Mitte März jährt sich der erste harte Lockdown der Schweiz – ein hartes Jahr auch für «Die Dargebotene Hand», Telefon 143. Geschäftsführer Klaus Rütschi berichtet – und weiss, wie sich Isolation anfühlt: «Der Hausarrest war belastender als ich dachte.»

Wie so viele Gespräche dieser Tage findet auch dieses per Video-Schaltung statt. Klaus Rütschi, Geschäftsführer von «Die Dargebotenen Hand» Zentralschweiz, ist daheim in Quarantäne. «Nun hat es auch mich getroffen», sagt er, «jemand in meinem Umfeld ist an Corona erkrankt». Der 52-Jährige zupft den Kragen seines bunt karierten Hemdes zurecht und atmet sichtlich auf. Es ist sein letzter Tag in Isolation. «Ich durfte erstmals raus heute, um mich testen zu lassen – welch Freiheitsgefühl. Und dann das Resultat – negativ zum Glück.»

Rütschi leitet seit zwölf Jahren Telefon 143 Zentralschweiz mit Sitz in Luzern, wo insgesamt 60 Freiwillige und vier Festangestellte in Vierstunden-Schichten rund um die Uhr erreichbar sind. Er weiss um die Not querbeet durch alle Alter und Gesellschaftsschichten. «Doch was viele zurzeit bewältigen müssen, ist oft sehr schwer.» Die vergangenen zehn Tage mit seiner Ehefrau in der Wohnung bei Zug haben Rütschi zugesetzt. «Der Hausarrest war belastender als ich dachte», sagt er und vergleicht seine Psyche mit einem Tisch, an dessen Standbein Gesundheit gehörig gerüttelt wurde. Partnerschaft, Arbeitsstelle, Umfeld aber hielten stand. Das ist längst nicht bei allen so.»

Ein Jahr Lockdown mit 15 154 Anrufen

Mitte März jährt sich der erste harte Lockdown der Schweiz – ein hartes Jahr auch für «Die Dargebotene Hand», vom Bund als systemrelevante Institution eingestuft. Nahm die Zahl der Anrufenden schon in den Vorjahren stetig um rund fünf Prozent zu, beträgt der Anstieg innert Jahresfrist 12 Prozent: Im Coronajahr suchten schweizweit 208 958 Menschen bei der Dargebotenen Hand Hilfe, 15 154 davon aus der Zentralschweiz. «Wir stellen fest, dass die Einsamkeit zu einem veritablen Volksleiden wird. Früher war es oft die erweiterte Familie, die auffangen konnte. Heute verlässt man sich weniger auf andere, will keine Hilfe annehmen, ist selbstbewusster, selbstbestimmter, unverbindlicher. Vielen wird in dieser Krise nun schmerzlich bewusst, dass die lose geknüpften Netze nicht tragen», sagt der studierte Betriebswirtschafter, der für seine Stelle in Luzern noch ein Studium in angewandter Psychologie anhängte.

Klaus Rütschi ist es wichtig, regelmässig selbst am Telefon zu sein, «als Springer überbrücke ich, wenn jemand aus dem Team verhindert ist.» Er berichtet von verzweifelten Müttern mit kleinen Kindern in engen Wohnungen, die Väter auf Kurzarbeit im Heimbüro; von jungen Männern ohne Arbeit, ohne nahe  Beziehungen; von Kindern gar, die am Telefon von physischer, psychischer, sexueller Gewalt berichten, über Mobbing auch in Sozialen Medien und Schule. «Die Hilfesuchenden werden immer jünger», sagt der gebürtige Vorarlberger, «das beschäftigt uns sehr». Waren vor einem Jahrzehnt knapp die Hälfte der Anrufenden über 65 Jahre, sind es heute noch ein Drittel. Ein weiterer Drittel ist zwischen 40 bis 65, der Rest unter 40 – mit rasantem Zuwachs der unter 18-Jährigen. «In der Pandemie melden sich zudem vermehrt Alkoholisierte, leider auch Menschen mit Suizidgedanken», so Rütschi.  

«Um Gottes Willen – wir haben eine Haltung»

Wie begegnet er und sein Team diesen Menschen, wie kann geholfen werden – wo doch die Dargebotene Hand eben gerade nicht eingreift und die Anonymität der Betroffenen wahrt? «Dies erachten viele gerade als Vorteil», sagt Rütschi, «wir schalten nicht gleich die Polizei oder sonst eine Stelle ein.» Damit aber bleiben doch auch viele in ihrer Not zurück? «Um Gottes Willen nein» entgegnet er, «sonst bräuchte es uns nicht. Wir haben eine Haltung.»

Der Weg führe übers aktive Zuhören zu Triage und möglichst verbindliche Abmachungen. Das Team habe Kenntnis von 650 Fach- und Beratungsstellen im Raum Luzern. «Am Ende fragen wir stets: Wissen Sie nun, was Sie als nächstes tun, an wen Sie gelangen?» Das könne eine Budgetberatung, ein unentgeltlicher Rechtsdienst, der Hausarzt, die Lehrerin des Vertrauens sein. «Und sollte der nächste Schritt nicht weiterhelfen, können die Betroffenen erneut anrufen.»

Der Zürcher Finanzplatz ist weit weg

Klaus Rütschi, der einst in Zürich für eine Grossbank und dann in Kaderposition für einen internationalen Rückversicherer arbeitete, hat sich in Eifer geredet. Wie kam er damals dazu, vor dem nächsten grossen Karriereschritt alles hinzuschmeissen und als Quereinsteiger zur Dargebotenen Hand zu wechseln? Rütschi muss nicht lange überlegen. «Ich sah keinen Sinn mehr dahinter, Hypotheken, Versicherungen und am Ende Kreditkarten-Pagages zu verkaufen. Dann sah ich das Stelleninserat und dachte: Das ist es.»

Und blieb es. «Heute verdiene ich Geld mit Zuhören, nicht mehr mit Reden», sagt er. «Anderen beizustehen, gibt mir viel. Das ist das beste, was mir passieren konnte.»

Pia Seiler

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Kirchen unterstützen «Die Dargebotene Hand»

Die Nummer 143 steht Hilfesuchenden schweizweit rund um die Uhr zur Verfügung. Im Team Zentralschweiz arbeiten 60 Freiwillige und vier Festangestellte, zuständig für die Kantone Luzern, Zug, Schwyz, Uri, Ob- und Nidwalden. Die Freiwilligen durchlaufen eine neunmonatige Ausbildung, erhalten Supervision und nehmen an jährlichen Weiterbildungstagen teil. Auf der Zentralschweizer Stelle verbleiben die stillen Helferinnen und Helfer – sie dürfen ihre Mitarbeit nirgends erwähnen –  durchschnittlich erfreuliche acht Jahre.

«Die Dargebotene Hand» erhält bis heute keine staatliche Unterstützung und ist auf Stiftungen, Donationen und Privatspenden angewiesen. Die katholische und reformierte  Kirchen Luzern unterstützen den Zentralschweizer Ableger mit Sitz in Luzern. «So gesehen bin ich ein professioneller Bettler», sagt Geschäftsführer Klaus Rütschi und freut sich: «Die Beiträge der beiden Kirchen sind die einzigen, mit denen ich seit Jahren fix rechnen darf.»

Vor Ort sind Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen bis auf Weiteres mit bis zu 50 Personen unter Einhaltung der Corona-Schutzmassnahmen möglich. Die katholische, die reformierte und die christkatholische Landeskirche im Kanton Luzern bieten ergänzend einen ökumenischen Oster-Fernsehgottesdienst an. Dieser wird am Sonntag, 4. April, um 10 Uhr auf Tele1 ausgestrahlt – mit Übersetzung in Gebärdensprache für schwerhörige und gehörlose Menschen.

Medienmitteilung vom Donnerstag, 18. Februar 2021

Der Bundesrat hat gestern eine vorsichtige und schrittweise Öffnung ab dem 1. März vorgeschlagen. Weitere Öffnungsschritte sollen im Abstand von einem Monat erfolgen. In den Pfarreien und Kirchgemeinden finden Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen aktuell mit bis zu 50 Personen statt, jedoch werden voraussichtlich am Ostersonntag nur eine beschränkte Anzahl Plätze zur Verfügung stehen, um die Auferstehung Jesu zu feiern. Die drei Landeskirchen im Kanton Luzern bieten mit dem ökumenischen Oster-Fernsehgottesdienst wieder einen ergänzenden digitalen Zugang für sehr viele Menschen, dieaufgrund der Corona-Lage nicht alle vor Ort teilnehmen können oder wollen.

Fernsehzugang via Tele1

Der 30-Minuten-Ostergottesdienst aus der Reformierten Kirche Reiden ist am Sonntag, 4. April, um 10 Uhr im Regionalfernsehen Tele1 zu sehen. Für schwerhörige und gehörlose Menschen wird der Gottesdienst in Gebärdensprache übersetzt. Der katholischen, der reformierten und der christkatholischen Landeskirche des Kantons Luzern ist der christliche Wert der gesellschaftlichen Inklusion und der Solidarität auch beim Fernsehgottesdienst ein zentrales Anliegen. Es wirken mit: Barbara Ingold (Pfarrerin Reformierte Kirchgemeinde Reiden und Umgebung), Edith Pfister (Katholische Pastoralraumleiterin Pfaffnerntal-Rottal-Wiggertal) und Adrian Suter (Pfarrer Christkatholische Kirchgemeinde Luzern). Walter Ziörjen (Organist) und Ruth Soland (Kantorin) begleiten den Fernsehgottesdienst musikalisch. In Gebärdensprache übersetzt Agnes Zwyssig (Gebärdensprachdolmetscherin).

Kirche kommt an – 50+1 Jahre Landeskirchen im Kanton Luzern

Im Jubiläumsjahr 2020 des 50-jährigen Bestehens hatten die Luzerner Landeskirchen in ökumenischer Verbundenheit unter dem Motto «Kirche kommt an» verschiedene Anlässe geplant. Aufgrund der Massnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie mussten die Aktivitäten wie mit den Fernsehgottesdiensten gemeinsam umgestaltet werden. Die katholische und die reformierte Kirche haben entschieden, das Jubiläum im 2021 um ein weiteres Jahr unter dem Motto «50+1» zu verlängern.

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Menschen mit einer Behinderung haben die gleichen Fragen ans Leben wie solche ohne. Die Mitarbeitenden der Behindertenseelsorge hören ihnen zu und suchen mit ihnen nach Antworten. Im zweiten Film der Reihe «Kirche kommt an» geben beide Seiten Einblick in ihren Alltag.

Es kann sein, dass jemand Behindertenseelsorger Bruno Hübscher fragt: «Welchen Sinn hat es, dass ich im Rollstuhl sitze?» Hübscher kennt die Antwort nicht. Aber er spürt, dass allein sein Zuhören gut tut. Mit ihm ist da jemand, der Zeit hat, der vielleicht eine Kerze anzündet, ein Gebet spricht. «In solchen Gesprächen kann ich meine Sorgen abladen. Danach geht es mir jeweils besser», sagt eine Bewohnerin der Wohngemeinschaft Fluematt in Dagmersellen. Einer anderen, Bernadette Baumli, geht es genau so: «Es tut gut, jemanden von aussen zu haben, mit dem man reden kann», sagt die 44-jährige. Baumli lebt seit gut drei Jahren in der Fluematt und spielt eine Hauptrolle im zweiten Kurzfilm, den die Landeskirchen im Rahmen ihres 50-Jahre-Jubiläums unter dem Titel «Kirche kommt an» drehen. Der erste entstand vor einem Jahr zur kirchlichen Gassenarbeit in Luzern, danach sorgte Corona für eine Drehpause.

«Miteinander Teilen, was das Leben ausmacht»

Der neue Film gibt anhand von Besuchen in der Fluematt und in der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL in Rathausen Einblick in einen der vielen Bereiche der Behindertenseelsorge. «Wir sind mit Menschen mit einer Behinderung spirituell unterwegs und gehen dorthin, wo ihr Leben stattfindet», sagt Yvonne Rihm. Die heilpädagogische Katechetin ist unter anderem oft in der Fluematt anzutreffen. Bruno Hübscher wiederum besucht allein etwa fünf Mal monatlich Einrichtungen der SSBL, teilt mit Bewohnerinnen und Bewohnern den Alltag, indem er sich zum Beispiel zu ihnen an den Tisch setzt. «Manche haben kaum jemanden, der sie besucht», stellt Hübscher fest, «und viele Bewohnerinnen und Bewohner erzählen uns gerne aus ihrem Leben». Für Rihm hat jeder Mensch «einen gesunden und heiligen Kern», wie sie es ausdrückt. Mit dieser spirituellen Grundhaltung «teilen wir miteinander, was das Leben lebenswert, aber auch, was es schwierig macht», sagt sie.

«Eindrückliche Erlebnisse» werden möglich

Glaubens- und Sinnfragen sprächen viele Bewohnerinnen und Bewohner von sich aus an, stellt Hübscher fest. Fragen zu Sterben und Tod vor allem, nach dem Woher und Wohin. Der Behindertenseelsorger gestaltet oft Abschiedsfeiern und Beerdigungen. Dabei ist er auch für das Personal da.

Dieses schätzt das Angebot: «Die Behindertenseelsorge hilft uns zum Beispiel, kirchliche Feiertage zu gestalten und ermöglicht so eindrückliche Erlebnisse», sagt René Petrak. Er leitet die Wohngruppe, in der Hans Georg Schwytzer, Rosmarie Bätscher und Reto Kronenberg leben, die im zweiten «Kirche kommt an»-Film mitmachen. «Die Bewohnerinnen und Bewohner schätzen die Behindertenseelsorge sehr», stellt Petrak fest. Die Möglichkeit, religiöse Themen zu besprechen oder sich einfach auszutauschen, sei gefragt. Wichtig sei zudem, dass die Frauen und Männer die Veranstaltungen selbst mit vorbereiten und gestalten könnten.

Sakramente Feiern und Bräuche pflegen

Die Behindertenseelsorge gibt es seit 47 Jahren. Sie ist zwar ein Angebot der katholischen Kirche, arbeitet aber ökumenisch. Die Präsenz in den Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung ist nur ein Teil der Aufgaben, und es geht dort auch nicht «nur» ums Zuhören. Die Behindertenseelsorge gestaltet zudem Erstkommunionfeiern und Firmungen, die Feiern und Bräuche im Kirchenjahr sind wichtig, es gibt Wochenenden und Ferienlager. Zum Team gehören neben Bruno Hübscher und Yvonne Rihm auch Heidi Bühlmann, Marlis Rinert und Pater Christian Lorenz, der sich vor allem um Hörbehinderte kümmert.

Dominik Thali

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Die Pfarrei St. Theodul in Littau tut etwas gegen Food Waste: Ihre «Fut­terkrippe» gibt sechs Mal pro Woche Lebensmittel ab, deren Haltbarkeitsdatum abläuft. Willkommen sind alle.

Es ist Anfang Dezember, über Nacht ist der erste Schnee gefallen. Doch auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wartet kurz vor 9 Uhr ein gutes Dutzend Leute geduldig vor der mit Lebensmitteln gefüllten Garage im Untergeschoss hinter dem katholischen Pfarrhaus Littau. Es sind mehrheitlich Frauen, die anstehen, einige kennen sich, plaudern miteinander. Maske und Sicherheitsabstand sind auch hier Pflicht, aber drängeln muss niemand. Vorrang haben Mütter mit Kindern. Es ist nicht immer alles an Lager, aber es hat für alle genug, auch für jene, die erst um 10 Uhr kommen.

Aldi-Tasche als Lohn

Dafür sorgt in erster Linie Linda Lustenberger, die zusammen mit ihrem Lebenspartner Robert Renggli und dessen Schwester Rosmarie die Wünsche der Wartenden entgegennimmt, auf eine gerechte Verteilung achtet und die Taschen füllt. Linda Lustenberger gehört zum Team der Frei­willigen, die den Betrieb der «Futterkrippe» gewährleisten. Nach einer persönlichen Krise hat die Frau hier eine Aufgabe gefunden, bei der sie richtig aufblüht.
Dass die Helfer*innen ihre «eigene Geschichte» haben und als Lohn für ihre Arbeit selber eine Aldi-Tasche mit Lebensmitteln nach Hause nehmen dürfen, ist Teil des Projektes.

Unabhängig von der Herkunft

Initiiert wurde das Projekt von Angelika Koch, die seit drei Jahren in der Diakonie der Pfarrei tätig ist. Der Dienst an den Nächsten ist ein zentrales Anliegen der Pfarrei, ganz im Sinne von Papst Franziskus. Eines seiner Hauptanliegen ist die Bewahrung der Schöpfung durch umsichtige Öko­logie und die Liebe zu den Nächsten, die Geschwisterlichkeit.
Die «Futterkrippe» gibt es seit gut einem Jahr, Angelika Koch teilt sich die Verantwortung dafür mit Res Wyler, der im Januar 2020 zur Diakonie gestossen ist. In den ersten Monaten gab es eine lose Kooperation mit dem Verein Lebensmittelretter Zen­tralschweiz, die aufgrund verschiedener Vorstellungen über das Projekt beendet wurde. Seit letztem Herbst spielt nur noch das eigene Netzwerk.
Die «Futterkrippe» tritt der Verschwendung von Lebensmitteln (Food Waste) entgegen, aber die Grundgedanken reichen weiter. Zum einen ist es die Achtung vor der Schöpfung, speziell vor der Natur und der Frucht der damit verbundenen menschlichen Ar­beit. Zum andern gilt es Not zu lindern, gerade jetzt. Zudem soll die «Futterkrippe» mithelfen, Beziehungen zu den Nächsten aufzubauen, egal welcher Religion und Kultur jemand angehört.

Symbolischer Franken

In Littau leben Menschen aus fast 100 Nationen. Unterstützung können hier viele gebrauchen, auch Schweizer*innen. «In letzter Zeit kommen immer mehr Junge», stellt Angelika Koch fest. Vielleicht eine Folge von Corona. Wer zur «Futterkrippe» kommt – täglich etwa 25 Personen –, wird nicht nach Beweggründen gefragt. «Natürlich kennen wir mittlerweile viele und wissen so von einigen Schicksalen, aber grundsätzlich ist unsere Hilfe bedingungslos», sagt Angelika Koch. Für die gelernte Pflegefachfrau, die 2021 eine vierjährige theologische Ausbildung abschliessen wird, war dieser Beruf tatsächlich eine Berufung, in der Diakonie erfahre sie diese aber noch mehr. Das Team der Diakonie hat mit Unterstützung des Kirchenrates in den letzten drei Jahren sein Angebot Schritt für Schritt erweitert, so etwa mit dem Café Zwischenhalt oder dem «Offenen Kleiderschrank», einer Art Secondhand-Shop, wo Getragenes, das noch in Ordnung ist, wieder unter die Leute gebracht wird – für einen Franken pro fünf Stück. Der symbo­lische Franken kommt auch bei der «Futterkrippe» zum Tragen: Einen Franken kostet ein voller Sack, wobei es vorkommen kann, dass jemandem die kleine Gebühr erlassen wird, weil er oder sie für den Rest der Woche nicht viel mehr zum Leben hat als diesen einen Franken.

Lebensmittel einwandfrei

Die Lebensmittel kommen hauptsächlich von Aldi. Täglich werden von Helfer*innen mit dem Kleinbus oder Privatauto rund zehn Kisten Lebensmittel abgeholt, deren Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt, die aber immer einwandfrei sind. Von Aldi stammen auch die Taschen, die bei der Verteilung abgegeben werden. Relativ neu hat es dank der Kooperation mit der Luzerner Bäckerei Macchi täglich Brot im Angebot, weitere Lebensmittel kommen von der Firma Fredag in Root (Convenience), der Pastinella in Oberentfelden (Pasta-Produkte) und den Kühltransporten Blättler in Littau.
Da bleibt kaum ein Wunsch offen – oder doch? Ein bisschen träumen darf man, gerade zum Jahreswechsel. Zwei, drei Bistrotischchen für noch mehr Begegnung und Austausch, das ist für das «Futterkrippe»-Team ein Wunsch für 2021.

Hans Graber

Die «Futterkrippe» ist ausser montags täglich von 9 bis 11 Uhr offen.

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Auch Malters engagiert sich gegen Food Waste


Auch im Pfarreiheim Malters können Lebensmittel zum symbolischen Preis von einem Franken oder für einen höheren Solida­ritätsbeitrag abgeholt werden – jeweils donnerstags von 14 bis 15 Uhr. Hinter dieser Aktion steht der Verein Lebensmittelretter Zentralschweiz. Dieser ist auch in Giswil aktiv, in Planung ist laut der Prä­sidentin Daniela Kyburger ausserdem eine Abgabestelle in Schüpfheim.

«Vertrauen entsteht mehr im Alltag als in heiligen Handlungen», sagt Karin Klemm. Sie ist katholische Seelsorgerin im Hospiz Zentralschweiz, wo schwerkranke Menschen ihre letzte Lebensphase verbringen.

Littau Zentrum. Kein Schild weist zum Hospiz Zentralschweiz. Erst neben der Eingangstür ist der Name zu lesen. «Das Hospiz ist fast wie ein Daheim. Zu meiner Wohnung weist ja auch kein Schild», erklärt Karin Klemm und lacht herzlich.
Tatsächlich befindet sich das Hospiz, im Januar in Littau eröffnet, in einem Haus, in dem sich zuvor eine Wohnung mit Arztpraxis befand. Die Einrichtung erinnert daran: Da ist die Stube mit Sofa, Bibliothek und Cheminée, eine offene Küche mit einer Theke und Barhockern, eine Kinderspielecke und ein grosser Esstisch. Hier können Patient*innen, Pflegende, Seelsorgerinnen, Freiwillige und Angehörige täglich gemeinsam zu Mittag essen, wenn sie möchten. «Wir teilen Brot und Leben an diesem Tisch, pflegen jesuanische Gastfreundschaft, auch ohne religiöse Worte.»

Würdig verabschieden

Die Tür, durch die die Besucherin hereinkam, lässt sich nur von innen öffnen. «Immer öffnet ein Mensch diese Tür», erklärt Klemm die Willkommenskultur im Haus. Wenn ein/e Patient/in gestorben sei, stehe die Belegschaft des Hauses an dieser Tür Spalier, wenn der Sarg hinausgetragen werde. «Wir wollen unsere Patientinnen würdig verabschieden.» Die 56-Jährige ist die erste festangestellte Hospiz-Seelsorgerin (60 Prozent) in der Schweiz. Ihre Kollegin Marie-Therese Habermacher hat zudem ein 30-Prozent-Pensum in Spiritual Care. «Zu meiner Kompetenz gehört der Umgang mit biblischen und religiösen Texten, die Reflexion von Religiösem und die Gestaltung von Ritualen», sagt Klemm. Manche Patientinnen würden lieber mit einer theologisch gebildeten, andere lieber mit einer psychotherapeutisch gebildeten Seelsorgerin reden.

Vertrauen schaffen

Wie sehr aber sind spezifisch religiöse Kompetenzen hier gefragt? «Ich gehe innerhalb der ersten drei Tage zu jeder neuen Patientin und jedem neuen Patienten und sage: ‹Sie leben jetzt hier bei uns, deshalb möchte ich Sie kennen lernen.›» Mehr nicht, denn nicht wenige hätten Vorbehalte oder schlechte Erfahrungen mit Religion. Dann gehe es darum, miteinander ein Stück Alltag zu leben: Gemeinsam zu Mittag zu essen, ein Gespräch zusammen mit den Angehörigen, von Karin Klemm moderiert.

Seelsorgerin Karin Klemm mit Hospiz-Katze Jimini, | © 2020 Sylvia Stam

«Vertrauen entsteht mehr im Alltag als in heiligen Handlungen.» Wenn dieses erst einmal da sei, könne es auch zu Gesprächen über explizit religiöse Themen kommen. «Von mir aus spreche ich solche Themen jedoch nie an.» Auf Wunsch betet sie mit den Patient*innen oder für sie, manche wünschten die Kommunion, die Krankensalbung eher selten.

Klemm erlebt immer wieder, wie wichtig der Beziehungsaspekt auch bei solchen Sakramenten ist. «Wenn bei der Kommunion noch eine vertraute Person, zum Beispiel der Schwager, dabei ist, dann leuchten die Augen mancher Patientin mehr als sonst.» Klemm ist denn auch überzeugt: «Es gibt keine religiöse Bindung ausserhalb von Beziehungen.» Religion fasst sie dabei sehr weit: «Religion soll verbinden, deshalb suche ich die Schnittmenge der Gemeinsamkeiten, auf deren Boden wir Stille suchen und feiern können.» Jesu Gastfreundschaft und Menschenfreundlichkeit seien dabei Richtschnur. «Viele Pflegende sind nicht im kirchlichen Sinne praktizierend, aber wir feiern gemeinsam. Das ist eher postchristlich, aber zutiefst jesuanisch.»

Feste im Kirchenjahr

Gefeiert wird jede Woche eine Wochenabschlussfeier im Raum der Stille. Alle zwei Monate gibt es für die Mitarbeitenden – verpflichtend – eine Gedenkfeier für die in dieser Zeit Verstorbenen. «Hier ist es wichtig, dass wir als Seelsorgende nachspüren: Wer trägt noch etwas mit sich herum?»

Manche Angehörige wünschten ein Abschiedsritual, «dann bieten wir eine kleine Feier im Innenhof an». Auch das Kirchenjahr soll Platz haben: «Der Karfreitag gehört in jede Gesundheitsinstitution», findet Klemm. Sie gestaltet ein Karfreitagsgebet mit einem hölzernen Kreuz. In der Osternacht wurde ein Osterfeuer entzündet und ein Halleluja gesungen, dazu geistliche Gedichte vorgelesen. Auch Advent, Weihnachten und Pfingsten werden Ausdruck finden.
Weiter verzichtet das Hospiz bewusst auf religiöse Symbole im Haus. Denn «Religion soll einladen, aber sie darf nicht ausgrenzen». Für Rituale – «je einfacher, desto besser» – eigneten sich auch Tonscherben oder Blumen. Auch den Raum der Stille schmückt einzig eine riesige leere Holzschale, darum herum schwarze Meditationskisse. Karin Klemm hebt die Schale gegen das Licht. Da zeigt sich, dass das Holz an einer Stelle fast durchsichtig ist. «Schönheit im Versehrt-Sein», sagt Klemm.

Sylvia Stam

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Kirchen bezahlen Seelsorge im Hospiz

Das Hospiz Zentralschweiz verfügt über 12 stationäre Betten und 8 Tagesplätze für schwerkranke Menschen in der letzten Lebensphase. Innerhalb eines Jahres weilen hier rund 120 Patient*innen zwischen 36 und 90 Jahren. Manche sterben nach einer Nacht, andere bleiben fünf Monate. Die Landeskirchen der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Uri und Zug sowie die Christkatholische Kirchgemeinde Luzern finanzieren die Seelsorge-Stelle (60 Prozent) vorerst für drei Jahre mit insgesamt 100’000 Franken pro Jahr, zuzüglich eines Startbeitrags von 22’000 Franken. Der Anteil der römisch-katholischen Landeskirche Luzern beträgt 50’000 Franken jährlich. Die 30-Prozent-Stelle in Spiritual Care finanzieren die katholische und die reformierte Landeskirche Zug.

 

In der Gruppe «Mein Weg» verbringen junge Menschen mit und ohne Behinderung Zeit miteinander. Sie teilen ihren Alltag, sie kochen zusammen, sie feiern. Die Gruppe, getragen von der katholischen und reformierten Landeskirche, besteht seit zehn Jahren.

Um die 20 Namen stehen auf der Adressliste von «Mein Weg», etwa die Hälfte traf sich am Freitag Abend (4. September) auf der Terrasse der katholischen Landeskirche, um das Jubiläum zu feiern. Mit dabei auch Max Scheitlin (29), der 2008 in einem Gespräch mit dem damaligen Behindertenseelsorger Gregor Gander den Wunsch geäussert hatte, eine Jugendgruppe von Menschen mit und ohne Behinderung zu bilden. Die Idee nahm Gestalt an, und am 5. Mai 2010 fand das erste Treffen statt. Seither ist «Mein Weg» für viele Jugendliche ein wichtiger Freundeskreis.

«Ein unkompliziertes Miteinander»

«Es geht um einen Austausch und die Darstellung seiner grossen sowie kleinen Wünsche, Ziele und Lebensträume – um eine Vision ihres Lebens», schrieb der Max Scheitlin damals in einer Medienmitteilung. Hans Sutter, reformierter Sozialdiakon im Ruhestand, spricht heute von einem «unkomplizierten Miteinander». Er leitet die Gruppe mit Heidi Bühlmann von der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche. Seit 2010 fanden rund 50 Treffen statt. Es gab schon Filmabende, Spielen und Kochen sind beliebt, viele Treffen richten sich nach den Jahreszeiten und Kirchenfesten, Religion und Glaube spielen immer wieder eine Rolle. «Wir machen alles gerne», hatte Brigitte Kunz im Mai 2019 in einem «Kirchenschiff»-Beitrag erklärt; am Jubiläumsabend ist sie mit ihrem Partner Gilbert Löhle wiederum dabei. Wichtig sei ihr, bei «Mein Weg» Freundinnen und Freunde zu treffen, die sie nicht oft sehe, und über Themen in den Austausch zu kommen, die nicht alltäglich seien.

Sandra Dietschi, welche «Mein Weg» von 2015 bis 2019 mitgeleitet hatte, erinnert sich an «berührende Gespräche», die sie oft erlebt hat: «Ihr lasst uns Anteil nehmen an euren Geschichten, das ist nicht selbstverständlich», dankte sie am Jubiläumsabend den Anwesenden. In der Gruppe «Mein Weg» werde nicht nur von Inklusion gesprochen, «hier wird sie gelebt», hatte Dietschi schon im erwähnten «Kirchenschiff»-Artikel betont.

Bisherige Leitungspersonen: auf katholischer Seite Gregor Gander (2010–2015), Sandra Dietschi (2015–2019) und Heidi Bühlmann (seit 2019), auf reformierter Seite Stefan Sägesser (2013–2015), Hans Sutter (seit 2015)

KONTAKT: Heidi Bühlmann, Behindertenseelsorge der kath. Landeskirche, 041 419 48 43, heidi.buehlmann@lukath.ch

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Drei Männer aus Afghanistan, Eritrea und dem Kongo und machen derzeit eine Berufsattest-Ausbildung als Unterhaltspraktiker. Arbeitgeber ist die Kirchgemeinde Stadt Luzern.

«Seit einem Jahr bin ich glücklich und zufrieden. Die Arbeit macht Spass, es ist nie langweilig: Garten, Reinigung, Reparaturen, das gefällt mir.» Fitsum Teklebrhan (27) sprudelt, wenn er erzählt. Der gross gewachsene Eritreer ist einer von drei Flüchtlingen, die derzeit in den Luzerner Pfarreien St. Johannes, Leodegar und im Maihof-St. Josef ein Eidgenössisches Berufsattest als Unterhaltspraktiker machen. «Ich montiere Schränke, repariere Türen, lüfte», erzählt Amos Molenga (17), der vor sieben Jahren mit seinem Vater aus dem Kongo in die Schweiz kam. «Ich arbeite gern mit den Händen.» Nur Schnee schaufeln mag er nicht so, «das ist kalt», sagt er schmunzelnd.

«Deutsch ist schwer»

Wie seine beiden Kollegen ist auch Yaser Ahmadi (27) aus Afghanistan sehr froh, die Ausbildung machen zu können. «Ich mache am liebsten alles», sagt er lachend. Seit 2016 ist er in der Schweiz, musste aber lange auf die Aufenthaltsbewilligung warten. «Ohne Bewilligung kein Deutsch-Kurs», erläutert er. Er komme gut mit in der Schule, aber Deutsch sei schwer. Das bestätigt auch Fitsum Teklebrhan, der seit vier Jahren hier ist. «In der Schweiz zu leben ist hart. Doch wenn man den Weg findet, dann geht es.» Für alle drei ist die zweijährige Attestausbildung ein erster Schritt auf diesem Weg. Amos Molenga kann schon im Herbst die Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ anhängen. Sein Traum ist es, dereinst Ingenieur zu werden.

Als Muslim in der katholischen Kirche tätig

Auch Yaser Ahmadi will die EFZ-Berufslehre anschliessen. Er hofft, danach eine Stelle im Maihof zu bekommen, wo es ihm sehr gut gefällt. Dass er als Muslim in einer katholischen Kirche arbeitet, ist für ihn kein Problem. «Die Leute sind sehr offen und nett», schwärmt er. Fitsum Teklebrhan möchte sich als Sakristan ausbilden lassen. «Es tut mir gut, in der Kirche zu arbeiten», sagt der Katholik. Bei der Arbeit sei er im Gespräch mit Gott. Er hofft, nach der Lehre eine Stelle in einer Pfarrei zu finden.

Die Lernenden zirkulieren in mehreren Pfarreien, um alle Tätigkeitsfelder kennen zu lernen. Für die Gartenarbeit sind sie zudem zwei Tage pro Monat im Kapuzinerkloster Wesemlin, wo sie von Bruder Paul Mathis, Kapuziner und Gärtner, angeleitet werden.

Aufenthaltsbewilligung dank Lehrvertrag

In der Pfarrei St. Johannes im Würzenbach bildet Sakristan Franz Gantner seit 2006 Lernende aus.  An ihn gelangte Claudia Schmid, Leiterin Fachbereich Personal der Kirchgemeinde Stadt Luzern, als Nicola Neider, Leiterin Migration-Integration der Katholischen Kirche Stadt Luzern, eine Lehrstelle für den Sans Papier Molenga suchte. Aufgrund «hervorragender Rückmeldungen» erhielten Molenga und sein Vater inzwischen eine Aufenthaltsbewilligung.

Auf Antrag der Pfarreien St. Leodegar und Maihof-St. Josef schuf der Kirchenrat zwei weitere Attest-Lehrstellen für ihnen bekannte Flüchtlinge. Ahmadi hatte im Maihof ein Praktikum gemacht, Teklebrhan gehört zur eritreischen Gemeinde, die im «Leodegar» Gottesdienst feiert. Peter Lustenberger, Leiter Infrastruktur St. Leodegar, und Artemas Koch, Zentrumsleiter im Maihof, sind ihre Ausbildner.

Unterstützung durch Pfarreien

Solche Personen mit fachlichem Hintergrund und Offenheit brauche es für die Ausbildung von Lernenden, sagt Schmid. Für den Schulbesuch wäre ein Deutsch Niveau B1 optimal. Bei Lernenden mit Migrationshintergrund würden die Pfarreien individuell Unterstützung bieten. «Die Kirchgemeinde ist offen, weiterhin Lernende auszubilden.  Die Erfahrungen sind für alle Beteiligten sehr positiv», so Schmid.

Sylvia Stam

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Modell für andere Pfarreien

Um eine Lehrstelle als Unterhaltspraktiker/in EBA anzubieten, braucht es in einer Pfarrei Personen mit Offenheit für Jugendliche und dem nötigen fachlichen Hintergrund, «eine Ausbildung in Gebäudetechnik oder als Hauswart», sagt Claudia Schmid, Leiterin Fachbereich Personal der katholischen Kirchgemeinde Stadt Luzern. «Für den Schulbesuch sollte ein Deutsch Niveau B1 erreicht werden. Bei Lernenden mit Migrationshintergrund sei es hilfreich, wenn die Pfarrei individuell Unterstützung anbietet. Kleineren Pfarreien empfiehlt sie, sich mit anderen zusammentun, um alle Tätigkeiten abzudecken.

Menschen, die in einer schwierigen Lebenslage stecken, brauchen keine Ratschläge. Aber ein Gegenüber, das sie stärkt, damit sie selbst aus der Krise finden. Das Team der «elbe – Fachstelle für Lebensfragen» in Luzern tut dies im Auftrag der Kantone. Die Kirchen helfen, dass sich alle diese Hilfe leisten können.

Die «elbe» kann keine Probleme verschwinden lassen. Probleme sind für das Team aber auch gar keine Messgrösse. Stellenleiterin Hildegard Pfäffli, Psychotherapeutin und Heilpä­dagogin, spricht dann von Erfolg, «wenn es jemand schafft, mit seiner Herausforderung einen stimmigen Umgang zu finden». Auch wenn bloss klar werde, welches der nächste Schritt sei, fügt Lea Ming an, Sozialarbeiterin und Sexualberaterin. «Denn es geht immer nur um diesen.»

Steigende Nachfrage

Wie weiter? Mit dieser Frage gelangen etwa Paare an die «elbe», die gewahr werden, wie wenig sie noch verbindet, seit die Kinder flügge sind. Sucht eine schwangere Frau Unterstützung, die sich von ihrem Partner getrennt hat und nicht weiss, wie sie mit ihrem Kind über die Runden kommen soll. Oder breitet ein Mann sein Leben aus, der seine eigenen Bedürfnisse so lange zurückgenommen hatte, bis er in die Gewalt abrutschte.
«Krisen sind auch ein Fenster zur Veränderung», sagt Pfäffli. Sie stellt fest, dass immer mehr Menschen, Paare und Einzelpersonen, nach einem konstruktiven Umgang mit ihren Schwierigkeiten suchen. Das schlägt sich in der Nachfrage nieder, die in der Ehe- und Lebensberatung ebenso steigt wie in der Schwangerschaftsberatung. Die «elbe» ist in Luzern, Ob- und Nidwalden die offizielle Stelle für beide Bereiche (siehe Kasten).
Die Schwangerschaftsberatung ist kostenlos. Weil die Kirchen die «elbe» mittragen und finanziell unterstützen, können auch alle zur Einzel- und Paarberatung kommen. Die Tarife richten sich nach dem Einkommen. «Das ist einmalig und wäre ohne Kirchenhilfe nicht möglich», sagt Pfäffli.

«Spüren, was das Leben fordert»

Die kirchlichen Beiträge helfen zudem mit, dass die «elbe» ihre Angebote entwickeln und ausbauen kann. Seit einem Jahr gehört zum Beispiel Mediation zu den Dienstleistungen. Oder: Der Elternkurs «Kinder im Blick» ist neu kein Projekt mehr, sondern wird zweimal jährlich durchgeführt. Beide Angebote helfen Müttern und Vätern, die sich trennen, eigenverantwortlich Lösungen zu entwickeln, die sie danach gemeinsam tragen. Die Idee: Gestärkt aus der Krise kommen.

Platzhalter-Tierfiguren für die Beratung: Blick auf eines der «elbe»-Büchergestelle. | © 2020 Roberto Conciatori

Die «elbe» zählt fünf angestellte und gegen 20 freie Mitarbeitende. Viele von ihnen sind auch unterwegs. Zum Beispiel bieten sie schon lange für Schulen und Eltern Module in der Gesundheitsförderung und Sexualpädagogik an, neu «Sexualität und digitale Medien». Eine Zusammenarbeit gibt es auch im Bereich Migration, wo sie etwa Sans-Papiers zugute kommt. Über die Fachstelle Fabia schliesslich, ein anderes Beispiel, gelangt die «elbe» an Frauen aus anderen Kulturen, für die es neu das Angebot «Mama, du bist uns wichtig» gibt. Das Ziel: Frauen stärken.

«Spüren, was das Leben fordert», darum gehe es immer wieder, sagt Hildegard Pfäffli. Sie leitet die «elbe» seit fünf Jahren. Mit Begeisterung: «Wenn Menschen mit unserer Unterstützung mutig neue Wege gehen, ist das eine sehr schöne Arbeit.»

Dominik Thali

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Beratungsstelle im Auftrag der Kirchen und Kantone

Die Kantone müssen Ehe-, Familien- und Schwangerschaftsberatungsstellen führen. Luzern, Ob- und Nidwalden kommen dieser gesetzlichen Pflicht über die «elbe – Fachstelle für Lebensfragen» in Luzern nach. Die Landeskirchen hatten den Trägerverein der «elbe» 1973 mitgegründet und finanzieren bis heute rund einen Viertel des Aufwands. Der katholische Luzerner Synodalrat Hans Burri präsidiert den Verein.

 

Menschen, die sich begleitet das Leben nehmen wollen, können weder Sakramente noch seelsorgliche Begleitung erwarten. Die Bischöfe wägen in ihrer «Orientierungshilfe» zwar ab. Doch im (katholischen) Pfarreialltag ist ihr Schreiben nicht mehr als Papier.

Für die Bischöfe ist klar: Der «vorsätzlich assistierte Suizid» sei eine Sünde und «moralisch unentschuldbare Tat Tat», die dem Evangelium und den Sakramenten des Lebens widerspreche. In ihrer «Orientierungshilfe» (siehe Kasten) sprechen sie aber auch vom «überlegten Abwägen» jedes Einzelfalls. Es sei ein Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit, einer suizidwilligen Person und deren Familie beizustehen sowie «ein Zeichen für einen Gott des Lebens». Die Bischöfe verstehen ihr 36-seitiges Papier als Hilfe zur «richtigen seelsorglichen Begleitung» von Menschen, die mithilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben scheiden wollten und sich zugleich an die Kirche wenden mit der Bitte um Begleitung und den Empfang der Sakramente.

«Nicht ich entscheide»

Solche Bitten häuften sich tatsächlich, stellt etwa Claudio Tomassini fest, Leiter des Pastoralraums Sursee. Und angegangen werde er eigentlich erst, wenn die Situation akut sei. Tomassini ist dann, wie den Bischöfen, das Gespräch wichtig. Während diese aber die Seelsorgenden auffordern, sie sollten «bis zuletzt versuchen», eine Person «von ihrem Vorhaben abzubringen», betont Tomassini, es sei nicht seine Aufgabe, zu entscheiden. Er wolle vielmehr sein Gegenüber dazu bringen, selbst auf seine Frage eine Antwort geben zu können. Für Tomassini ist dabei das eigene Gewissen «die letzte Instanz» und «ein wunderbares Geschenk». Er hat erfahren, dass Menschen  gerade in Notsituationen froh sind, jemanden zu haben, der ihnen im Gespräch dieses Gewissen schärft. «Zu sagen, dieses oder jenes sei eine Sünde, nützt dagegen niemandem etwas.»

An die Angehörigen denken

Das Gespräch ist auch Theres Küng wichtig, Leiterin des Pastoralraums Michelsamt. «Es geht nicht darum, ein eigenes Urteil zu fällen.» Küng berichtet von einer Person, die sich begleitet das Leben nehmen wollte und die sie auf die Möglichkeiten der Palliative Care hinwies. «Diese Person starb dann in einem Hospiz. Das war ein guter Entscheid, besonders für ihre Angehörigen.» In einem anderen Fall baten die Angehörigen einer suizidwilligen Person um seelsorgliche Begleitung. Küng war mit ihnen in Kontakt, auch am Tag des assistierten Suizids. Sie hält diese Zuwendung für ebenso wichtig. «Das kann am Ende auch der suizidwilligen Person helfen.»

Zu Widerspruch geführt hat die «Orientierungshilfe» der Bischöfe vorab dort, wo diese den Seelsorgenden erklären, wie sie Menschen begleiten sollen, die unmittelbar vor einem begleiteten Suizid stehen. Die Sakramente – Kommunion und Krankensalbung – könnten nur dann gespendet werden, heisst es in dem Papier, wenn die Möglichkeit bestehe, «die Person dahingehend zu begleiten, dass sie von der getroffenen Entscheidung Abstand nehmen kann». Und wenn der Akt des Suizid beginne, müssten die Seelsorgenden das Zimmer verlassen. Die Sakramente seien «stets Sakramente des Lebens» und könnten nicht als Vorbereitung für den Suizid gespendet werden, begründen die Bischöfe. Und: Das Zimmer zu verlassen, bedeute nicht, die Person zu verlassen. Die Kirche setze einen Sünder nicht mit seiner objektiven Sünde gleich. Die Bischöfe wollen weiter verhindern, dass die «Gegenwart im Auftrag der Kirche als eine moralische Unterstützung des assistierten Suizids aufgefasst werden könnte».

«In Absprache mit Gott»

In den sozialen Medien stiess diese Haltung auch auf Unverständnis: «Wenn überhaupt ein/e Seelsorger/in gerufen wird, geht es doch darum, zu begleiten bis zum Tod. Das Leben ist ein Geschenk, kein Zwang», kommentierte etwa Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, auf Facebook. Der Medienpädagoge und frühere Thurgauer Synodale Thomas Merz befand, es habe « mit christlicher Nächstenliebe nichts zu tun», einen Menschen in der wohl schwierigsten Situation seines Lebens zu verlassen.

Wo seine Seelsorge bei einem assistierten Suizid «ihre Grenzen fände», weiss Roland Häfliger, Pfarrer des Pastoralraums Baldeggersee, nicht – er hat noch keinen solchen Fall erlebt. «Ich würde mich von dem leiten lassen, was in der konkreten Situation richtig ist. Und das auch tun, intuitiv und in Absprache mit meinem Chef, Gott», sagt Häfliger. Am Papier der Bischöfe könne  er «sich orientieren».

Urs Corradini, Leiter des Pastoralraums Mittleres Entlebuch, räumt ein, dass er «ein Problem» damit hätte, einen Menschen zu begleiten, der sich für den Tod mit einer Sterbehilfeorganisation entschieden habe. «Es liegt mir fern, jemanden zu verurteilen, der keinen anderen Ausweg mehr sieht. Hingegen ist es klar, dass es die Aufgabe der Seelsorge sein muss, Menschen zum Leben zu ermutigen.» Corradini nimmt die Gesellschaft als widersprüchlich wahr: Einerseits setze man sich für die Suizidvorbeugung ein, anderseits werde kranken und alten Menschen der Zugang zu Sterbehilfeorganisationen erleichtert.

«Versöhnt Abschied nehmen»

Hier hakt Simone Rüd ein, Seelsorgerin im Alterszentrum St. Anna Luzern mit langjähriger Erfahrung als Spitalseelsorgerin. Sie plädiert für Vertrauen in die Palliative Care. «Nur ganz selten» habe sie erlebt, dass starke Schmerzen nicht behandelt werden konnten, sagt Rüd. «Die grosse Mehrheit der Patientinnen und Patienten konnte dank sorgfältig eingesetzter Schmerztherapie und oft tiefen Gesprächen mit Fachpersonen und Angehörigen versöhnt und persönlich Abschied nehmen von dieser Welt.»

Eine Erfahrung, die viele Seelsorgende teilen. Vielen geht es aber auch wie Claudio Tomassini, der beim Thema assistierter Suizid «eine unglaubliche Verantwortung als Seelsorger und Mensch» spürt, die ihn «eigentlich» überfordere. Tomassini: «Ich komme selten so an meine Grenzen.»

Dominik Thali

«Da bleiben bei Sterbenden und Familien»

Medizin und Pflege sowie psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung sollen ein Leben und Sterben in Würde ermöglichen: Dafür setzen sich die Kirchen im Kanton Luzern ein. Gregor Gander leitet deren Fachstelle Palliative-Care-Seelsorge, die seit 2017 besteht. Damit nähmen die Kirchen ihren Auftrag wahr, «Menschen in schwierigen Momenten verlässlich zu begleiten, da zu bleiben, bei den Sterbenden, den Familien und Freunden», sagt Gander.
Das schliesst für ihn nicht aus, auch Menschen zu begleiten, die freiwillig aus dem Leben scheiden. Die Kirche solle nicht Entscheide einzelner Menschen beurteilen, sondern an einer solidarisch-sorgenden Gesellschaft mitgestalten. «Verbunden-Sein und Autonomie bilden aber keine Gegensätze. Leben ist miteinander leben, Sterben miteinander leben bis zum Ende», zitiert Gander den deutschen Theologen, Philosophen und Soziologen Andreas Heller von der Universität Graz.

Bild: Gregor Gander
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Die bischöfliche «Orientierungshilfe»

Wie sollen Seelsorgerinnen und Seelsorger Menschen begleiten, die mithilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben scheiden wollen? Die Bischofskonferenz hat dazu im Dezember eine «Orientierungshilfe» herausgegeben, «Seelsorge und assistierter Suizid».
In Teil 1 machen die Bischöfe eine sozialethische Auslegeordnung zum aus ihrer Sicht «gesellschaftlich aktzeptierten assistierten Suizid». Niemand, nicht einmal eine Person für sich selbst, dürfe über den Wert eines Lebens urteilen, um ihm ein Ende zu bereiten.
Teil 2 geht auf die seelsorgliche Begleitung ein. Christinnen und Christen müssten sich zwar auch zu jenen Menschen begeben, die sich am Rand des Lebens befänden. Im Moment des Suizids hätten Seelsorgende aber die Pflicht, das Zimmer zu verlassen.
Teil 3 schildert Fälle, in denen sich Seelsorgende befinden können und stellt «Hilfen» dazu vor.

Reformierte Seelsorge reicht «bis zum Sterben»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz hat, anders als auf katholischer Seite die Bischofskonferenz, zum Thema Seelsorge bei assistiertem Suizid noch nicht Stellung bezogen. Allerdings hat das Positionspapier «Solidarität bis zum Ende» des Synodalrats der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn vom Juni 2018 die Diskussion dazu angekurbelt. Es habe Widerspruch dazu gegeben, stellt der reformierte Luzerner Synodalrat Florian Fischer fest, das Papier sei aber aber von vielen anderen Landeskirchen «sehr wohlwollend aufgenommen» worden.

«Solidarität bis zum Ende» hält zwar fest, assistierter Suizid könne «aus biblisch-theologischer Sicht keine Option» und «immer nur Grenzfall, nie der Normalfall» sein. Es gebe allerdings auch keinen Zwang, Leben zu müssen. Das Papier zitiert dazu den Theologen Dietrich Bonhoeffer: «Wer nicht mehr leben kann, dem hilft auch der Befehl, dass er leben soll, nicht weiter.» Es müsse akzeptiert werden, dass es Situationen gebe, in denen für Menschen die Güte des Lebens im Dunklen liegt. Die Frage des Mitgehens bis zum Schluss ist aus Sicht der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn klar. «Auch im Zusammenhang mit begleiteter Selbsttötung stellt seelsorgliche Solidarität keine Bedingungen», heisst es in dem Papier. Und: Die kirchliche Seelsorge reiche auch im Fall eines assistierten Suizids «bis zum Sterben. Pfarrerinnen und Pfarrer sollen Menschen, die sie begleiten, auch im schwierigsten Moment, dem Akt der Selbsttötung, Beistand leisten, wenn diese es wünschen.» Dazu könne aber niemand verpflichtet werden; in jedem Fall gelte «besonders an dieser Stelle» das Recht auf den freien Gewissensentscheid».

Die Wölfli der Pfadi St. Johannes in Luzern haben den Wettbewerb «Faires Lager» 2019 gewonnen, weil sie auf originelle Weise die Nachhaltigkeit thematisiert haben. Dazu beigetragen hat auch die Kirche. Sie unterstützt das Projekt mit.

«Macht euch schlau zu eurem Wasserverbrauch. Entwickelt ein Spiel zum Thema Wasser, das ein Grundverständnis für unseren Wasserverbrauch vermittelt.» Das war die Ausgangslage, mit der die Wölfli, die «Kleinen» bei den Pfadis, ins Rennen stiegen. «Die Jury war beeindruckt, dass wir die Aufgabe mit den Wölflis, also mit Erst- bis Viertklässlerinnen und -klässlern anpackten», sagt Laura Brügger, Abteilungsleiterin bei der Pfadi St. Johannes. Hinter dem Wettbewerb «Faires Lager» steckt eine Trägerschaft, in der neben der Pfadibewegung Schweiz, Jungwacht Blauring Schweiz, Fastenopfer, «young Caritas» auch die Katholische Kirche der Stadt Luzern unterstützend mitwirkt.

Der Kampf ums Wasser

Samland, Poringen und Gingenreich: So hiessen die drei Länder im letztjährigen Sommerlager in Stein im Appenzell. Jedes Land musste ein Menu zusammenstellen. «Die Kinder wussten, dass es beispielsweise für die Herstellung von 200 Gramm Rindfleisch rund 3000 Liter Wasser benötigt», sagt die 24-jährige Medizinstudentin. Das zum Kochen benötigte Wasser mussten sie auf spielerische Weise ergattern. Jedes Land hatte unterschiedliche Wassermengen zur Verfügung. «Bald merkten die Kinder, wie unfair das unter den Ländern aufgeteilt ist.» Schliesslich setzten sich alle zusammen und beschlossen, die Wasserressourcen fair untereinander aufzuteilen. «Weil das Wasser begrenzt war, haben sie dann zum Beispiel das Fleisch vom Menu gestrichen und durch Rüebli ersetzt, oder kauften die regionalen Früchte statt die importierten, damit es für alle reichte.»

Am Schluss zeichneten die Kinder ihre Menus auf grosse Plakate. Die Umsetzung überzeugte die Organisatoren des Wettbewerbs so sehr, dass die Pfadi St. Johannes zur Siegerin gekürt wurde. Laura Brügger und das gesamte Leitungsteam hatten überhaupt nicht damit gerechnet. «Wir hatten am Abend der Preisverleihung einen Elternabend. Als sie dann darauf bestanden, dass wir unbedingt zur Verleihung kommen müssten, wurde uns erst klar, dass wir ja vielleicht einen Preis gewinnen.» Die Freude war umso grösser. «Es ist ein mega cooler Preis», findet Laura Brügger – ein Zelt für zehn Personen, dazu noch eines von bester Qualität. «Ein Preis, den wir sehr gut gebrauchen können.»

«Wir wollen Vorbild sein»

Auch dieses Jahr nimmt die Pfadi St. Johannes am Wettbewerb teil. «Wir werden wieder mit den Wölfli antreten», sagt Laura Brügger. «Wir sind mitten in der Planung. Dieses Mal werden die kreativsten Transporte für das Sommerlager gesucht.» Die Pfadileiterin betont, dass das Thema Nachhaltigkeit auch ohne Wettbewerb grossgeschrieben wird. Die Pfadi sei schon immer eine Bewegung gewesen, die sehr naturverbunden sei. «Deshalb gehen wir sorgsam mit Ressourcen um. Wir versuchen auch, für die Kinder ein Vorbild zu sein, indem wir etwa Abfall konsequent einsammeln oder nicht einfach Äste abreissen.»

Auch beim Essen schauen die Leiterinnen und Leiter darauf, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit mit einfliesst. «Wir machen uns in der Vorbereitung jeweils viele Überlegungen dazu», sagt Laura Brügger. So werden wenn möglich die Milch und die Eier vom benachbarten Bauern bezogen. «Wir planen auch vegetarische Menus mit viel lokalem Gemüse.» Die Schwierigkeit sei jeweils, dass die Lager für die Kinder günstig sein müssen und sich das mit umweltfreundlicher Menuplanung nicht immer ganz vereinbaren liesse. Auch deshalb lohnt sich die Teilnahme am Wettbewerb: «Dadurch bekommen wir pro Nacht und Kind zwei Franken zusätzlich.» Zudem sei der Beitrag von «J+S Jugend und Sport», dem Sportförderungsprogramm des Bundes, verdoppelt worden. «Das können wir unter anderem für nachhaltigere Lager investieren, was uns sehr freut.»

Robert Bossart

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Kirchen investieren in Kinder- und Jugendarbeit

Jungwacht Blauring Luzern ist der grösste Jugendverband des Kantons, die Pfadi Luzern einer der grössten der 22 Kantonalverbände. Beide werden durch die katholische und reformierte Landeskirche unterstützt. Mit diesem Geld können die Verbände zum Beispiel Leiterinnen und Leiter ausbilden und – im Fall der Jubla – eine Arbeitsstelle führen, die für die 80 Scharen eine professionelle Anlaufstelle ist. Oder: Dank der kirchlichen Unterstützung kann der Mitgliederbeitrag tief gehalten werden. So können Kinder und Jugendliche aus allen Schichten mitmachen.

Jubla und Pfadi sind zwei von vielen Einrichtungen, die Menschen darin unterstützen, ihr Leben zu gestalten. Den Kirchen ist dies wichtig. Die reformierte Kantonalkirche und deren Kirchgemeinden haben im Jahr 2018 rund 180’000 Franken für Kinder- und Jugendarbeit ausgegeben – allein für Lager, Projekte oder Pensen in der Kinder- bzw. Jugendarbeit. Bei der (grösseren) katholischen Kantonalkirche waren es im gleichen Jahr erneut rund 100’000 Franken an Jungwacht Blauring und Pfadi. Die Beiträge der Kirchgemeinden an die jeweiligen Scharen und Abteilungen sind noch nicht mitgerechnet.