50-jährige Bestehen ihrer Anerkennung durch den Staat, zusammen mit der schon älteren christkatholischen Kirche. «Wir hören zu», versichern sie im Abspann des vierminütigen Animationsfilms. Dafür begab sich das Produktionsteam mit dem Mikrofon auf Strassen und Plätze von Luzerner Gemeinden und fragten Passantinnen und Passanten, was ihnen die Kirche bedeute. Deren Stimmen und die originalen Hintergrundgeräusche bilden den Tonteppich des Films, der ohne weitere Erklärungen auskommt. Auf diese Weise entsteht ein vielschichtiges Bild von Kirche, in dem auch kritische Aussagen Platz haben. So sagt eine Frau an einer Stelle, die Pfarreifeste jüngst hätten ihr zwar gutgetan. «Aber sonst finde ich Kirche ein bisschen langweilig.»

Auch mit einem Augenzwinkern

Was Kirche Menschen bedeutet: Dies will der Animationsfilm der Kirchen im Kanton Luzern aufzeigen – auch mit einem Augenzwinkern. Am Mittwoch dieser Woche (20. Mai 2020) hätte der Streifen an den Synodesessionen der katholischen und reformierten Kirche Premiere gefeiert. Das Corona-Virus hat diesen Plan durchkreuzt, auch die gemeinsame Feier der beiden Parlamente im Anschluss ans Geschäftliche. Stattdessen machen die Kirchen mit einer Postkartenaktion auf den Film aufmerksam. Die Premiere findet gleichentags statt – punkt 10 Uhr auf Facebook und Youtube. Auf dem letzteren Kanal ist er frei verfügbar.

Medienmitteilung vom Montag, 18. Mai 2020

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Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Der Ostergottesdienst wird aus der Luzerner Jesuitenkirche ausgestrahlt. Er wird von folgenden Personen gehalten:

  • P. Hans-Ruedi Kleiber, Leitender Priester des Pastoralraums Luzern (kath.)
  • Hans Weber, reformierter Pfarrer in Sempach
  • Sylvie von Arx Schmid, Lektorin in der christkatholischen Kirchgemeinde
https://vimeo.com/406292695

Der Spot:

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Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Die Feier am Karfreitag wurde aus der reformierten Kirche Weinbergli in Luzern ausgestrahlt und von folgenden Personen gehalten:

  • Markus Müller, Gemeindeleiter der Pfarrei Nebikon und Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche
  • Verena Sollberger, Pfarrerin der reformierten Kirche Stadt Luzern
  • Adrian Suter, Pfarrer der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern

Der Spot:

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Von Normalität kann gerade nicht die Rede sein. Vielleicht rückt sie aber durch die aktuelle Corona-Krise wieder in ganz andere Relationen. Solidarität ist wieder sichtbar, erlebbar. Sie ist notwendig: Wir sind aufeinander angewiesen. Apocalypse not now. Die Welt dreht sich weiter. Ostern findet statt. Alles ist anders. Ein Blick auf die Kirche in ausserordentlichen Zeiten.

Bei kirchlichen und seelsorgerischen Angeboten ist nun Umdenken gefragt. Social Distancing fordert heraus, was bisher selbstverständlich war. «Kirche findet anders statt», so Ulf Becker, Synodalrat der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern. «Und auch die Seelsorge findet anders statt. Viele Menschen verlassen ihre Wohnungen nur für das Allernötigste und die sozialen Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Viele können gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten. Das kann zu Vereinsamung, Spannungen, zu psychischem und finanziellem Druck führen. Auch die Sorge um die eigene Gesundheit und Angst vor der Zukunft belasten. Hier leisten die Kirchgemeinden wichtige Unterstützung mit der Möglichkeit eines vertraulichen Gespräches», meint Becker, der selbst Pfarrer in Reiden ist. «Auch Gottesdienste im Fernsehen oder im Internet spenden Lichtblicke und Trost. Sie können Halt geben, auch wenn wir uns nicht im selben Raum versammeln können. Das ist besonders in Krisenzeiten wichtig.»

Jetzt gehe es darum, andere Formen von Begegnung zu schaffen, «um Freude zu bereiten und Mut zu machen», sagt Andreas Wissmiller, Pfarreileiter in Willisau. Pfarreiseelsorgerin Christine Demel tut dies zum Beispiel mit Briefen an Betagte und Telefonanrufen zu ihnen. Er erlebe die Pfarrei-Mitarbeitenden hoch motiviert, aus der Lage das Beste herauszuholen, sagt Wissmiller. «Es braucht einfach Phantasie, Kreativität und viel Kommunikation.»

Von den positiven Beispielen einer «Seelsorge der anderen Art», wie sie nun überall im Kanton Luzern Form annehmen, darf man sich inspirieren lassen. Und vor allem: Die Kreativität hilft. Jetzt und direkt. Ob es der Mahlzeitendienst in Horw ist, der in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde, Leute vom Einkaufen entlastet und gleichzeitig das lokale Gewerbe unterstützt oder die simple Mutmachseite auf der Webseite des Pastoralraums Hürntal, die vielen Jugendlichen aus Pfadi und JuBla, die sich gerade in der Nachbarschaftshilfe engagieren – all diese Angebote leben vom gleichen Gedanken: Jetzt erst recht!

Ökumenische Fernsehgottesdienste an Ostern auf Tele 1

Die ausserordentliche Lage zum Schutz vor dem Coronavirus erstreckt sich über Ostern vom 12. April 2020 hinaus. «Am Karfreitag gedenken wir Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz. Der Ostersonntag ist mit der Auferstehung der bedeutendste Festtag im christlichen Feiertagskalender. Mit der Auferstehung an Ostern setzt Gott ein starkes Zeichen, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort behalten. Ostern eröffnet Hoffnung auf neues Leben», erklärt Ulf Becker.

Kirche kommt an. Dazu gehört auch, dass möglichst viele einen Zugang zu einem Gottesdienst erhalten, und dies auch ergänzend zum Internet. Aus diesem Grund strahlen die drei Landeskirchen im Kanton Luzern sowie das Bischofsvikariat St. Viktor des Bistums Basel an Karfreitag und am Ostersonntag je einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst im Fernsehen aus. Zu sehen am 10. und 12. April jeweils um 10 Uhr auf Tele 1.

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Licht der Verbundenheit

Die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche in der Schweiz setzen in Zeiten der Corona-Krise zusammen ein Zeichen der Verbundenheit, Gemeinschaft und Hoffnung. Bis Gründonnerstag werden im ganzen Land jeweils am Donnerstagabend um 20 Uhr die Kerzen auf den Fenstersimsen entzündet. Die Menschen sind zum gemeinsamen Gebet eingeladen.

Coronavirus: Seelsorge geht weiter (SRF Tagesschau vom 18.03.2020, 19.30 Uhr)

Wie die Arche Noah auf dem Berg: Das Jubiläumsboot der Landeskirchen legte im März im Entlebucher Wallfahrtsort Heiligkreuz an – als Einladung, auch in unruhigen Zeiten an Bord zu bleiben.

Noah strandete nach 40 Tagen Flut auf dem Berg Ararat, das Boot der Landeskirchen am 15. März vor der Wallfahrtskirche Heiligkreuz. Noah handelte weitsichtig angesichts des ihm angekündigten Unheils, Wallfahrtspriester Kobi Zemp verband das alttestamentliche Geschehen, ohne das Wort «Corona»auszusprechen, mit der Tagesaktualität. «Gott lädt uns ein, in sein Schiff zu steigen, auch wenn dieses in stürmischen Zeiten unterwegs ist.» Die berührende Musik dazu erklang an diesem Sonntag von Hermann Studer (Büchel), Hans Wigger (Trompete) und Marietheres Bieri (Orgel).

Predigen wie Jesus im Boot

Für seine Predigt stieg Zemp selbst in das Boot, mit dem die Landeskirchen zu ihrem 50-jährigen Bestehen durch den Kanton Luzern rudern. Im Evangelium hatte er von Jesus erzählt, der den Sturm auf dem See verschlief und seine verängstigen Jünger ins Vertrauen zurückholen musste, indem er dem Tosen Einhalt gebot. Das Bild der Arche, des Boots, lädt für Kob Zemp dazu ein, «den Schöpfer von Allem nicht zu vergessen». Jeder solle auf seine Weise Boot-Schafterin, Boot-Schafter sein «für das, was Jesus wollte: Im Umgang mit den Mitmenschen, im Umgang mit der Natur». Nichts sei selbstverständlich, das sei doch in der Krise erst recht zu spüren.

Zuflucht seit Jahrhunderten

Mit «Kirche kommt an» ist das Jubiläumsboot beschriftet und lautet das Jubiläumsmotto der Landeskirchen. Im Heiligkreuz, dem Wallfahrtsort ob Hasle und Schüpfheim, trifft dies seit Jahrhunderten zu. Gemäss der Legende reicht der Ursprung der Kreuzverehrung hier ins 4. Jahrhundert zurück. Im 14. Jahrhundert zogen die ersten Mönche vom damaligen Kloster St. Urban auf den Berg. Die heutige Kirche geht auf das späte 15. Jahrhundert zurück. Sie entwickelte sich zum Wallfahrtsort; auch deshalb, weil der Kirchenschatz eine Kreuzreliquie aufweist, der wohl von den kreuzverehrenden Zisterziensern von St. Urban zurückgelassen wurde.

Hilfe fürs Leben

«Die Heiligkreuzkirche gefällt, wird gesehen, geschätzt. Sie leuchtet, begeistert, beeinflusst, wirkt auf Menschen ein, wird aufgesucht, trägt Hilfe und Anregungen ins Leben. Eine Kirche, die geliebt wird», heisst es im Geleitwort des Pilgerbüchleins.

Über Jahrhunderte besorgten Kapuzinerbrüder die Seelsorge auf Heiligkreuz. Crispin Rohrer war bis Herbst 2017 deren letzter, der Escholzmatter Kobi Zemp, zuvor Pfarrer in Schüpfheim, wurde sein Nachfolger.

Dominik Thali

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