2020 hätte ein Jahr der Feiern und Begegnungen werden sollen. Doch Corona durchkreuzte das Jubiläumsprogramm. Das bedauern die Präsidentinnen der drei Landeskirchen. Über eines freuen sie sich gleichwohl: Die gewachsene ökumenische Zusammenarbeit.

«Die Vorfreude war gross», sagt die katholische Synodalratspräsidentin Renata Asal-Steger. «Aber was kam, hat dann unsere ganze Vorstellungskraft übertroffen», macht ihre christkatholische Kollegin Esther Albert den Satz fertig. In dem Jahr, in dem die katholische und reformierte Landeskirche, zusammen mit der schon älteren christkatholischen, ihr 50-jähriges Bestehen feiern wollten, war nur wenig so, wie geplant. Ab März stellte Corona das Programm auf den Kopf.

«Dafür gelang es uns, gemeinsam neue ökumenische Wege zu beschreiten», freut sich die reformierte Synodalratspräsidentin Lilian Bachmann. Sie spricht damit die Fernsehgottesdienste an, welche die drei Landeskirchen in nur drei Wochen produzierten und am Karfreitag und an Ostern auf Tele 1 ausstrahlten. Ein «spürbares Näherrücken» hat auch Asal-Steger erlebt, «unkompliziert und mit viel Einsatz wurde konfessionsübergreifend gearbeitet», meint Esther Albert. Ein dritter Fernsehgottesdienst wurde für Weihnachten aufgenommen. Die drei Kirchen unterstützten auch gemeinsam die Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos und verschickten erstmals gemeinsam eine Weihnachtskarte.

«Kirche lebt schliesslich von der Begegnung»

Gleichwohl: Keine gemeinsame Feier nach der Synode, keine «Lange Nacht der Kirchen», kein Sommerfest und die grosse Bettagsfeier gestrichen – das schmerzte. «Wir waren gut vorbereitet und bereit, das Jubiläum mit tollen Anlässen zu feiern», sagt der katholische Synodalrat Markus Müller, der die Arbeitsgruppe für die 50-Jahre-Feiern leitete. «Und Kirche lebt schliesslich von der Begegnung», meint Bachmann. Corona habe anderseits dazu geführt, die Kernaufgaben der Kirche, Seelsorge, Schutz der Schwachen und Dialog, neu ins Bewusstsein zu bringen. Die Kreativität und das enorme Engagement in den Kirchgemeinden und Pfarreien habe sie beeindruckt.

«Im Moment leben»

Asal-Steger pflichtet ihr bei. Für die katholische Synodalratspräsidentin passte – rückblickend erst recht – das hölzerne Ruderboot als Bild für das Kirchenjubiläum. Das Boot sei alt und teilweise morsch. «So zeigte sich auch die Wirklichkeit. Wir können nicht auf ein glanzvolles Jubiläumsjahr zurückblicken. Im Gegenteil. Statt Ausgelassenheit und Festfreude waren vor allem Verunsicherung und Ungewissheit präsent. So waren wir als Kirchen besonders gefordert und aufgerufen, mit und bei den Menschen zu sein.»

Das gilt im neuen Jahr für die kirchliche Arbeit allgemein wie das Jubiläum. Die drei Landeskirchen versuchen, den einen und anderen Programmpunkt unter dem Titel «50 + 1» nachzuholen. Was sein wird, ist offen: «Ausblicke auf ein Jahr sind kaum mehr möglich», sagt Lilian Bachmann. Wir haben aber gelernt, im Moment zu leben.»

Dominik Thali

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

50 + 1: Wie es 2021 mit dem jubiläum weitergeht


«Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und deshalb zuversichtlich, dass wir die verschobenen Anlässe dieses Jahr durchführen können», sagt Synodalrat Markus Müller, Leiter der Arbeitsgruppe «50 Jahre Landeskirchen». Bestätigt sich Müllers Zuversicht, sind folgende Termine gesetzt:

  • Freitag, 28. Mai: «Lange Nacht der Kirchen», ganzer Kanton
  • Sonntag, 19. September: öffentliche Feier zum Bettag, Willisau
  • Ganzes Jahr: Dreh von weiteren drei bis vier «Kirche kommt an»-Filmen; das Jubiläumsmotto bleibt Titelthema im «Kirchenschiff», die gleichnamige Website aufgeschaltet.

Am 25. Oktober 1970 wurde im Kanton Luzern das Frauenstimmrecht angenommen, am 7. März 1971 das nationale. Wo steht Gleichberechtigung heute in Gesellschaft und Kirchen? Ein Gespräch mit der Politikerin Cécile Bühlmann und den Kirchenfrauen Renata Asal-Steger und Lilian Bachmann.

Vor 50 Jahren wurde das Frauenstimmrecht eingeführt. Was hat sich seither für die Frauen geändert?
Cécile Bühlmann: Damals glaubten viele, mit der Einführung des Frauenstimmrechts sei Gleichberechtigung erreicht. Viele Errungenschaften, die wir heute haben, wurden jedoch erst danach von den Frauen erkämpft
Lilian Bachmann: Mit dem Frauenstimmrecht wurde der Grundstein für zahlreiche neue Gesetze zu Frauenanliegen gelegt, die ohne die Frauenstimmen so wohl nicht eingeführt worden wären. Insbesondere  das neue Ehe- und Scheidungsrecht, die Fristenregelung, die Mutterschaftsversicherung, das BVG-Splitting oder das Gleichstellungsgesetz. Wir haben inzwischen etwa die halbe Strecke erreicht und müssen weiterhin aktiv bleiben.

Wo hapert es noch?
Bühlmann: Auch heutige Frauen stecken oft beruflich stark zurück, wenn Kinder kommen. Die Namenswahl ist ein Indiz dafür, dass sich die Frauen stärker zurücknehmen: Die meisten Familien führen selbstverständlich den Namen des Mannes. Die Verantwortung, an alles zu denken, was die Familie betrifft, die sogenannte «mental load», liegt ebenfalls noch mehrheitlich bei den Frauen.

Wollen Frauen und Männer an diesen Rollen gar nichts ändern?
Bühlmann: Es liegt tatsächlich nicht nur an den Gesetzen. Es gibt Frauen, die engagieren sich lieber im geschützten Rahmen der Familie. Sich einer bisweilen harten Arbeitswelt oder der Politik zu stellen, braucht Mut. Wer sich einsetzt, setzt sich aus.
Renata Asal-Steger: Frauen haben oft das Ganze im Blick: Partnerschaft, Familie, Beruf. Sie wägen ab und fragen sich, ob sie all dies miteinander vereinbaren können. Meine Erfahrung ist, dass sich Männer solche Überlegungen grundsätzlich weniger machen und schneller zusagen: «Es wird schon irgendwie gehen.»

«Frauen würden diese klerikale Priesterkaste, die sich selber zwischen den Laien und Gott verortet, abschaffen»: die Luzerner alt Nationalrätin Cécile Bühlmann. | 2020 Martin Dominik Zemp

Fühlen Sie sich in Ihren Gremien als Frau ernst genommen?
Bachmann: Absolut. Wir leben ein Klima der Gleichberechtigung und diskutieren auf Augenhöhe. Unsere Meinungen bringen wir ein, hören einander zu und finden gemeinsam zu Lösungen.
Asal-Steger: Auch ich fühle mich in den Gremien der Landeskirche ernst genommen und kann meine Anliegen einbringen. Das kann ich auch in den Gremien auf Bistumsebene oder mit der Bischofskonferenz. Es kommt jedoch nicht selten vor, dass ich dort die einzige Frau bin. Was von meinen Anliegen dann umgesetzt wird, ist eine andere Frage.

Frau Bühlmann, Sie sind 2018 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Warum?
Bühlmann: Die römisch-katholische Amtskirche ist eine hierarchische, klerikale Männerkirche. Unter diesem Dach wollte ich nicht mehr länger stehen. Darum war der Austritt für mich ein Akt der Befreiung. Ich kann nicht verstehen, dass katholische Frauen immer noch auf Gleichberechtigung hoffen.

Haben Sie diese Hoffnung noch, Frau Asal-Steger?
Asal-Steger: Ja, ich habe sie nach wie vor. Unbestritten ist, dass die katholische Kirche weltweit in einer grossen Glaubwürdigkeitskrise ist. Man realisiert, dass strukturelle Fragen zu Machtmissbrauch geführt haben. Mich lässt hoffen, dass sich viele Katholikinnen und Katholiken für Reformen in der Kirche stark machen Der Frauenbund war kürzlich bei der Bischofskonferenz eingeladen. Frauen vernetzen sich weltweit. Wenn jetzt nicht etwas passiert…
Bühlmann: Wie viele Enttäuschungen braucht es noch, bis ihr merkt, dass sich nichts ändern wird?
Asal-Steger: Die Kirche und ihre christliche Botschaft liegen mir am Herzen. Sie sind meine religiöse Beheimatung. Ich möchte diese Kirche weiterhin mitgestalten und mich beharrlich engagieren, dass die katholische Kirche glaubwürdige Schritte der Erneuerung geht. Wenn ich draussen bin, kann ich nicht mehr mitreden.
Bühlmann: Bischof Felix Gmür ist offen für Gleichberechtigung. Aber was macht er, wenn Rom nein sagt?
Asal-Steger:  Papst Franziskus hat die Bischöfe mehrfach aufgerufen, mutig zu sein und Lösungen vor Ort zu suchen. Ich meine, reformwillige Bischöfe sollten sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Es gibt beispielsweise in Deutschland Bischöfe, die sich für Reformen einsetzen.

«Gelebte Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit sind Grundwerte der Reformierten Kirche»: Lilian Bachmann, Präsidentin des Synodalrats der reformierten Luzerner Landeskirche. | 2020 Martin Dominik Zemp

Was können Sie selbst in dieser Sache bewirken?
Asal-Steger: Ich leide unter den Diskriminierungen innerhalb der katholischen Kirche. Deshalb engagiere ich mich in «meinen» Gremien für Reformen und habe mich als Präsidentin der RKZ zur Verfügung gestellt. Denn auf der Ebene der Bischofskonferenz wird es in den nächsten Jahren kaum ein weibliches Gesicht geben. Zudem vernetze ich mich, ich habe beispielsweise am Kirchenfrauenstreik teilgenommen. Aber ich weiss, dass ich das Kirchenrecht nicht ändern kann.

Seit wann gibt es in Luzern reformierte Pfarrerinnen?
Bachmann: Die reformierte Kirche im Kanton Luzern hat sich im Januar 1970 eine kirchenpolitische Verfassung gegeben und damit den Weg für das kirchliche Frauenstimm- und Wahlrecht frei gemacht. Frauen konnten damit seit Anbeginn der reformierten Landeskirche im Pfarramt wirken. Ordiniert werden konnten sie schon früher, jedoch nicht als Pfarrerinnen in der Kirchgemeinde amten. Daher waren sie häufig in Stellvertretungen oder im kirchlichen Unterricht tätig.

Was würde sich in der katholischen Kirche ändern, wenn Frauen zu Ämtern zugelassen wären?
Bühlmann: Sie wäre näher bei den Menschen. Frauen würden diese klerikale Priesterkaste, die sich selber zwischen den Laien und Gott verortet, abschaffen. Sie wären ganz normale Menschen, zwar mit besonderen Funktionen, aber nichts Unantastbares.

Ist das in der reformierten Kirche Realität?
Bachmann: Gelebte Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit sind Grundwerte der Reformierten Kirche. Frauen sind zu Ämtern und zum Pfarrberuf zugelassen, obwohl die Verteilung noch nicht hälftig ist. Sie sind im Pfarramt sowie im Parlament je zu einem Drittel vertreten,  in den Exekutivämtern etwas weniger. Da besteht noch Luft nach oben.
Bühlmann: Aber diesen besonderen Status der Kleriker nehme ich bei den Reformierten nicht wahr. Dieses andere Amtsverständnis wäre für mich ein Vorbild.

Interview: Sylvia Stam

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Präsidentinnen im Beirat des Jubiläums

Der Kanton Luzern war am 25. Oktober 1970 der dritte Deutschschweizer Kanton, der das Frauenstimmrecht auf Kantons- und Gemeindeebene annahm. Das 50-Jahr-Jubiläum soll Gelegenheit sein, «über Fragen zu Gleichberechtigung und Demokratie nachzudenken», wie der dafür gegründete Verein schreibt. In dessen Beirat setzen sich auch die drei Frauen ein, die derzeit an den Spitzen der drei Luzerner Landeskirchen stehen: Renata Asal-Steger, katholische Synodalratspräsidentin, Lilian Bachmann, reformierte Synodalratspräsidentin, und Esther Albert, Präsidentin der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern. Cécile Bühlmann, von 1991 bis 2006 Luzerner Nationalrätin (Grüne), präsidiert mit alt Nationalrätin Judith Stamm (CVP) den Beirat.

Die St. Anna-Schwestern in Luzern haben seit Ende Juli erstmals eine Leiterin, die keine der Ihren ist: Simone Rüd. Sie betreten damit Neuland – einmal mehr. Und wollen so anderen Gemeinschaften Mut machen.

Am Vortag des St.-Anna-Festes, am 25. Juli, übernahm Simone Rüd (58) die Leitungsaufgabe von Sr. Rosa Scherer (77), die fast 30 Jahre lang Führungsaufgaben in der Gemeinschaft innehatte. Rüd ist damit die erste Leiterin der Schwestern, die nicht dem Orden angehört. Die Theologin und Palliative-Care-Fachfrau hat viele Jahre Erfahrung als Spitalseelsorgerin. Anfang Jahr wechselte sie ins «St. Anna», jetzt ist sie neu auch die erste Ansprechperson für die noch gut 60 Schwestern (siehe Kasten). Für Alltägliches, wenn zum Beispiel jemand im Spital liegt. Oder sie organisiert gemeinschaftliche Anlässe. Was möglich sei, müsse das Zusammenleben erst zeigen, sagt Simone Rüd. Sie ist vor allem auch Vertrauensperson, hat Zeit und ein offenes Ohr: «Damit das Zusammenleben immer wieder neu gelingt», sagt sie. Dies sei auch in einer Schwesterngemeinschaft stets zu üben, nicht anders als in einer Familie.

«Bi de Lüüt» sein

Ob sie nicht selbst in die Gemeinschaft eintreten wolle, wurde Simone Rüd seit ihrem Stellenwechsel bisweilen gefragt. Sie lacht – und winkt ab: Das Thema Frauengemeinschaften begleite sie zwar seit dem Studium, «aber nur von aussen». Die neue Aufgabe, die Generaloberin Sr. Heidi Kälin (66) erst mit einem handschriftlichen Brief an sie trug, passt ihr, weil sich darin Seelsorge und Betreuung eng verzahnen. «Und ich so immer nahe bi de Lüüt sein kann», wie Rüd sagt. Sie hat ein 100-Prozent-Pensum, ist an Werktagen täglich vor Ort und teilt das Mittagessen mit den Schwestern. Am Wochenende organisieren sich die Schwestern ohne die neue «Oberin», denn Simone Rüd lebt nicht «im St. Anna». Um Verwaltungsbelange, zum Beispiel Versicherungen oder die Krankenkasse, muss sie sich nicht kümmern, das tut die St. Anna Stiftung (siehe Kasten).

Für die St. Anna-Schwestern brauchte die Anstellung von Simone Rüd «einigen Mut», wie Sr. Heidi einräumt. Für sie und ihre Mitschwestern ist der Entscheid aber richtig, zumal er daran anknüpft, was die Gemeinschaft seit über 20 Jahren gut kann: planen und neugestalten. «Dazu hat uns der Heilige Geist immer wieder bewegt», sagt die Generaloberin. Sie wurde vor 14 Jahren als damals Jüngste an die Spitze der St. Anna-Schwestern gewählt. Heute zählt Sr. Heidi mit 66 Jahren zu den noch vier Frauen der Gemeinschaft, die jünger als 70 sind.

Ein Zukunftsmodell

Als die Schwestern Anfang 2019 in einer Zukunftswerkstatt auf das Jahr 2030 blickten, waren sie sich bewusst, dass es darum geht, mit Blick auf die Wirklichkeit und doch Vertrauen Entscheide zu treffen. Auch wenn viele von ihnen manche Veränderung nicht mehr erleben würden. Trotzdem spricht Sr. Heidi von einem Zukunftsmodell, das nun umgesetzt werde und das anderen Gemeinschaften Mut machen könne. Sie ist sich gewiss: «Es gibt immer einen Weg.» Vor über 20 Jahren gründeten die St. Anna-Schwestern in diesem Vertrauen eine Stiftung, um ihre sozialen Werke zu sichern und dieser mehr und mehr die Sorge um die alternde Gemeinschaft anzuvertrauen. 2009 begann das «St. Anna», Schwestern anderer Orden in seine Häuser aufzunehmen. Später war die Gemeinschaft die treibende Kraft für das benediktinische Zentrum, das 2019 im Kloster Sarnen eröffnet wurde und in dem auch die Schwestern vom Melchtal und von Wikon ein neues Zuhause fanden.

Sr. Samuelle Käppeli, mit 56 Jahren die Jüngste der St. Anna-Schwestern und Mitglied des Generalrats, sagt, es gehöre zum Wesen und Auftrag der Gemeinschaft, «die Zeichen der Zeit» zu erkennen. «Wir können heute also weniger durch unser Tun wirken», sagt sie, «immer noch aber durch unser Dasein und unsere Anteilnahme am Leben der Welt um uns.» Simone Rüd nickt. Dies sei spürbar im Haus. Sie weist auf das Alterszentrum St. Anna hin, das in gut einem Jahr eröffnet werden wird und wo neben den Schwestern andere Menschen ihren Lebensabend verbringen werden, die sich von der spirituellen Ausrichtung des Hauses angesprochen fühlen. Das Zentrum entsteht unterhalb der Hirslanden-Klinik St. Anna, dem Gründungsort der Gemeinschaft. Wer in Luzern vom «St. Anna» spricht, meint seit jeher das Spital auf der Sonnseite der Stadt. Dieses liegt den Schwestern nach wie vor am Herzen, war es doch über Jahrzehnte das Mutterhaus der Gemeinschaft. Vor 15 Jahren veräusserte sie die Klinik an die Hirslanden-Gruppe.

Generaloberin Sr. Heidi ist es wichtig, dass die Schwestern auch in ihren alten Tagen ein erfülltes Leben führen können. Das absehbare Ende der Gemeinschaft in der Schweiz nimmt sie gelassen. «Im Lauf der Geschichte sind schliesslich schon viele Orden verschwunden.» Die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern lebe und wirke in Indien und Ostafrika weiter.

Das aus deren Häusern in Luzern nun ein Alterszentrum entsteht, freut Sr. Heidi zusätzlich. «Es lohnt sich, in die Zukunft zu investieren, auch wenn das Werk uns Schwestern überleben wird.» Der Geist von St.  Anna werde über diese spürbar bleiben.

Dominik Thali

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Noch vier Schwestern sind jünger als 70 Jahre

1909 | Die Gemeinschaft wird von Wilhelm Meyer, Regens am Priesterseminar Luzern, gegründet. Unter dem Namen «St. Anna-Verein» entsteht eine Organisation für die Pflege von Müttern und Kindern.
1918 | Das neu erbaute Sanatorium St. Anna (heute Hirslandenklinik St. Anna) wird eröffnet.
1927 | Die ersten Schwestern reisen nach Indien in die Missionen. 1990 dehnen sie ihr Werk nach Ostafrika aus. Heute arbeiten rund 900 Schwestern in 60 Niederlassungen, seit 2000 unabhängig von der Schweiz.
1998 | Die Gemeinschaft wird kleiner und beschliesst, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen. Die Stiftung St. Anna wird gegründet, um die sozialen Werke der Schwestern für die Zukunft zu sichern und mehr und mehr für die Bedürfnisse der Schwestern zu sorgen.
2005 | Das «St. Anna» in Luzern wird als letzte der vier eigenen Kliniken (neben Zürich, Lugano und Fribourg) verkauft.
Heute | In den 50er Jahren zählte die Gemeinschaft in Luzern rund 400 Schwestern; heute sind es 62, das Durchschnittsalter beträgt 80 Jahre, nur vier Schwestern sind jünger als 70.
Ende 2021 | Das Alterszentrum St. Anna wird eröffnet. Es wird mit den bestehenden Schwesternhäusern insgesamt rund 130 Wohn- und Pflegeplätze bieten – für die Schwestern selbst und weitere Interessierte.

Stiftung verwaltet die sozialen Werke

Die St. Anna-Schwestern bewiesen schon 1998 Weitsicht. Sie gründeten damals eine Stiftung, die sich seither um die Bedürfnisse der der Schwestern kümmert und deren soziale Werke für die Zukunft sichert. Heute sind dies noch eine Kindertagesstätte, ein Alterszentrum, die Herberge «Haus Hagar» für Frauen in Not sowie die Hilfswerke in Indien und Afrika. Die Stiftung sichere die Lebensgrundlagen der Schwesterngemeinschaft, sagt Generaloberin Sr. Heidi Kälin. Als Arbeitgeberin zählt sie rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Am 20. Mai war Premiere. Der Animationsfilm «Kirche kommt an» ging mit Erfolg an die Öffentlichkeit und sorgte nach all den Terminabsagen für ein bisschen Jubiläumsstimmung. Was hinter dem Projekt steckt und welches die Highlights eines Animationsregisseurs sind, das verrät der Rückblick auf den künstlerischen Prozess.

Klar war, dass es einen Film geben wird. Wie dieser aussehen und was darin eigentlich passieren sollte, war offen. Verschiedene Ideen und Vorstellungen kursierten, alles nur sehr vage. Klar war aber auch, mit wem der Auftrag realisiert wird: Team Tumult, ein Animationskünstler*innen-Kollektiv aus Zürich, sagte Ja zum Projekt. Es folgte ein erstes Treffen. Ein paar Gedanken. Austausch. Ja, gut, so fahren wir weiter, ein Zeitplan wurde erstellt. Da war es noch Sommer 2019. Am 20. Mai 2020 sollte der Film Premiere feiern, am Treffen der beiden Synoden zum 50-Jahre-Jubiläum der beiden Landeskirchen. Heute wissen wir, dass alles anders kam.

Ein Plädoyer für Umwege

War der Film ein Experiment? Ja, aber Beni Morard von Team Tumult sieht das nicht als Problem. «Es ist ja bei jedem Film anders.» Es gebe natürlich immer gewisse Schemata, an die man sich halten könne. Die Gefahr bestehe dann darin, dass man anfange, gewisse Punkte zu überspringen. Zum Beispiel die Brainstormingphase, weil man denke, man wisse, was es braucht. Das sei bei diesem Filmprojekt nicht passiert. «Wir haben uns wirklich Zeit gelassen, um auszuprobieren», pflichtet Morard bei. Zu Beginn gab es die Idee eines Scripts. Der Plot des Films ward gesucht. Nach einem bereichernden Hin und Her zwischen der Arbeitsgruppe der Landeskirchen, der Projektleiterin und Beni Morard kristallisierte sich heraus, dass die Leute auf der Strasse diesen Plot bestimmen würden.

Raus auf die Strasse

Mit dem Mikrofon auf der Kamera ging es also durch den Kanton Luzern auf Stimmenfang. «Welches Bild von Kirche hast du?», lautete die Einstiegsfrage ins Gespräch. Das waren schöne Begegnungen, berührende Momente, lustige auch, und die Menschen sehr offen und ehrlich. Zurück im Büro wurde geschnipselt und die Sätze wie ein Puzzle aneinandergereiht, zusammengelegt. Und plötzlich war eine Geschichte spürbar. Hörbar. Der Stimmenteppich ging weiter zu Team Tumult. «Als ich die Tonaufnahmen hatte, ging für mich der kreative Prozess richtig los», sagt Beni Morard. Er fing an, den Ton zu schneiden. Und dazu machte er sich die ersten Bilder im Kopf.

Ausschnitt aus dem Film «Kirche kommt an» | © 2020 Team Tumult

Das Schneiden nennt Morard eines der Highlights während der Produktion. Wenn auch das Storyboard gemacht ist, kann alles zusammengesetzt werden. «Dann hast du sozusagen die Blaupause deines Films. Das ist ein toller Moment.» Dann ging es an die Umsetzung. Die Figuren zu den Stimmen sind erfunden. Morard hat ihnen ein Gesicht gegeben, einen Charakter eingeflösst. (Allein die Situation mit dem Mann, der seinen Traktor auftankt, die hat wirklich so stattgefunden. Die konnte man nicht besser erfinden.) Ein weiteres Highlight sei der Moment, wenn er die Figuren zum ersten Mal in bewegten Bildern sehe, wenns ans Handwerk gehe: «Also wenn ich animiere.» Morard hat bei diesem Projekt gleich mehrere Jobs gemacht, war in der Produktion und als Regisseur tätig. «Als Animationsregisseur bin ich eigentlich der mit der kreativen Mission. Ich muss vor dem inneren Auge schon sehen können, wie es am Ende aussehen kann.»

Fleur Budry

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Und was hältst du von der Kirche? Wie kommt Kirche bei dir an? Dieser Kurzfilm, der zum Jubiläumsjahr der Luzerner Landeskirchen 2020 entstanden ist, lässt Menschen zu Wort kommen, die wir auf der Strasse getroffen haben.

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und
Credits
Produziert von Team Tumult
Regie: Beni Morard
Konzept: Beni Morard / Fleur Budry
Interviews: Fleur Budry
Storyboard & Schnitt: Beni Morard
Design: Beni Morard, Nina Christen
Animation: Beni Morard, Frederic Siegel
Sounddesign & Mischung: Etienne Kompis

Was bedeutet Kirche den Menschen im Kanton Luzern? In einem Film, der zum 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen entstanden ist, sagen sie es gleich selbst.

«Für mich ist die Kirche so eine Art Dorfgemeinschaft», meint ein Mann zu Beginn. Sie finde es «mega toll», wie sich in der Kirche Leute ehrenamtlich engagierten, sagt später eine Frau. Und ein Bub erzählt begeistert vom Spielen in der Jubla.

«Kirche kommt an»: Unter diesem Motto feiern die katholische und reformierte Kirche im Kanton Luzern 2020 das 50-jährige Bestehen ihrer Anerkennung durch den Staat, zusammen mit der schon älteren christkatholischen Kirche. «Wir hören zu», versichern sie im Abspann des vierminütigen Animationsfilms. Dafür begab sich das Produktionsteam mit dem Mikrofon auf Strassen und Plätze von Luzerner Gemeinden und fragten Passantinnen und Passanten, was ihnen die Kirche bedeute. Deren Stimmen und die originalen Hintergrundgeräusche bilden den Tonteppich des Films, der ohne weitere Erklärungen auskommt. Auf diese Weise entsteht ein vielschichtiges Bild von Kirche, in dem auch kritische Aussagen Platz haben. So sagt eine Frau an einer Stelle, die Pfarreifeste jüngst hätten ihr zwar gutgetan. «Aber sonst finde ich Kirche ein bisschen langweilig.»

Auch mit einem Augenzwinkern

Was Kirche Menschen bedeutet: Dies will der Animationsfilm der Kirchen im Kanton Luzern aufzeigen – auch mit einem Augenzwinkern. Am Mittwoch dieser Woche (20. Mai 2020) hätte der Streifen an den Synodesessionen der katholischen und reformierten Kirche Premiere gefeiert. Das Corona-Virus hat diesen Plan durchkreuzt, auch die gemeinsame Feier der beiden Parlamente im Anschluss ans Geschäftliche. Stattdessen machen die Kirchen mit einer Postkartenaktion auf den Film aufmerksam. Die Premiere findet gleichentags statt – punkt 10 Uhr auf Facebook und Youtube. Auf dem letzteren Kanal ist er frei verfügbar.

Medienmitteilung vom Montag, 18. Mai 2020

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Der Ostergottesdienst wird aus der Luzerner Jesuitenkirche ausgestrahlt. Er wird von folgenden Personen gehalten:

  • P. Hans-Ruedi Kleiber, Leitender Priester des Pastoralraums Luzern (kath.)
  • Hans Weber, reformierter Pfarrer in Sempach
  • Sylvie von Arx Schmid, Lektorin in der christkatholischen Kirchgemeinde
https://vimeo.com/406292695

Der Spot:

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Die Feier am Karfreitag wurde aus der reformierten Kirche Weinbergli in Luzern ausgestrahlt und von folgenden Personen gehalten:

  • Markus Müller, Gemeindeleiter der Pfarrei Nebikon und Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche
  • Verena Sollberger, Pfarrerin der reformierten Kirche Stadt Luzern
  • Adrian Suter, Pfarrer der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern

Der Spot:

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Von Normalität kann gerade nicht die Rede sein. Vielleicht rückt sie aber durch die aktuelle Corona-Krise wieder in ganz andere Relationen. Solidarität ist wieder sichtbar, erlebbar. Sie ist notwendig: Wir sind aufeinander angewiesen. Apocalypse not now. Die Welt dreht sich weiter. Ostern findet statt. Alles ist anders. Ein Blick auf die Kirche in ausserordentlichen Zeiten.

Bei kirchlichen und seelsorgerischen Angeboten ist nun Umdenken gefragt. Social Distancing fordert heraus, was bisher selbstverständlich war. «Kirche findet anders statt», so Ulf Becker, Synodalrat der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern. «Und auch die Seelsorge findet anders statt. Viele Menschen verlassen ihre Wohnungen nur für das Allernötigste und die sozialen Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Viele können gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten. Das kann zu Vereinsamung, Spannungen, zu psychischem und finanziellem Druck führen. Auch die Sorge um die eigene Gesundheit und Angst vor der Zukunft belasten. Hier leisten die Kirchgemeinden wichtige Unterstützung mit der Möglichkeit eines vertraulichen Gespräches», meint Becker, der selbst Pfarrer in Reiden ist. «Auch Gottesdienste im Fernsehen oder im Internet spenden Lichtblicke und Trost. Sie können Halt geben, auch wenn wir uns nicht im selben Raum versammeln können. Das ist besonders in Krisenzeiten wichtig.»

Jetzt gehe es darum, andere Formen von Begegnung zu schaffen, «um Freude zu bereiten und Mut zu machen», sagt Andreas Wissmiller, Pfarreileiter in Willisau. Pfarreiseelsorgerin Christine Demel tut dies zum Beispiel mit Briefen an Betagte und Telefonanrufen zu ihnen. Er erlebe die Pfarrei-Mitarbeitenden hoch motiviert, aus der Lage das Beste herauszuholen, sagt Wissmiller. «Es braucht einfach Phantasie, Kreativität und viel Kommunikation.»

Von den positiven Beispielen einer «Seelsorge der anderen Art», wie sie nun überall im Kanton Luzern Form annehmen, darf man sich inspirieren lassen. Und vor allem: Die Kreativität hilft. Jetzt und direkt. Ob es der Mahlzeitendienst in Horw ist, der in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde, Leute vom Einkaufen entlastet und gleichzeitig das lokale Gewerbe unterstützt oder die simple Mutmachseite auf der Webseite des Pastoralraums Hürntal, die vielen Jugendlichen aus Pfadi und JuBla, die sich gerade in der Nachbarschaftshilfe engagieren – all diese Angebote leben vom gleichen Gedanken: Jetzt erst recht!

Ökumenische Fernsehgottesdienste an Ostern auf Tele 1

Die ausserordentliche Lage zum Schutz vor dem Coronavirus erstreckt sich über Ostern vom 12. April 2020 hinaus. «Am Karfreitag gedenken wir Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz. Der Ostersonntag ist mit der Auferstehung der bedeutendste Festtag im christlichen Feiertagskalender. Mit der Auferstehung an Ostern setzt Gott ein starkes Zeichen, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort behalten. Ostern eröffnet Hoffnung auf neues Leben», erklärt Ulf Becker.

Kirche kommt an. Dazu gehört auch, dass möglichst viele einen Zugang zu einem Gottesdienst erhalten, und dies auch ergänzend zum Internet. Aus diesem Grund strahlen die drei Landeskirchen im Kanton Luzern sowie das Bischofsvikariat St. Viktor des Bistums Basel an Karfreitag und am Ostersonntag je einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst im Fernsehen aus. Zu sehen am 10. und 12. April jeweils um 10 Uhr auf Tele 1.

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Licht der Verbundenheit

Die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche in der Schweiz setzen in Zeiten der Corona-Krise zusammen ein Zeichen der Verbundenheit, Gemeinschaft und Hoffnung. Bis Gründonnerstag werden im ganzen Land jeweils am Donnerstagabend um 20 Uhr die Kerzen auf den Fenstersimsen entzündet. Die Menschen sind zum gemeinsamen Gebet eingeladen.

Coronavirus: Seelsorge geht weiter (SRF Tagesschau vom 18.03.2020, 19.30 Uhr)

Die zwei grossen Luzerner Landeskirchen feiern 2020 das 50-jährige Bestehen gemeinsam. Die katholische und die reformierte Synodalratspräsidentin, Renata Asal-Steger und Ursula Stämmer-Horst, über die verbindende«Boot-Schaft» der beiden Kirchen.

Die katholische und reformierte Kirche des Kantons Luzern feiern 2020 ihr 50-jähriges Bestehen als Landeskirche. Was ist an dieser Errungenschaft heute noch wichtig?

Ursula Stämmer-Horst: Wir feiern die Anerkennung der katholischen und evangelischen Kirche als Landeskirchen. Die christkatholische Kirche wurde schon viel früher anerkannt, als sie im Kanton Luzern Fuss fasste, feiert aber auch mit uns. Diese Errungenschaft ist bedeutsam, da es in Luzern lediglich drei Kirchen gibt, die als Landeskirchen anerkannt sind. Die Anerkennung bringt unter anderem mit sich, dass wir Steuern einziehen dürfen und unsere Verfassung vom Kanton anerkannt wird.

Renata Asal-Steger: Für die katholische Landeskirche gibt es noch einen weiteren Punkt hervorzuheben. Wir haben eine duale Struktur und damit zwei Führungslinien, die pastorale und die staatskirchenrechtliche.  Die Anerkennung als Landeskirche bedeutet für uns, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen, also auch wir als «Laien», auf der behördlichen Seite, in diese Verantwortung eingebunden sind.  

Was möchten Sie mit dem Bild «gemeinsam in einem Boot» zum Ausdruck bringen?

Renata Asal-Steger: Das Boot ist ein urchristliches Symbol, das sich im Alten und Neuen Testament wiederfindet. Wir haben uns für ein Ruderboot entschieden, weil es nicht nur Schutz bietet und ein Verkehrsmittel ist, sondern auch die eigenen Kräfte eingesetzt werden müssen, um vorwärts zu kommen. Man kann sich zudem die Frage stellen, wohin die Reise geht und ob unterwegs Stürme auftreten könnten. Zudem nutzen wir ein gebrauchtes Boot, das wir restauriert haben.  Auch das ist ein Symbol für unsere Kirche, die immer wieder erneuert werden muss, die auch Makel und Risse hat.

Ursula Stämmer-Horst: Wir suchten lange nach einem Symbol, das bei allen Beteiligten ankommt. Es gab verschiedene Ideen, über die wir uneins waren. Wir einigten uns auf den gemeinsamen Slogan «Kirche kommt an». Dieser Slogan brachte uns zu einem Boot, das als Logo wunderbar dazu passt. Im Laufe des nächsten Jahres verwenden wir ein richtiges Ruderboot, das an vielen Veranstaltungen eingesetzt wird, begleitet von «Boot-Schafterinnen», «Boot-Schaftern» und deren Geschichten. 

Welche Feierlichkeiten sind geplant, mit welchem Ziel?

Ursula Stämmer-Horst: Wir möchten zum einen Menschen über unsere Mitglieder hinaus erreichen. Zum anderen ist es ein Prozess der Annäherung und eine Auseinandersetzung unserer zwei Kirchen. Wir haben den gleichen Auftrag, die Nachfolge Jesus Christi. Es geht um die Einheit der Christen. Nur wenn wir näher zusammenrücken, geht dieser Prozess weiter.

Renata Asal-Steger: Im Frühling veranstalten wir die Synode am selben Tag, es gibt ein gemeinsames Mitarbeiterfest, wir beteiligen uns erstmals an der «Langen Nacht der Kirchen» und zwar gleich mit mehr als 100 Pfarreien, Kirchgemeinden und Organisationen. Am Buss- und Bettag im September laden wir gemeinsam mit dem Kanton zu einer öffentlichen Feier in Willisau ein.

Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden.

Ursula Stämmer-Horst, reformierte Synodalratspräsidentin

Versuchen Sie die Gemeinsamkeiten oder die Gegensätze zwischen den zwei Landeskirchen hervorzuheben?

Renata Asal-Steger: Es ist wichtig, dass wir die Kräfte bündeln. Wir arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander. Wir haben die gleiche Botschaft, das Evangelium. Ein Gegeneinander würde dieser Botschaft widersprechen. Wir haben gemeinsame Kommissionen, regelmässige Kontakttreffen, sind gemeinsam Trägerinnen von Institutionen. Und auch vor Ort funktioniert die ökumenische Zusammenarbeit sehr gut. Nur mit vereinten Kräften kann man etwas bewirken. 

Ursula Stämmer-Horst: Wir sind eine Familie. Auch wenn wir Reformierten finanziell und personell nicht so gut aufgestellt sind, wie die Katholiken. Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden, wie im Falle der Gassenküche, bei der Notfall- oder Hochschulseelsorge, oder dem Hospiz in Littau. Die Zusammenarbeit mit den Katholiken gibt uns die Chance, dass wir Wirkung erzielen können.

Es heisst, die Ökumene im Kanton Luzern sei einzigartig in der Schweiz. Ist sie das?

Ursula Stämmer-Horst: Im Kanton Luzern gibt es eine lange Tradition der Ökumene. Sie funktioniert bis weit ins Entlebuch hinein. Sie ist akzeptiert und erwünscht von allen.

Renata Asal-Steger: Ich glaube man kann durchaus sagen, dass wir im Kanton Luzern ökumenisch beispielhaft unterwegs sind.

Was sind Ihre frühen, ganz persönlichen Erlebnisse mit «den anderen»?

Renata Asal-Steger: Ich bin sehr ländlich in einem katholischen Dorf aufgewachsen. Dort gab fast es nur Katholikinnen und Katholiken. Eine einzige Schulkollegin war reformiert. Das Miteinander von Reformierten und Katholiken erlebte und erlebe ich immer als sehr respektvoll. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin in einem ökumenisch geprägten Haus aufgewachsen. Als wir Kinder waren, haben wir uns gegenseitig angestachelt. Wir haben uns spasseshalber Übernamen nachgerufen, wir Protestanten waren die Brotwürst. Wir wollten immer beichten gehen, wurden in der Kirche und nicht wie die anderen im Schulhaus unterrichtet.

Ich vernehme wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein. 

Renata Asal-Steger, katholische Synodalratspräsidentin

Ist die Erwartungshaltung gegenüber der kirchlichen Arbeit gestiegen?

Ursula Stämmer-Horst: Nicht nur die Erwartungshaltung der Gläubigen ist gestiegen, vielmehr auch jene des Staates. In der Asylarbeit etwa, die der Kanton Luzern übernommen hat, muss sich die Kirche vermehrt abgrenzen. Wir wollen helfen, können aber aus finanziellen und Ressourcen Gründen nur subsidiär tätig werden.

Renata Asal-Steger: Von den Kirchen wird heute vor allem glaubwürdiges Handeln erwartet. Sie sollen da sein für die Menschen,  die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und sie sollen sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren. Auch vernehme ich immer wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein.   

Wie stehen Sie zur Stellung der Frau in der katholischen Kirche?

Renata Asal-Steger: Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in der katholischen Kirche schmerzt mich. Es ist stossend, dass die katholische Kirche sich nach aussen für die gleiche Würde von Frau und Mann einsetzt, diese aber nach innen nicht verwirklicht. Gleichzeitig spüre ich, dass die katholische Kirche meine religiöse Heimat ist. Deshalb setze mich in unserer Kirche beherzt und beharrlich ein, dass sich in der Frauenfrage etwas verändert. Ich weiss, dass mit diesem Anliegen bereits viele andere, auch zahlreiche Männer, schon länger unterwegs sind. Und ich weiss auch und kann verstehen, dass viele resigniert haben und müde geworden sind. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin sehr froh, in eine protestantische Familie geboren worden zu sein. Und verstehen Sie das bitte nicht falsch. Ich ärgere mich einfach darüber, dass es so viele engagierte Frauen bei den Katholiken gibt, deren Potential nicht genutzt wird. Gleichzeitig muss man relativieren. Es hat auch bei uns Protestanten sehr lange gedauert, bis erstmals eine Frau als Pfarrerin anerkannt wurde.

Wie sieht die Zukunft der Landeskirchen aus?

Ursula Stämmer-Horst: Wir werden weniger Mitglieder zählen, kleiner sein und daher mehr zusammenarbeiten müssen. Die Zukunft der Kirche liegt für mich klar in der Seelsorge. Die Kirche muss Möglichkeiten bieten für Begegnungen. Der Dialog mit den Menschen ist wichtig. Ich werde häufig von Menschen auf meine Tätigkeit in der Kirche angesprochen und ich nehme diese Chance immer gerne wahr.

Renata Asal-Steger: Eine Herausforderung heute ist die geringere Verbundenheit der Menschen mit der Kirche. Die Kirche muss hörbar, spürbar, sichtbar werden. Sie muss an den Brennpunkten des Lebens präsent sein, sich mit dem auseinandersetzen, was die Menschen beschäftigt. Wir müssen raus gehen, die Menschen müssen uns spüren. Die Kirchen sind heute nach wie vor wichtig, gerade auch für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt.

Interview: Carmen Schirm

Teilen Sie diesen Beitrag auf   und

Hauptanlass «Lange Nacht der Kirchen»


«Kirche kommt an» heisst das Motto, unter dem die katholische und reformierte Landeskirche im Kanton Luzern 2020 gemeinsam das 50-jährige Bestehen feiern. Bild dafür ist ein Boot, das in Kirchgemeinden und Pfarreien sowie in sozialen Einrichtungen anlegt, die von den Kirchen mitgetragen werden. Dort erzählen Menschen, was ihnen die Kirche bedeutet, wie diese bei ihnen ankommt. Ihre Geschichten erzählen sie auf www.kirche-kommt-an.ch, in den kirchlichen und weiteren Medien.
Hauptanlass für die Bevölkerung im Jubiläumsjahr ist die Lange Nacht der Kirchen am 5. Juni. Der Kanton Luzern nimmt erstmals daran teil – und gleich mit über 100 Mitmachenden. Am Bettag, am 20. September, laden die Kirchen gemeinsam mit dem Kanton nach Willisau zu einer gemeinsamen Feier ein.

Weitere Termine

  • 20. Mai: Premiere des Kurzfilms «Kirche kommt an» an den jeweiligen Synoden, im Anschluss gemeinsame Feier der beiden Kirchen­parlamente
  • 28. August: gemeinsames Fest der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter