Weil in den Pfarreien und Kirchgemeinden Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen nach wie vor nur mit bis zu 50 Personen stattfinden konnten, standen auch am Ostersonntag nur eine beschränkte Anzahl Plätze zur Verfügung stehen, um die Auferstehung von Jesus zu feiern. Die drei Landeskirchen im Kanton Luzern boten deshalb mit dem ökumenischen Oster-Fernsehgottesdienst wiederum einen ergänzenden digitalen Zugang für sehr viele Menschen, die aufgrund der Corona-Lage nicht alle vor Ort teilnehmen konnten oder wollten. 

Fernsehzugang via Tele1 

Der 30-Minuten Ostergottesdienst aus der Reformierten Kirche Reiden war am Sonntag, 4. April 2021, um 10 Uhr im Regionalfernsehen Tele1 zu sehen. Für schwerhörige und gehörlose Menschen wurde der Gottesdienst erneut in Gebärdensprache ausgestrahlt. Der katholischen, der reformierten und der christkatholischen Landeskirche des Kantons Luzern ist der christliche Wert der gesellschaftlichen Inklusion und der Solidarität auch bei einem Fernsehgottesdienst ein zentrales Anliegen. Es wirkten mit: Edith Pfister (Leiterin des Pastoralraums Pfaffnerntal-Rottal-Wiggertal, katholisch), Barbara Ingold (Pfarrerin Reformierte Kirchgemeinde Reiden und Umgebung) und Adrian Suter (Pfarrer Christkatholische Kirchgemeinde Luzern). 

Walter Ziörjen (Organist) und Ruth Soland (Kantorin) begleiteten den Fernsehgottesdienst musikalisch. In Gebärdensprache übersetzte Agnes Zwyssig (Gebärdensprachdolmetscherin).

Sie feierten den Oster-Fernsehgottesdienst vom 4. April 2021 (von links): Edith Pfister (kath.), Barbara Ingold (ref.) und Adrian Suter (christkath.). Die Feier wurde in der reformierten Kirche Reiden aufgezeichnet, | © 2021 Dominik Thali
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50+1 Jahre Landeskirchen im Kanton Luzern

 
Im Jubiläumsjahr 2020 des 50-jährigen Bestehens hatten die Luzerner Landeskirchen in ökumenischer Verbundenheit unter dem Motto «Kirche kommt an» verschiedene Anlässe geplant. Aufgrund der Massnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie mussten die Aktivitäten wie mit den Fernsehgottesdiensten gemeinsam umgestaltet werden. Die katholische und die reformierte Kirche haben entschieden, das Jubiläum im 2021 um ein weiteres Jahr unter dem Motto «50+1» zu verlängern.

 

Mit 30 Jahren wurde Aline Mumbauer im September des vergangenen Jahres die jüngste Gemeindeleiterin im Bistum. In Konolfingen nennen sie manche auch mal «Frau Pfarrer». Die Luzernerin aus Sempach erlebt die Kirche in der weitläufigen Pfarrei bisweilen «wie ein Labor».

Seelsorgerin werden? Religionsunterricht erteilen? Jemanden beerdigen? Das war alles nicht ihr Plan. Auf die Theologie kam Aline Mumbauer – Bachmann hiess sie bis zu ihrer Heirat im Dezember –, weil das Gemeindeleiterpaar ihrer Heimatpfarrei sie dazu ermuntert hatte. Die damals 18-jährige Maturandin stieg ein und war begeistert davon, ihre Gottesbeziehung, die sie schon immer gehabt habe, im Studium zu hinterfragen. «Aber ich war bis zum Schluss nicht sicher, ob ich in den kirchlichen Dienst will.» Kann und will ich das, was ich in mir selbst spüre, auch mit so vielen anderen Menschen teilen, fragte sich die junge Frau. Und predigen? «Da exponiert man sich ja enorm. Wie weiss ich, ob mit dem, was ich sage, auch jene, die mir zuhören, etwas anfangen können?»

Glaubwürdig sein

Inzwischen hat Aline Mumbauer erfahren: Ihr Tun muss nicht allen gefallen, sondern glaubwürdig sein. «Ich kann nur davon erzählen, wie ich Gott erlebe, welches mein Weg ist. Das spricht vielleicht jemanden an.» Anfang November etwa führte sie dieser Weg zu den acht Familien ihrer Pfarrei, in denen während des Jahres jemand verstorben war. Weil Corona eine gemeinsame Gedenkfeier verunmöglicht hatte, brachte sie den Angehörigen ein Kerzengesteck nach Hause. Konolfingen ist eine weitläufige Kirchgemeinde, Mumbauer war einen Tag lang mit dem Auto unterwegs, sie hatte sich nirgendwo angemeldet, «ich läutete einfach und sagte, ich sei die neue Gemeindeleiterin». In mancher Stube sass sie schliesslich eine Stunde lang, erzählt sie, «wir haben geredet und gelacht und geweint zusammen».

Aline Mumbauer strahlt. Und sagt: «Ich habe den schönsten und erfüllendsten Beruf, den ich mir vorstellen kann.»

Dabei war der Weg, der die junge Luzernerin vor fünf Jahren in die Berner Diaspora führte, nicht gradlinig. Aline Mumbauer wuchs in Sempach mit drei Geschwistern auf; da waren die befreundeten Kinder des Gemeindeleiterpaars und war das Pfarrhaus offen, Aline wurde Ministrantin, Mini-Leiterin, machte da und dort und überall in der Pfarrei mit, «eine wunderbare Kindheit», blickt sie zurück.  «Aber ich nahm natürlich auch die Schattenseiten des pastoralen Dienstes wahr. Wie schwierig es oft ist, Familie und Beruf zu vereinen.»

Frohe Botschaft verkünden statt Pixel verschieben

Mumbauer schrieb sich deshalb nicht als Bistumsstudentin an der Uni ein. Und sie schlug nach dem Theologie-Master erst eine andere Richtung ein und dockte als Praktikantin bei einem IT-Unternehmen an, wo sie unter anderem E-Learnings für eine Grossbank gestaltete. Doch nicht lange: «Eines Tag meinte meine Chefin, dieser Pfeil da auf Folie sowieso sei zwar richtig platziert, aber ich solle ihn doch noch um ein drei Pixel verschieben.» Mumbauer lacht: «Das war wie eine Gottesbegegnung. Der Moment, in dem ich gewahr wurde: Ich schiebe da Pixel herum und könnte stattdessen mit Leuten unterwegs sein und von der frohen Botschaft erzählen!»

Ab da ging es ohne Umwege weiter. Aline Mumbauer meldete sich beim Bistum und wurde in die Pfarrei Ostermundigen geschickt. Sie solle als Kontrast doch in die Diaspora, befand man in Solothurn. Mumbauer willigte gerne ein und blieb hängen: Den zwei Vorjahren, die sie zwischenschalten musste, weil ihr die Vorkenntnisse als Bistumstudentin fehlten, folgten in der gleichen Pfarrei die zwei «richtigen» Jahre der Berufseinführung.

Nach dieser gleich eine Pfarrei zu übernehmen, ist nicht üblich. Doch Mumbauer wollte in der Region bleiben, weil ihr Mann in Bern in der Ausbildung steckt und ergriff die Gelegenheit, als ihr die offene Stelle in Konolfingen angeboten wurde. «Eine Chance, viele neue Erfahrungen zu sammeln», sagte sie sich.

© 2021 Pia Neuenschwander

Teamsitzung mit sich selber

Was sich seit dem Stellenantritt im September bewahrheitet. Ihre Aufgabe sei «sehr intensiv, aber auch sehr vielfältig», sagt Aline Mumbauer. Will heissen: Gottesdienst, Religionsunterricht, Trauerfeier, Krankenbesuch, Pfarrhaus-Umbau – die Ansprechperson heisst immer Aline Mumbauer. Zwar arbeiten «supertolle Leute» – zwei Katechetinnen, zwei Organisten, eine Sakristanin und zwei Aushilfen und eine Sekretärin in der Pfarrei mit, «aber Teamsitzungen führe ich mehr oder weniger mit mir selbst», schmunzelt Mumbauer. Um sogleich nachzuschieben: «Aber das ist alles sehr schön. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr verausgabe und bloss von einer dringenden Pendenz zur nächsten renne.»

Es gibt also einerseits viele Verpflichtungen, anderseits auch viel Freiheit. Katholisch-Konolfingen zählt etwa 2100 Mitglieder, die sich aber auf 20 politische Gemeinden verteilen. Wer am Sonntag z Chele will, und das sind jeweils bloss um die 15 bis 20 Personen, muss sich ins Auto setzen. Für Aline Mumbauer eine «extrem spannende» Ausgangslage, die sie «wie ein Labor» erlebt, in dem man «in die Zukunft der Kirche» schauen könne – mit kleinen Zentren, die Gläubigen weit herum verstreut.

Dazu passt vielleicht, dass manche Aline Mumbauer auch mal «Frau Pfarrer» sagen. Selbige schmunzelt, sie sähe sich – «warum nicht» – durchaus als Diakonin, wenn das denn kirchenrechtlich möglich wäre. Diesbezüglich hält sich Mumbauer allerdings zurück. Nicht dass ihr Gleichstellung in der Kirche egal wäre – mitnichten. «Aber ich mag mich nicht zu sehr an kirchenpolitischen Fragen aufreiben», sagt sie, sie wolle darob nicht verbittern, «und wie soll da noch ein Funke springen, wenn man keine Freude ausstrahlt?»

Aline Mumbauer steckt ihre Energie also lieber in die Suche danach, wie denn mit Menschen von heute überhaupt noch über Glaube und Spiritualität ins Gespräch zu kommen ist. Für sich selbst erfahren zu haben, dass Gott den Menschen «so nahe ist, wie er es immer schon war», erachte sie als «Privileg», sagt Mumbauer. Die steigende Anzahl Kirchenaustritte hingegen liessen sie «in manchen Momenten auch leiden».

Den Heiligen Geist durch die Kirche fegen lassen

Die junge Gemeindeleiterin macht sich nichts vor: Die Kirche schrumpft. Doch in das nach ihrer Erfahrung «ein wenig verbreitete kirchliche Jammern, alles sei so schwierig», mag sie nicht einstimmen. Anderseits: Womöglich gehört das mit zum Programm. «Wenn ich mir vorstelle, dass der Heilige Geist durch die Kirche fegt und gleichzeitig weiss, dass er mit uns ist, denke ich: Der will uns doch etwas zeigen. Wir haben uns bloss noch nicht wachrütteln lassen».

Dominik Thali

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Die 1×1-Kirche in Dagmersellen: wo Kinder dem Glauben während des Gottesdienstes näherkommen. Mit einfachen Worten, einprägsamen Bildern, Lachen und viel Farbe.

«Wie viele Kleber hast du schon auf deinem 1×1-Kirchenpass?», fragt ein Junge seinen Kameraden vor Beginn des Sonntagsgottesdienstes. Stolz vergleichen die Beiden ihre bunt angemalten Pässe, die sie an einem grünen Band um den Hals tragen. Für jeden besuchten 1×1-Kirchengottesdienst gibt es einen neuen Kleber – insgesamt acht davon im Verlauf von zwei Jahren.

Heute steht Thema Nummer drei auf dem Programm: Beten. «Das ist Reden mit Gott wie mit den Eltern oder einer guten Freundin», erklärt Theologin Katharina Jost. Sie hat gemeinsam mit vier Frauen aus dem Pastoralraum Hürntal die 1×1-Kirche ins Leben gerufen. Ziel: «Wir möchten Kindern bereits vor der Erstkommunion ein einfaches Verständnis für kirchliche Konzepte wie das Kreuzzeichen, das Brotteilen oder die verschiedenen Rollen im Gottesdienst geben.»

Die Versuchung mit den Chips

Anders als bei einer üblichen Sonntagsfeier nehmen die Kinder der 1×1-Kirche mit ihren Eltern am gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst teil, dürfen jedoch zwischendurch und insbesondere während der Predigt bei einem Spezialprogramm mitwirken. Heute geht es raus an die frische Luft, wo die rund 40 Kinder dem wohl berühmtesten Gebet des Christentums auf den Grund gehen: dem Vaterunser. Auf einem blauen Tuch sind verschiedene Gegenstände ausgebreitet, wobei jeder für einen besonders kniffligen Begriff im Vaterunser steht. Zum Beispiel liegen da eine Tüte Chips und Schokolade. «Was könnte damit gemeint sein?», fragt Katharina Jost die Kinder. Sofort schiessen Hände in die Luft; die Antworten sind kreativ. «Versuchung?», errät schliesslich ein Junge. «Sehr gut! Bestimmt kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine Handvoll Chips genommen habt und einfach nicht aufhören könnt, obwohl ihr wisst, dass es besser wäre – mir passiert das andauernd», sagt Katharina Jost und erntet verständnisvolles Nicken.

Ein Anlass für Jung und Alt

Pünktlich zur Kommunion sind die Kinder wieder in der Kirche – bereit fürs Vaterunser, das sie mit eingeübten Gesten stolz vor dem Altar vortragen. Die Verflechtung von kinderfreundlichen Elementen in den gewöhnlichen Gottesdienst ist Teil des Erfolgsrezepts der 1×1-Kirche: «Das Miteinander von Jung und Alt ist sehr schön; für die ganze Familie ist etwas dabei», sagt etwa Roman Laimbacher, der den Gottesdienst mit seinen beiden Kindern besucht. Katharina Jost berichtet von anderen Pfarreien, die sich bereits mit Interesse fürs Projekt bei ihr gemeldet haben. «Die 1×1-Kirche kommt an – das freut uns», sagt die Theologin.

Und was meinen die Kinder? «Ich habe hier viel gelernt: Wenn ich nun andere Gottesdienste besuche, verstehe ich viel mehr als vorher», sagt Lina Bünter, die sich heute den dritten Kleber für ihren 1×1-Kirchenpass verdient hat. Ob sie bei der nächsten 1×1-Kirche wieder dabei sei? Lina zögert nicht mit ihrer Antwort: «Na klar – mein Pass soll schliesslich voll werden!»

Anna Graf

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Auf dem (katholischen) Kirchenschiff stehen sie nicht am Steuer. Doch in der Besatzung spielen sie eine wichtige Rolle: Katechetinnen und Katecheten machen die Musik an Bord. Die Luzerner Landeskirche setzt sich seit ihrer Gründung für deren Aus- und Weiterbildung ein.

Um ihre Arbeit machen sie meist kein Aufhebens. Aber sie ist grundlegend im Pfarreialltag: Katechetinnen und Katecheten öffnen Kindern und Jugendlichen Raum zum Fragen und Suchen, sie führen sie ins Nachdenken über das eigene Leben. Gelingt ihnen das, bleiben viele an Bord.

Von der Pfarrei ermutigt

Was dafür entscheidend ist, zeigen die Gründe, weshalb Frauen – Männer sind es selten – sich für den Bildungsgang Katechese der katholischen Kirche in der Deutschschweiz entscheiden. Mitte September stiegen 15 von ihnen mit zwei Schwerpunkttagen im Bildungshaus Hertenstein in die dreijährige Ausbildung ein. «Ich hatte keine so gute Katechetin, das war schade», erinnert sich Cristina Fehr. Das wolle sie besser machen. Fehr, 28 und Sekundarlehrerin im Kanton Zürich, erteilt bereits Religionsunterricht auf der Oberstufe. Sie erlebe die Jugendlichen «mega interessiert». Andrea Arnold wiederum war von der Katechetin, die ihre ältere Tochter auf auf die Erstkommunion vorbereitete, «so begeistert, dass ich dachte, das wärs doch auch für mich», erzählt sie. Die Pfarrei Willisau, in der sie mitmacht, hat sie ermutigt, die Ausbildung zur Katechetin zu machen. Arnold, 42, ist gelernte Fotofachangestellte.

Die zwei Beispiele seien typisch, sagt Ueli Rüttimann, der mit Gabrijela Odermatt die Module des Partnerkantons Luzern im ForModula-Baukasten verantwortet (siehe Kasten). Katechetinnen seien oft die ersten Ansprechpartnerinnen, mit denen es Kinder und ihre Familien im kirchlichen Umfeld zu tun bekämen. Gefragt seien also Fachwissen, Methodenvielfalt und erzieherisches Geschick. Odermatt knüpft hier an: Die vielfältige Tätigkeit der Katechetinnen sei «enorm wichtig» für die Pfarreien, sagt sie. Odermatt will den Frauen «einen umfassenden Überblick über eine zeitgemässe Religionspädagogik bieten» und sie «befähigen, den Glauben an Gott, der uns Wegweiser ist für ein gelingendes Leben, anderen zugänglich zu machen».

Ein «radikaler beruflicher Wechsel»

«Ich will die Kids einfach packen», fasst Margerita Bisaku diesen Anspruch zusammen. Die 35-jährige aus Emmenbrücke steht nach einer Lehre im Detailhandel und einer kaufmännischen Weiterbildung vor einem «radikalen beruflichen Wechsel», wie sie selbst sagt. Darauf freut sie sich: «Religion und Glauben waren mir und in meiner Familie schon immer wichtig.» Sabrina Knüsel, auch sie aus Emmenbrücke, geht es ähnlich: 29 ist die medizinische Praxisassistentin, hat drei Kinder und viele Fragen ans Leben, auf die sie erst einmal für sich selbst Antworten sucht. Die zwei Tage in Hertenstein haben sie darin bestätigt, dass die Richtung stimmt: «Jetzt habe ich richtig Lust auf mehr!»

Dominik Thali

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In drei Jahren zur Katechetin/zum Katecheten

Die Ausbildung zur Katechetin/zum Katecheten nach ForModula ist gesamtschweizerisch modularisiert und dauert um die drei Jahre. Die katholische Kirche im Kanton Luzern beteiligt sich daran. Die Ausbildung befähigt die Absolventinnen und Absolventen, Religionsunterricht zu erteilen und in den Pfarreien ausserschulisch tätig zu sein, zum Beispiel in der Sakramentenvorbereitung, Liturgiegestaltung oder in der katechetischen Arbeit mit Erwachsenen.
Die modularisierte Ausbildung gibt es seit 2011. Bis heute haben sie im Kanton Luzern rund 70 Personen abgeschlossen. Zuvor hatte die Luzerner Landeskirche in alleiniger Veranwortung Katechetinnen und Katecheten ausgebildet.
Auf universitärer Stufe gibt es daneben das Studium als Religionspädagogin/Religionspädagoge. Es dauert ebenfalls drei Jahre und schliesst in der Regel mit dem Bachelor ab.

«Anerkennen»: So lautet das Motto des Aufrufs von Kirchen und Kanton Luzern in ihrem Aufruf zum Bettag vom 20. September. Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj und Regierungspräsident Reto Wyss über Anerkennung in der Politik und die Rolle der Kirchen im Staat.

Der Bettagsaufruf ist so etwas wie eine Sonntagspredigt mitten im politischen Alltag. Warum überhaupt diese Aktion?
Reto Wyss: Der Bettag ist von der Geschichte her ein staatlicher Feiertag. Daraus leiten Kanton und Kirchen ihren gemeinsamen Bettagsauftritt ab, der seit 2009 praktiziert wird. Der Bettagsaufruf ist also keine Alibiübung und auch kein Traktandum, das in der Regierung nicht die erforderliche Beachtung findet. Wir setzen uns mit dem Text auseinander.

Inwiefern?
Reto Wyss: Die Regierung unterschreibt den Aufruf und will zu ihren Aussagen stehen können. Es soll sich in dieser heiklen Konstellation Kirche und Staat niemand vor den Kopf gestossen fühlen.

Ylfete Fanaj, Sie gehören als Muslimin schon seit Jahren der Arbeitsgruppe an, welche die Bettagsaktion vorbereitet? Warum dieses Engagement?
Ylfete Fanaj: Der Bettagsaufruf ist auch von der Islamischen Gemeinde als nicht anerkannte Religionsgemeinschaft unterschrieben. Für mich ist das eine symbolisch wichtige Botschaft von Gemeinsamkeit und Dialog. Ich leiste nur einen kleinen Beitrag. Aber gerade im Sinne des diesjährigen Mottos «Anerkennen» sind auch kleine Zeichen wichtig, um die Wertschätzung für die kirchliche Arbeit auszudrücken.

Sie haben vor kurzem mit der Wahl zur Kantonsratspräsidentin grosse Anerkennung erfahren. Wie wichtig ist Ihnen das?
Ylfete Fanaj: Anerkennung tut gut, in welcher Position auch immer. Man sollte sie im Alltag noch viel mehr ausdrücken. Manchmal sind es Kleinigkeiten, mit denen man Menschen wertschätzen und bestärken kann. Insbesondere, wenn wir ihnen zuhören und etwas Zeit schenken.

Regierungspräsident Reto Wyss. | | © 2020 Roberto Conciatori

Als Regierungsrat erhält man in der Regel mehr Kritik als Anerkennung.
Reto Wyss: Jeder Mensch braucht Anerkennung. Natürlich bekommen wir nicht gerade jeden Tag Liebesbriefe. Aber es gibt immer wieder Momente und Gelegenheiten, bei denen Bürgerinnen und Bürger – Bekannte und Unbekannte – ihre Anerkennung und Wertschätzung ausdrücken. Ich denke, das ist ein mindestens so wichtiger Faktor, um eine Arbeit gut und mit Freude auszuüben, wie der materielle Teil. Darum ist es wichtig, dass wir Menschen in ihren unterschiedlichsten Tätigkeiten Respekt und Anerkennung zollen. Unsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn alle Rädchen sich drehen.

Sie beide haben für ihr «Regierungsjahr» ein Motto gewählt, das dem «Anerkennen» des Bettagsaufrufs sehr ähnlich ist: Verbinden. Das steht heute etwas quer in der Politlandschaft, wo meistens das Trennende, die Abgrenzung betont wird. Reto Wyss, Sie gehören einer sogenannten Mittepartei an: Wie schwierig ist es im politischen Alltag, «die Mitte» zu finden?
Reto Wyss: Es ist insbesondere schwierig, eine Mitteposition als politische Leistung zu verkaufen. Diese Erfahrung haben wir in der CVP in den vergangenen Jahren machen müssen. Kompromisse haben im politischen Alltag oft den Ruf des «faulen Kompromisses». Ich bin jedoch unvermindert der Überzeugung, dass es der Schweiz so gut geht, weil wir im Grundsatz den Konsens anstrengen. Darum ist es wichtig, für Kompromisse einzustehen und auf gemeinsame Lösungen hinzuarbeiten.

«Anerkennung ist ein mindestens so wichtiger Faktor, um eine Arbeit gut und mit Freude auszuüben, wie der materielle Teil.»

Reto Wyss, Regierungspräsident

Ylfete Fanaj, als Sozialdemokratin gehören Sie in der gängigen Diktion einer Pol-Partei an. Wie wichtig sind für Sie Werte wie Verbinden und Kompromisse?
Ylfete Fanaj: Ebenfalls mit Blick auf unsere Geschichte stelle ich fest: Erst dann, als wir anerkannt haben, dass man durchaus verschiedene Meinungen haben und trotzdem einen gemeinsamen Weg gehen kann, erst dann sind wir in der Schweiz weitergekommen und erfolgreich geworden. Wir haben als politische Parteien unterschiedliche Rollen. Polarisierung entsteht, wenn man sich ausgeschlossen fühlt. Es ist wichtig, dass die grösseren Parteien die kleineren anerkennen und bereit sind, die Minderheiten in den Dialog einzubeziehen und in die Verantwortung einzubinden. Das war in unserm Kanton in den letzten Jahren – zum Teil der finanziellen Lage geschuldet – nicht gegeben.

Sie unternehmen jetzt gemeinsam einen Versuch des Verbindens: Was können Sie konkret tun, damit möglichst viele Menschen «das Gemeinsame statt das Trennende entdecken», wie es in Ihrem Motto heisst?
Reto Wyss: Es soll mehr als ein Motto sein. Wir planen gemeinsame Veranstaltungen, bei denen wir mit möglichst vielen Menschen unseres Kantons ins Gespräch kommen wollen. Wir wollen insbesondere auch zeigen, dass wir zuhören können und nicht einfach unsere Botschaften überbringen.
Ylfete Fanaj: Ja, es geht um eine Haltung, die unser Jahr an der politischen Spitze des Kantons prägen soll. Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und das Verbindende betonen. Diese Überzeugung soll bei allen unseren Auftritten und Aktivitäten spürbar sein.

Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj. | © 2020 Roberto Conciatori

Anerkennen und Verbinden: Wie wichtig sind die Kirchen in diesem Bereich?
Ylfete Fanaj: Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten einen enorm wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Sie bieten Gemeinschaft, Lebenshilfe, Spiritualität und Seelsorge. Und ganz zentral: Sie ergänzen staatliche Leistungen sehr wirkungsvoll. Darum ist ihre öffentlich-rechtliche Anerkennung so bedeutsam. Aber auch die nicht offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften leisten wichtige Arbeit.
Reto Wyss: Das kann ich nur bestätigen. Ich spüre das bei meiner Tätigkeit immer wieder. Die Kirche nimmt uns im gesellschaftlichen und sozialen Bereich einen Teil der Arbeit ab und ist eine wertvolle Ergänzung, die wir hoch schätzen. Die Partnerschaft mit den drei Landeskirchen und den weiteren Religionsgemeinschaften hat sich in den vergangenen Jahren sehr bewährt.

Die Kirchen verlieren Mitglieder und damit finanzielle Mittel. Droht eine Verschärfung der Lage im sozialen Bereich, weil ja auch der Staat eher auf der Sparbremse steht?
Ylfete Fanaj: Wir müssen uns bewusst sein, dass jeder Kirchenaustritt dazu beiträgt, dass der Staat längerfristig wieder mehr Aufgaben übernehmen muss. Ich bedaure jeden Kirchenaustritt, auch wenn ich viele Gründe gut verstehe. Aber man entzieht damit nicht dem Vatikan, sondern der Kirche vor Ort jene Mittel, die sie sehr sinnvoll einsetzt. Etwa bei der Gassenarbeit, Freiwilligenarbeit oder im Asylwesen.

«Kirchen und Religionsgemeinschaften bieten Gemeinschaft, Lebenshilfe, Spiritualität und Seelsorge. Und ganz zentral: Sie ergänzen staatliche Leistungen sehr wirkungsvoll.»

Ylfete Fanaj, Kantonsratspräsidentin

Der Asylbereich birgt auch Konfliktpotenzial zwischen Kirche und Staat. Etwa wenn es um Kirchenasyl geht. Da stehen sich Staatsräson und Gewissen manchmal im Weg.
Reto Wyss: Das ist so. Entscheide zu fällen, die für Menschen einschneidende Folgen haben, führt manchmal zu schweren inneren Konflikten. Als Politiker sind wir aber dem Recht verpflichtet und müssen unsere Arbeit auf den Grundlagen der Gesetze leisten. Es ist auf der anderen Seite legitim, dass eine Kirche in gewissen Fragen eine pointiertere Haltung einnimmt, weil sie eine ganz andere Grundlage hat.
Ylfete Fanaj: Wir leben in einem Rechtsstaat und in diesem Rahmen müssen wir uns alle an die Gesetze halten, egal, welche Gesinnung wir haben. Und trotzdem finde ich es wichtig, dass die Kirchen die Aufmerksamkeit auf Anliegen besonders verletzlicher Gruppen legen und deren Rechte einfordern. Sie sollen und müssen ihre Stimme erheben, den Finger auf wunde Punkte legen und so zum moralischen Kompass für uns Politikerinnen und Politiker werden.

Vor 50 Jahren hat der Kanton Luzern die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche als Landeskirchen anerkannt. Das gilt schon seit 1932 auch für die christkatholische Gemeinde. Heute stellt sich die Frage, ob nicht weitere Religionsgemeinschaften, insbesondere der Islam, eine öffentlich-rechtliche Anerkennung erhalten müssten. Wie ist der Stand der Dinge im Kanton Luzern?

Reto Wyss: Mit der Totalrevision der Staatsverfassung wurde die Grundlage für die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften geschaffen. Seither gab es mehrfach Überlegungen und Gespräche in dieser Richtung. Aber zu konkreten Ergebnissen haben diese Bemühungen bisher nicht geführt.

Ylfete Fanaj: «Das Gesetz regelt die Voraussetzungen und das Verfahren», heisst es in der Verfassung. Doch dieses Gesetz existiert noch nicht. Und die Zeit dafür ist – realistisch betrachtet – noch nicht reif. Auch die heutigen Landeskirchen mussten einen weiten Weg gehen, bevor sie anerkannt wurden. Das ist ein langer politischer Prozess. Darum ist es wichtig, dass wir uns heute auf diesen Weg machen. Wenn wir überzeugt sind, dass die Religionsgemeinschaften einen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert haben, dann müssen wir auch über die Nichtanerkannten reden. Sie haben heute eine rechtliche Stellung wie ein Fussballverein. Der verstärkte Dialog und eine verbindlichere Zusammenarbeit etwa mit dem Islam böte auch Gelegenheit, Sachverhalte zu klären und Ängste abzubauen.

Reto Wyss: Grundsätzlich einverstanden. Die bisherigen Bemühungen aber haben deutlich gezeigt, dass es in der Praxis einige handfeste Probleme gibt. Wir haben zum Beispiel keinen einheitlichen Ansprechpartner. Auch in der Frage der steuerlichen Hoheit gibt es noch viele ungelöste Fragen. Wir machen es uns nicht einfach und es ist wohl noch ein langer Weg.

Ylfete Fanaj: Das ist so. Aber der Kanton kann auf diesem Weg Unterstützung bieten. Das beginnt bei alltagspraktischen Fragen wie etwa, bei der Seelsorge Lösungen zu finden. Vor allem müsste der Kanton klar kommunizieren, dass er gewillt ist, diesen Weg zu gehen und die anstehenden Probleme anzupacken.

Haben Sie Ihrerseits aus Sicht der Politik ein Anliegen an die Kirchen und Religionsgemeinschaften?

Reto Wyss: Ich wünsche mir, dass wir unsere Partnerschaft, die gegenseitige Ergänzung und Zusammenarbeit weiterhin pflegen können. Sie kommt letztlich der gesamten Luzerner Bevölkerung zugute.

Ylfete Fanaj: Sie sollen eine andere Sicht öffnen für uns Politikerinnen und Politiker, die wir oft gefangen sind im Tagesgeschäft und eingebunden in unsere Parteien. Stimmen von aussen zu hören, ist deshalb sehr wertvoll.

Zum Schluss: «Der Bettag sollte auch ein Denk-Tag» sein, heisst es im Aufruf des Regierungsrats und der Kirchen. Kommen Sie im hektischen politischen Alltag überhaupt noch dazu, vertieft nachzudenken?

Reto Wyss: Ich hoffe schon, dass sich die Reflexion nicht nur auf den Bettag beschränkt. Ich selber versuche, mir immer wieder Zeitfenster herauszunehmen. Eine gute Gelegenheit sind etwa die Sommerferien. Da kann ich mich über längere Zeit in ein Thema vertiefen. Wichtig ist mir auch, regelmässig über meine eigene Arbeit nachzudenken: Was mache ich, und wie mache ich es?

Ylfete Fanaj: Ich funktioniere etwas anders.Wenn ich ein Zeitfenster habe, um über etwas nachzudenken, dann kommen mir meistens nicht besonders gute Ideen. Die besten Denkanstösse erhalte ich in Gesprächen mit verschiedensten Menschen. Beim Philosophieren bei einem guten Essen etwa. Darum ist es mir wichtig, genügend Zeit zu reservieren für Freundschaften und Diskussionen.

Interview: Stefan Calivers, Chefredaktor des «Willisauer Bote»

Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj und Regierungspräsident Reto Wyss . | © 2020 Roberto Conciatori
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Bettag, Kirchen und Kanton

Anerkennen: Kirchen und Kanton Luzern stellen dieses Jahr ihre Aktion zum Bettag unter dieses Motto. Geplant war im Jubiläumsjahr der Landeskirchen, die Bevölkerung am Bettag zu einer öffentlichen Feier in die Festhalle Willisau einzuladen. Dieser Anlass musste wegen der Corona-Schutzmassnahmen abgesagt werden. So wird der Bettag im gewohnten Rahmen mit örtlichen Feiern begangen. Plakate und Spots in den Bussen weisen auf die Aktion hin. Zusätzlich schalten die Kirchen Zeitungsinserate mit dem Sujet des Bettagsplakats 2020. Sie legen dabei den Fokus auf das «Danke» im Bettag. Denn es gibt für sie allen Grund dafür, Danke zu sagen: Als Kirchen für die ihnen geschenkte Anerkennung, der Bevölkerung für die Solidarität, welche die Gesellschaft in dieser herausfordernden Zeit trägt. Das Interview mit Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj und Regierungspräsident Reto Wyss ergänzt diese Kampagne. Es erscheint in vielen Zeitungen im Kanton Luzern.

Die drei Luzerner Landeskirchen und der Kanton treten seit 2009 mit einer Aktion zum Bettag an die Öffentlichkeit. Daran beteiligt sich jeweils auch die Islamische Gemeinde Luzern. Die Aktion soll dazu beitragen, dass der Bettag von der Bevölkerung unseres Kantons wahrgenommen wird und zum Nachdenken anregt.

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag wird seit 1848 in allen Kantonen jeweils am dritten Sonntag im September gefeiert. Obwohl der Bettag an Bedeutung verloren hat und nicht mehr alle Kantonsregierungen eigene Bettagsworte herausgeben oder sich an solchen beteiligen, hat ein staatlicher, über Konfessionsgrenzen reichender Feiertag bis heute seinen Sinn nicht verloren. Im Kanton Luzern gilt der Bettag weiterhin als Hoher Feiertag, in einer Reihe mit dem Karfreitag, dem Ostersonntag oder dem Weihnachtstag.

In der Gruppe «Mein Weg» verbringen junge Menschen mit und ohne Behinderung Zeit miteinander. Sie teilen ihren Alltag, sie kochen zusammen, sie feiern. Die Gruppe, getragen von der katholischen und reformierten Landeskirche, besteht seit zehn Jahren.

Um die 20 Namen stehen auf der Adressliste von «Mein Weg», etwa die Hälfte traf sich am Freitag Abend (4. September) auf der Terrasse der katholischen Landeskirche, um das Jubiläum zu feiern. Mit dabei auch Max Scheitlin (29), der 2008 in einem Gespräch mit dem damaligen Behindertenseelsorger Gregor Gander den Wunsch geäussert hatte, eine Jugendgruppe von Menschen mit und ohne Behinderung zu bilden. Die Idee nahm Gestalt an, und am 5. Mai 2010 fand das erste Treffen statt. Seither ist «Mein Weg» für viele Jugendliche ein wichtiger Freundeskreis.

«Ein unkompliziertes Miteinander»

«Es geht um einen Austausch und die Darstellung seiner grossen sowie kleinen Wünsche, Ziele und Lebensträume – um eine Vision ihres Lebens», schrieb der Max Scheitlin damals in einer Medienmitteilung. Hans Sutter, reformierter Sozialdiakon im Ruhestand, spricht heute von einem «unkomplizierten Miteinander». Er leitet die Gruppe mit Heidi Bühlmann von der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche. Seit 2010 fanden rund 50 Treffen statt. Es gab schon Filmabende, Spielen und Kochen sind beliebt, viele Treffen richten sich nach den Jahreszeiten und Kirchenfesten, Religion und Glaube spielen immer wieder eine Rolle. «Wir machen alles gerne», hatte Brigitte Kunz im Mai 2019 in einem «Kirchenschiff»-Beitrag erklärt; am Jubiläumsabend ist sie mit ihrem Partner Gilbert Löhle wiederum dabei. Wichtig sei ihr, bei «Mein Weg» Freundinnen und Freunde zu treffen, die sie nicht oft sehe, und über Themen in den Austausch zu kommen, die nicht alltäglich seien.

Sandra Dietschi, welche «Mein Weg» von 2015 bis 2019 mitgeleitet hatte, erinnert sich an «berührende Gespräche», die sie oft erlebt hat: «Ihr lasst uns Anteil nehmen an euren Geschichten, das ist nicht selbstverständlich», dankte sie am Jubiläumsabend den Anwesenden. In der Gruppe «Mein Weg» werde nicht nur von Inklusion gesprochen, «hier wird sie gelebt», hatte Dietschi schon im erwähnten «Kirchenschiff»-Artikel betont.

Bisherige Leitungspersonen: auf katholischer Seite Gregor Gander (2010–2015), Sandra Dietschi (2015–2019) und Heidi Bühlmann (seit 2019), auf reformierter Seite Stefan Sägesser (2013–2015), Hans Sutter (seit 2015)

KONTAKT: Heidi Bühlmann, Behindertenseelsorge der kath. Landeskirche, 041 419 48 43, heidi.buehlmann@lukath.ch

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Zwei katholische und zwei reformierte Jugendliche der Heilpädagogischen Schule Luzern feierten am Freitag Morgen, 4. September ihre Firmung, bzw. Konfirmation in der Kirche St. Anton in Luzern. Auf das Fest vorbereitet worden waren sie durch die Katechetinnen Christel Gysin und Yvonne Blum. Sie hatten sich darüber ausgetauscht, wie man das Vertrauen auf Gott vertiefen und selber dazu beitragen kann, dass Gott in den Begegnungen mit den Nächsten erfahrbar wird. Diesen göttlichen Geist des Wohlwollens und des Mutes wurde ihnen an der Firmung und Konfirmation durch Bischofsvikar Hanspeter Wasmer und Pfarrerin Margrit Schönholzer zugesprochen.

«Dass solche ökumenischen Feiern in der Behindertenseelsorge seit mehreren Jahren möglich sind, freut mich sehr», sagt der katholische Behindertenseelsorger Bruno Hübscher. Das Jubiläumsboot der Landeskirchen, das vor der Kirche anlegte, habe auch aufzeigen sollen, «dass wir in Zukunft noch mehrt zusammenarbeiten und uns gegenseitig ergänzen möchten», sagt Hübscher.

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Die St. Anna-Schwestern in Luzern haben seit Ende Juli erstmals eine Leiterin, die keine der Ihren ist: Simone Rüd. Sie betreten damit Neuland – einmal mehr. Und wollen so anderen Gemeinschaften Mut machen.

Am Vortag des St.-Anna-Festes, am 25. Juli, übernahm Simone Rüd (58) die Leitungsaufgabe von Sr. Rosa Scherer (77), die fast 30 Jahre lang Führungsaufgaben in der Gemeinschaft innehatte. Rüd ist damit die erste Leiterin der Schwestern, die nicht dem Orden angehört. Die Theologin und Palliative-Care-Fachfrau hat viele Jahre Erfahrung als Spitalseelsorgerin. Anfang Jahr wechselte sie ins «St. Anna», jetzt ist sie neu auch die erste Ansprechperson für die noch gut 60 Schwestern (siehe Kasten). Für Alltägliches, wenn zum Beispiel jemand im Spital liegt. Oder sie organisiert gemeinschaftliche Anlässe. Was möglich sei, müsse das Zusammenleben erst zeigen, sagt Simone Rüd. Sie ist vor allem auch Vertrauensperson, hat Zeit und ein offenes Ohr: «Damit das Zusammenleben immer wieder neu gelingt», sagt sie. Dies sei auch in einer Schwesterngemeinschaft stets zu üben, nicht anders als in einer Familie.

«Bi de Lüüt» sein

Ob sie nicht selbst in die Gemeinschaft eintreten wolle, wurde Simone Rüd seit ihrem Stellenwechsel bisweilen gefragt. Sie lacht – und winkt ab: Das Thema Frauengemeinschaften begleite sie zwar seit dem Studium, «aber nur von aussen». Die neue Aufgabe, die Generaloberin Sr. Heidi Kälin (66) erst mit einem handschriftlichen Brief an sie trug, passt ihr, weil sich darin Seelsorge und Betreuung eng verzahnen. «Und ich so immer nahe bi de Lüüt sein kann», wie Rüd sagt. Sie hat ein 100-Prozent-Pensum, ist an Werktagen täglich vor Ort und teilt das Mittagessen mit den Schwestern. Am Wochenende organisieren sich die Schwestern ohne die neue «Oberin», denn Simone Rüd lebt nicht «im St. Anna». Um Verwaltungsbelange, zum Beispiel Versicherungen oder die Krankenkasse, muss sie sich nicht kümmern, das tut die St. Anna Stiftung (siehe Kasten).

Für die St. Anna-Schwestern brauchte die Anstellung von Simone Rüd «einigen Mut», wie Sr. Heidi einräumt. Für sie und ihre Mitschwestern ist der Entscheid aber richtig, zumal er daran anknüpft, was die Gemeinschaft seit über 20 Jahren gut kann: planen und neugestalten. «Dazu hat uns der Heilige Geist immer wieder bewegt», sagt die Generaloberin. Sie wurde vor 14 Jahren als damals Jüngste an die Spitze der St. Anna-Schwestern gewählt. Heute zählt Sr. Heidi mit 66 Jahren zu den noch vier Frauen der Gemeinschaft, die jünger als 70 sind.

Ein Zukunftsmodell

Als die Schwestern Anfang 2019 in einer Zukunftswerkstatt auf das Jahr 2030 blickten, waren sie sich bewusst, dass es darum geht, mit Blick auf die Wirklichkeit und doch Vertrauen Entscheide zu treffen. Auch wenn viele von ihnen manche Veränderung nicht mehr erleben würden. Trotzdem spricht Sr. Heidi von einem Zukunftsmodell, das nun umgesetzt werde und das anderen Gemeinschaften Mut machen könne. Sie ist sich gewiss: «Es gibt immer einen Weg.» Vor über 20 Jahren gründeten die St. Anna-Schwestern in diesem Vertrauen eine Stiftung, um ihre sozialen Werke zu sichern und dieser mehr und mehr die Sorge um die alternde Gemeinschaft anzuvertrauen. 2009 begann das «St. Anna», Schwestern anderer Orden in seine Häuser aufzunehmen. Später war die Gemeinschaft die treibende Kraft für das benediktinische Zentrum, das 2019 im Kloster Sarnen eröffnet wurde und in dem auch die Schwestern vom Melchtal und von Wikon ein neues Zuhause fanden.

Sr. Samuelle Käppeli, mit 56 Jahren die Jüngste der St. Anna-Schwestern und Mitglied des Generalrats, sagt, es gehöre zum Wesen und Auftrag der Gemeinschaft, «die Zeichen der Zeit» zu erkennen. «Wir können heute also weniger durch unser Tun wirken», sagt sie, «immer noch aber durch unser Dasein und unsere Anteilnahme am Leben der Welt um uns.» Simone Rüd nickt. Dies sei spürbar im Haus. Sie weist auf das Alterszentrum St. Anna hin, das in gut einem Jahr eröffnet werden wird und wo neben den Schwestern andere Menschen ihren Lebensabend verbringen werden, die sich von der spirituellen Ausrichtung des Hauses angesprochen fühlen. Das Zentrum entsteht unterhalb der Hirslanden-Klinik St. Anna, dem Gründungsort der Gemeinschaft. Wer in Luzern vom «St. Anna» spricht, meint seit jeher das Spital auf der Sonnseite der Stadt. Dieses liegt den Schwestern nach wie vor am Herzen, war es doch über Jahrzehnte das Mutterhaus der Gemeinschaft. Vor 15 Jahren veräusserte sie die Klinik an die Hirslanden-Gruppe.

Generaloberin Sr. Heidi ist es wichtig, dass die Schwestern auch in ihren alten Tagen ein erfülltes Leben führen können. Das absehbare Ende der Gemeinschaft in der Schweiz nimmt sie gelassen. «Im Lauf der Geschichte sind schliesslich schon viele Orden verschwunden.» Die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern lebe und wirke in Indien und Ostafrika weiter.

Das aus deren Häusern in Luzern nun ein Alterszentrum entsteht, freut Sr. Heidi zusätzlich. «Es lohnt sich, in die Zukunft zu investieren, auch wenn das Werk uns Schwestern überleben wird.» Der Geist von St.  Anna werde über diese spürbar bleiben.

Dominik Thali

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Noch vier Schwestern sind jünger als 70 Jahre

1909 | Die Gemeinschaft wird von Wilhelm Meyer, Regens am Priesterseminar Luzern, gegründet. Unter dem Namen «St. Anna-Verein» entsteht eine Organisation für die Pflege von Müttern und Kindern.
1918 | Das neu erbaute Sanatorium St. Anna (heute Hirslandenklinik St. Anna) wird eröffnet.
1927 | Die ersten Schwestern reisen nach Indien in die Missionen. 1990 dehnen sie ihr Werk nach Ostafrika aus. Heute arbeiten rund 900 Schwestern in 60 Niederlassungen, seit 2000 unabhängig von der Schweiz.
1998 | Die Gemeinschaft wird kleiner und beschliesst, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen. Die Stiftung St. Anna wird gegründet, um die sozialen Werke der Schwestern für die Zukunft zu sichern und mehr und mehr für die Bedürfnisse der Schwestern zu sorgen.
2005 | Das «St. Anna» in Luzern wird als letzte der vier eigenen Kliniken (neben Zürich, Lugano und Fribourg) verkauft.
Heute | In den 50er Jahren zählte die Gemeinschaft in Luzern rund 400 Schwestern; heute sind es 62, das Durchschnittsalter beträgt 80 Jahre, nur vier Schwestern sind jünger als 70.
Ende 2021 | Das Alterszentrum St. Anna wird eröffnet. Es wird mit den bestehenden Schwesternhäusern insgesamt rund 130 Wohn- und Pflegeplätze bieten – für die Schwestern selbst und weitere Interessierte.

Stiftung verwaltet die sozialen Werke

Die St. Anna-Schwestern bewiesen schon 1998 Weitsicht. Sie gründeten damals eine Stiftung, die sich seither um die Bedürfnisse der der Schwestern kümmert und deren soziale Werke für die Zukunft sichert. Heute sind dies noch eine Kindertagesstätte, ein Alterszentrum, die Herberge «Haus Hagar» für Frauen in Not sowie die Hilfswerke in Indien und Afrika. Die Stiftung sichere die Lebensgrundlagen der Schwesterngemeinschaft, sagt Generaloberin Sr. Heidi Kälin. Als Arbeitgeberin zählt sie rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Und was hältst du von der Kirche? Wie kommt Kirche bei dir an? Dieser Kurzfilm, der zum Jubiläumsjahr der Luzerner Landeskirchen 2020 entstanden ist, lässt Menschen zu Wort kommen, die wir auf der Strasse getroffen haben.

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Credits
Produziert von Team Tumult
Regie: Beni Morard
Konzept: Beni Morard / Fleur Budry
Interviews: Fleur Budry
Storyboard & Schnitt: Beni Morard
Design: Beni Morard, Nina Christen
Animation: Beni Morard, Frederic Siegel
Sounddesign & Mischung: Etienne Kompis

Was bedeutet Kirche den Menschen im Kanton Luzern? In einem Film, der zum 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen entstanden ist, sagen sie es gleich selbst.

«Für mich ist die Kirche so eine Art Dorfgemeinschaft», meint ein Mann zu Beginn. Sie finde es «mega toll», wie sich in der Kirche Leute ehrenamtlich engagierten, sagt später eine Frau. Und ein Bub erzählt begeistert vom Spielen in der Jubla.

«Kirche kommt an»: Unter diesem Motto feiern die katholische und reformierte Kirche im Kanton Luzern 2020 das 50-jährige Bestehen ihrer Anerkennung durch den Staat, zusammen mit der schon älteren christkatholischen Kirche. «Wir hören zu», versichern sie im Abspann des vierminütigen Animationsfilms. Dafür begab sich das Produktionsteam mit dem Mikrofon auf Strassen und Plätze von Luzerner Gemeinden und fragten Passantinnen und Passanten, was ihnen die Kirche bedeute. Deren Stimmen und die originalen Hintergrundgeräusche bilden den Tonteppich des Films, der ohne weitere Erklärungen auskommt. Auf diese Weise entsteht ein vielschichtiges Bild von Kirche, in dem auch kritische Aussagen Platz haben. So sagt eine Frau an einer Stelle, die Pfarreifeste jüngst hätten ihr zwar gutgetan. «Aber sonst finde ich Kirche ein bisschen langweilig.»

Auch mit einem Augenzwinkern

Was Kirche Menschen bedeutet: Dies will der Animationsfilm der Kirchen im Kanton Luzern aufzeigen – auch mit einem Augenzwinkern. Am Mittwoch dieser Woche (20. Mai 2020) hätte der Streifen an den Synodesessionen der katholischen und reformierten Kirche Premiere gefeiert. Das Corona-Virus hat diesen Plan durchkreuzt, auch die gemeinsame Feier der beiden Parlamente im Anschluss ans Geschäftliche. Stattdessen machen die Kirchen mit einer Postkartenaktion auf den Film aufmerksam. Die Premiere findet gleichentags statt – punkt 10 Uhr auf Facebook und Youtube. Auf dem letzteren Kanal ist er frei verfügbar.

Medienmitteilung vom Montag, 18. Mai 2020

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