Mit 30 Jahren wurde Aline Mumbauer im September des vergangenen Jahres die jüngste Gemeindeleiterin im Bistum. In Konolfingen nennen sie manche auch mal «Frau Pfarrer». Die Luzernerin aus Sempach erlebt die Kirche in der weitläufigen Pfarrei bisweilen «wie ein Labor».

Seelsorgerin werden? Religionsunterricht erteilen? Jemanden beerdigen? Das war alles nicht ihr Plan. Auf die Theologie kam Aline Mumbauer – Bachmann hiess sie bis zu ihrer Heirat im Dezember –, weil das Gemeindeleiterpaar ihrer Heimatpfarrei sie dazu ermuntert hatte. Die damals 18-jährige Maturandin stieg ein und war begeistert davon, ihre Gottesbeziehung, die sie schon immer gehabt habe, im Studium zu hinterfragen. «Aber ich war bis zum Schluss nicht sicher, ob ich in den kirchlichen Dienst will.» Kann und will ich das, was ich in mir selbst spüre, auch mit so vielen anderen Menschen teilen, fragte sich die junge Frau. Und predigen? «Da exponiert man sich ja enorm. Wie weiss ich, ob mit dem, was ich sage, auch jene, die mir zuhören, etwas anfangen können?»

Glaubwürdig sein

Inzwischen hat Aline Mumbauer erfahren: Ihr Tun muss nicht allen gefallen, sondern glaubwürdig sein. «Ich kann nur davon erzählen, wie ich Gott erlebe, welches mein Weg ist. Das spricht vielleicht jemanden an.» Anfang November etwa führte sie dieser Weg zu den acht Familien ihrer Pfarrei, in denen während des Jahres jemand verstorben war. Weil Corona eine gemeinsame Gedenkfeier verunmöglicht hatte, brachte sie den Angehörigen ein Kerzengesteck nach Hause. Konolfingen ist eine weitläufige Kirchgemeinde, Mumbauer war einen Tag lang mit dem Auto unterwegs, sie hatte sich nirgendwo angemeldet, «ich läutete einfach und sagte, ich sei die neue Gemeindeleiterin». In mancher Stube sass sie schliesslich eine Stunde lang, erzählt sie, «wir haben geredet und gelacht und geweint zusammen».

Aline Mumbauer strahlt. Und sagt: «Ich habe den schönsten und erfüllendsten Beruf, den ich mir vorstellen kann.»

Dabei war der Weg, der die junge Luzernerin vor fünf Jahren in die Berner Diaspora führte, nicht gradlinig. Aline Mumbauer wuchs in Sempach mit drei Geschwistern auf; da waren die befreundeten Kinder des Gemeindeleiterpaars und war das Pfarrhaus offen, Aline wurde Ministrantin, Mini-Leiterin, machte da und dort und überall in der Pfarrei mit, «eine wunderbare Kindheit», blickt sie zurück.  «Aber ich nahm natürlich auch die Schattenseiten des pastoralen Dienstes wahr. Wie schwierig es oft ist, Familie und Beruf zu vereinen.»

Frohe Botschaft verkünden statt Pixel verschieben

Mumbauer schrieb sich deshalb nicht als Bistumsstudentin an der Uni ein. Und sie schlug nach dem Theologie-Master erst eine andere Richtung ein und dockte als Praktikantin bei einem IT-Unternehmen an, wo sie unter anderem E-Learnings für eine Grossbank gestaltete. Doch nicht lange: «Eines Tag meinte meine Chefin, dieser Pfeil da auf Folie sowieso sei zwar richtig platziert, aber ich solle ihn doch noch um ein drei Pixel verschieben.» Mumbauer lacht: «Das war wie eine Gottesbegegnung. Der Moment, in dem ich gewahr wurde: Ich schiebe da Pixel herum und könnte stattdessen mit Leuten unterwegs sein und von der frohen Botschaft erzählen!»

Ab da ging es ohne Umwege weiter. Aline Mumbauer meldete sich beim Bistum und wurde in die Pfarrei Ostermundigen geschickt. Sie solle als Kontrast doch in die Diaspora, befand man in Solothurn. Mumbauer willigte gerne ein und blieb hängen: Den zwei Vorjahren, die sie zwischenschalten musste, weil ihr die Vorkenntnisse als Bistumstudentin fehlten, folgten in der gleichen Pfarrei die zwei «richtigen» Jahre der Berufseinführung.

Nach dieser gleich eine Pfarrei zu übernehmen, ist nicht üblich. Doch Mumbauer wollte in der Region bleiben, weil ihr Mann in Bern in der Ausbildung steckt und ergriff die Gelegenheit, als ihr die offene Stelle in Konolfingen angeboten wurde. «Eine Chance, viele neue Erfahrungen zu sammeln», sagte sie sich.

© 2021 Pia Neuenschwander

Teamsitzung mit sich selber

Was sich seit dem Stellenantritt im September bewahrheitet. Ihre Aufgabe sei «sehr intensiv, aber auch sehr vielfältig», sagt Aline Mumbauer. Will heissen: Gottesdienst, Religionsunterricht, Trauerfeier, Krankenbesuch, Pfarrhaus-Umbau – die Ansprechperson heisst immer Aline Mumbauer. Zwar arbeiten «supertolle Leute» – zwei Katechetinnen, zwei Organisten, eine Sakristanin und zwei Aushilfen und eine Sekretärin in der Pfarrei mit, «aber Teamsitzungen führe ich mehr oder weniger mit mir selbst», schmunzelt Mumbauer. Um sogleich nachzuschieben: «Aber das ist alles sehr schön. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr verausgabe und bloss von einer dringenden Pendenz zur nächsten renne.»

Es gibt also einerseits viele Verpflichtungen, anderseits auch viel Freiheit. Katholisch-Konolfingen zählt etwa 2100 Mitglieder, die sich aber auf 20 politische Gemeinden verteilen. Wer am Sonntag z Chele will, und das sind jeweils bloss um die 15 bis 20 Personen, muss sich ins Auto setzen. Für Aline Mumbauer eine «extrem spannende» Ausgangslage, die sie «wie ein Labor» erlebt, in dem man «in die Zukunft der Kirche» schauen könne – mit kleinen Zentren, die Gläubigen weit herum verstreut.

Dazu passt vielleicht, dass manche Aline Mumbauer auch mal «Frau Pfarrer» sagen. Selbige schmunzelt, sie sähe sich – «warum nicht» – durchaus als Diakonin, wenn das denn kirchenrechtlich möglich wäre. Diesbezüglich hält sich Mumbauer allerdings zurück. Nicht dass ihr Gleichstellung in der Kirche egal wäre – mitnichten. «Aber ich mag mich nicht zu sehr an kirchenpolitischen Fragen aufreiben», sagt sie, sie wolle darob nicht verbittern, «und wie soll da noch ein Funke springen, wenn man keine Freude ausstrahlt?»

Aline Mumbauer steckt ihre Energie also lieber in die Suche danach, wie denn mit Menschen von heute überhaupt noch über Glaube und Spiritualität ins Gespräch zu kommen ist. Für sich selbst erfahren zu haben, dass Gott den Menschen «so nahe ist, wie er es immer schon war», erachte sie als «Privileg», sagt Mumbauer. Die steigende Anzahl Kirchenaustritte hingegen liessen sie «in manchen Momenten auch leiden».

Den Heiligen Geist durch die Kirche fegen lassen

Die junge Gemeindeleiterin macht sich nichts vor: Die Kirche schrumpft. Doch in das nach ihrer Erfahrung «ein wenig verbreitete kirchliche Jammern, alles sei so schwierig», mag sie nicht einstimmen. Anderseits: Womöglich gehört das mit zum Programm. «Wenn ich mir vorstelle, dass der Heilige Geist durch die Kirche fegt und gleichzeitig weiss, dass er mit uns ist, denke ich: Der will uns doch etwas zeigen. Wir haben uns bloss noch nicht wachrütteln lassen».

Dominik Thali

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Der Samichlaus ist dieses Jahr im Dilemma: Hausbesuche gefährden die Gesundheit, Absagen enttäuschen die Kinder. Samichlaus-Vereine reagieren darauf mit viel Kreativität, wie einige Nachfragen zeigen.

«Wie viele andere, wird auch der Samichlaus dieses Jahr im Home-Office tätig sein.» Mit diesen Worten richtet sich die Samichlaus-Gruppe Inwil auf der Website an Familien – und lädt diese erstmals zu sich in ein spezielles Häuschen im Wald ein. «Das Häuschen wird für diesen Anlass durch die Mitglieder gebaut. Es ist vorne offen, so kann auch der Abstand eingehalten», erklärt Vereinspräsidentin Anita Bucher. «Da der Platz bei der Bevölkerung bekannt ist, wird der Samichlaus erzählen, dass er nicht hier wohnt.»
Nicht im Wald, aber in der Kirche können Familien aus Kriens den Samichlaus treffen. «Kriens hat drei Kirchen, in die wir je 50 Personen einladen können», sagt Stefan Huber im Namen des Samichlaus der Krienser Pfarreien. Je nach Anzahl Anmeldungen würden drei bis vier solcher Treffen stattfinden. Gleiches gilt für den Samichlaus von Eschenbach, der «aufgrund seines hohen Alters zur Risikogruppe zählt und als gutes Beispiel voran gehen möchte», heisst es auf der Website des Vereins.

Hausbesuch virtuell

Sehr modern zeigt sich der Samichlaus in Römerswil: Hier kommt er virtuell in den Familien vorbei, und zwar per Video-Anruf via Whatsapp. «Uns ist es wichtig, dass die Kinder den Samichlaus sehen können», erklärt Thomas Stocker, Aktuar der Chlausgroppe Römerswil. Familien würden sich mit dem üblichen Formular anmelden, Lob und allfälligen Tadel festhalten sowie eine Whatsapp-Handynummer angeben.

Chlaussack inbegriffen

«Zum abgemachten Zeitpunkt ruft der Samichlaus auf diese Nummer an», so Stocker. Natürlich sei ein Smartphone-Bildschirm relativ klein, «aber es soll nicht zu kompliziert sein». Whatsapp sei derzeit wohl das am meisten genutzte Kommunikationsmittel. Was aber wäre ein Samichlaus-Besuch ohne Nüssli, Mandarindli und Schokolade? Auch dafür hat sich der Samichlaus von Römerswil etwas einfallen lassen. Dank ausgeklügelter Logistik und der Unterstützung von zwei Gehilfen wird der Chlaus dafür sorgen, dass die Kinder auch auf den traditionellen Chlaus-Sack nicht verzichten müssen…

Brauch passt derzeit nicht

Ein solch virtueller Besuch kommt in Hochdorf nicht in Frage: «Der Brauch soll so leben, wie er ist. Er passt im Moment nicht in die Corona-Zeit», sagt Beat Moscatelli, Präsident des Samichlaus-Vereins Hochdorf. Für sie habe die Gesundheit oberste Priorität. «Wir wollen unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen und nichts Negatives verbreiten», so Moscatelli. Aus diesem Grund wird auf Hausbesuche verzichtet. Den Kindern würden aber Geschichten und Ausmalvorlagen zugeschickt.

Nicht auf Hausbesuche verzichten wollen die Samichläuse der Gallizunft Kriens und der Götschizunft Hildisrieden. Hier gelten Schutzkonzepte, Händedesinfektion und Abstandsregeln. Falls die Corona-Massnahmen noch strenger werden, sei die Abgabe von Chlaussäckli zum Beispiel im Milchkasten denkbar, teilt Marco Schertenleib von der Gallizunft mit. Denn wichtig sei, «dass die Kinder ihr Chlaussäckli bekommen!»

Sylvia Stam

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Und was hältst du von der Kirche? Wie kommt Kirche bei dir an? Dieser Kurzfilm, der zum Jubiläumsjahr der Luzerner Landeskirchen 2020 entstanden ist, lässt Menschen zu Wort kommen, die wir auf der Strasse getroffen haben.

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Credits
Produziert von Team Tumult
Regie: Beni Morard
Konzept: Beni Morard / Fleur Budry
Interviews: Fleur Budry
Storyboard & Schnitt: Beni Morard
Design: Beni Morard, Nina Christen
Animation: Beni Morard, Frederic Siegel
Sounddesign & Mischung: Etienne Kompis

Die Organisation Notfallseelsorge/Care Team ist wie ein Rettungsboot. Seine Besatzung kann das Schlimme nicht ungeschehen machen. Aber da sein, zuhören. Gedanken und Gefühle ordnen. Lebenshilfe im oft löchrigen sozialen Netzwerk der Menschen, von den Kirchen mitgetragen.

«Manchmal ist weniger mehr», sagt Care Giverin Alexandra Felder und erzählt von einer Familie, zu der sie nach einem Suizid gerufen wurde. Als jemand den Abschiedsbrief des verstorbenen Mannes verlas, wollten sie und ihre Teamkollegin sich zurückziehen: Das war ihnen zu persönlich. Doch die Frau bat darum, zu bleiben. Als Felder sie einige Zeit später zufällig traf, dankte die Frau ihr – für das Dasein, fürs Zuhören. «Sie sagte mir, sie habe ihre Familie in dem Moment nicht ertragen, sie sei ihr zu nahe gewesen», erzählt Felder.

«Wahrnehmen, was gerade wichtig ist»

Alexandra Felder hat einen medizinischen Beruf erlernt und ist heute als Radioreporterin tätig. Seit sieben Jahren gehört sie der Organisation Notfallseelsorge/Care Team im Kanton Luzern an und rückt aus, wenn Menschen in Not Hilfe brauchen – bei plötzlichen Todesfällen, bei Unfällen oder Naturereignissen, beim Überbringen einer Todesnachricht; 2019 war das 90 Mal der Fall. «Wahrnehmen, was dann gerade wichtig ist, nach dem Bedürfnis fragen, nicht selbst wissen wollen, was gut täte: das ist der Schlüssel», sagt Christoph Beeler. Er leitet die Notfallseelsorge seit gut fünf Jahren, ein Team von derzeit 37 Mitarbeitenden. Beeler, einer der nur sechs Seelsorgenden darunter, leitet beruflich den Pastoralraum Oberseetal. Wichtig auch: «Man darf selbst zwar betroffen sein, sich aber nicht beteiligen lassen», sagt Brigitte Dubacher, pensionierte Polizistin und seit der Gründung im Team. Es brauche Distanz, um handlungsfähig zu bleiben.

Notfallseelsorgende und Care Givers helfen den Betroffenen, ihre Gefühle und Gedanken zu ordnen und zeigen ihnen auf, wo sie weitere Hilfe holen können. Längstens nach vier Stunden sind sie wieder weg. «Wir sind immer nur ein Provisorium und niemals Teil der Schicksalsgemeinschaft», betont Beeler. Er stellt aber zunehmend fest, dass Betroffene kaum ein soziales Netzwerk und niemanden haben, der sie in der Not auffangen könnte. Die Notfallseelsorge erhält auch Aufgebote, die keine eigentlichen Care-Einsätze sind und früher von den ortsansässigen Pfarrämtern übernommen wurden. Die kirchliche Verbundenheit schwindet.

Die Wirklichkeit hilft, zu verstehen

Die Notfallseelsorge füllt deshalb eine wichtige und grösser werdende Lücke. Care Giverin Nicole Blättler stellt das zum Beispiel fest, wenn es darum geht, sich von einer verstorbenen Person zu verabschieden. «Dies ist einerseits ein grosses Bedürfnis, anderseits fürchten sich manche Angehörige vor dem Anblick, wenn etwa jemand verunfallt ist.» Hier gehe es darum herauszuspüren, was zumutbar sei. «Das letzte Bild», wie Blättler sagt, sei wichtig für die Verarbeitung; die Wirklichkeit helfe zu verstehen. Als Pflegefachfrau und Bestatterin hat Blättler viel Erfahrung damit.

Glaube und Religion stünden in der Notfallseelsorge nicht im Vordergrund; «wir leisten notfallpsychologische, nicht spirituelle Hilfe», sagt Christoph Beeler. Die Kirche als Mitträgerin ist für ihn in dieser Aufgabe eine Organisation, die Hilfe leistet in der Gesellschaft, ohne Mission und Zwang. Seelsorgerin, Seelsorger sei im übrigen jeder, der sich der christlichen Botschaft einigermassen nahe fühle. Den barmherzigen Samariter aus der Bibel nennt er als Beispiel dafür.

Dominik Thali

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Kirchen und Staat in gemeinsamer Verantwortung


Die ökumenische Notfallseelsorge besteht seit 2002; 2012 schloss sie sich mit dem Care Team Zentralschweiz zur Organisation Notfallseelsorge/Care Team Luzern zusammen. Sie zählt rund 40 Mitarbeitende, wovon sechs kirchliche Mitarbeitende sind. Notfalleseelsorgende und Care Givers sind über ihre Arbeitgeber entschädigt, die Erwerbsausfall-Entschädigung (EO) erhalten. Geleitet wird die Organisation von Christoph Beeler, Pastoralraumleiter im Oberseetal, und Thomas Seitz (Luzern).
Die Organisation Notfallseelsorge/Careteam wird gemeinsam getragen von den drei Luzerner Landeskirchen und dem Kanton. Im Notfall wird sie vom Rettungsdienst 144, der Polizei oder Feuerwehr aufgeboten.

«TheaterFlucht» ist ein spielerisches Inklusionsprojekt, das Kinder aus Migrationsfamilien und Schweizer Kinder zusammen auf die Bühne bringt. Es ist eines von mehreren Projekten von «Trau fremdem», einer Idee, mit der die beiden Landeskirchen Themen rund um Flucht, Migration, Asyl, Fremdsein usw. den Menschen im Kanton Luzern näher bringen und so dazu beitragen wollen, dass die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund als Bereicherung für das Zusammenleben stattfinden kann.

In den Herbstferien dieses Jahres wurde «TheaterFlucht» zum achten Mal in Luzern durchgeführt. Das Thema diesmal: Suchen und finden. Suchen mussten die 25 Kinder und die internationalen Freiwilligen des SCI (Service Civil International) Schweiz nicht lange. Sie fanden schon am ersten Tag der Projektwoche eine gemeinsame Sprache, auch wenn es keine verbale war. So wurde eine Woche lang getanzt, gesungen, musiziert, gemalt und gelacht. Es wurde mit Kartonkisten experimentiert und Geschichten erzählt. So entstand eine szenische Arbeit, welche die Kinder selbst entwickelten und Ende der Woche einem Publikum zeigten. Es entstanden aber auch Freundschaften zwischen Kindern, diesich sonst wohl nicht begegnet wären. «TheaterFlucht» ist ein spielerisches Inklusionsprojekt, das nicht auf Worte angewiesen ist. In dem Kinder suchen, forschen, sich ausprobieren dürfen und dadurch Gemeinsamkeiten finden.

«TheaterFlucht» wird an verschiedenen Orten in der Schweiz auf unterschiedliche Art und Weise durchgeführt. Die Reformierte Kirche Kanton Luzern hat das Projekt in der Stadt Luzern mitinitiiert und unterstützt es auch finanziell.

Anna Gallati, Projektleiterin, und Oliver Merz, Leiter Fachstelle OeME der ref. Landeskirche

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So verbindet Kirche Menschen: Am Fest der Nationen in Nebikon erfüllte ein vielfarbiges Stimmengewirr den Kirchplatz, begleitet von Essensdüften aus aller Welt. Das Dorf begab sich am Sonntag (18. August 2019) zum zweiten Mal «Mit dem Gaumen auf Kulturreise».

«Wir haben verschiedene Religionen, und trotzdem seid ihr heute alle hier», begrüsst Pfarreileiter Markus Müller die Kirchenbesucherinnen und -besucher. Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr – wie gewöhnlich. Doch heute ist alles etwas anders, bunter und lauter: Nebikerinnen und Nebiker mit albanischer, russischer oder schweizerischer Abstammung treffen sich zur interreligiösen Wortfeier. Klein und Gross, Jung und Alt – sie alle haben in den hölzernen Kirchbänken Platz gefunden. Tragen ihre Wünsche und Hoffnungen in sieben verschiedenen Sprachen vor Gott. Lachen, singen, klatschen und basteln. Die Kinder kleben mit Hilfe einiger Jublaleiterinnen selbstgemalte Stoffstücke zu einem grossen Tuch zusammen, das nun den Altar schmückt. Ein kunstvolles Ganzes aus vielen kleinen Teilen, symbolisch für den Anlass selbst: «Es ist genauso vielfarbig und bunt wie unsere Gemeinschaft», meint Markus Müller.

Bananenbällchen und Pfannkuchen aus Russland

Die Feierlichkeiten werden anschliessend nach draussen verschoben, auf den Kirchplatz unter der Linde. Dort spendet der grosse Baum willkommenen Schatten, während zehn Essensstände mit verführerischen Düften locken. «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» heisst das grosse Fest der Nationen. Da gibt es Frühlingsrollen, frittierte Bananenbällchen und Chügelipastetli zu probieren. Dem siebenjährigen Andrin haben es die russischen Pfannkuchen besonders angetan: Bereits zum dritten Mal wartet er mit seinem Vater auf Nachschlag. «Als Familie schätzen wir das Engagement für solche Feste sehr», meint Lukas Koller.

«So macht Kirche Freude»

Worte wie diese freuen OK-Mitglied und Pfarreirätin Ursula Grob. Vor zwei Jahren rief der Pfarreirat das Fest der Nationen ins Leben. «Wir wollten die Kirche raus- und die Leute in die Kirche bringen», erklärt Ursula Grob. Die Mission scheint geglückt: «So macht Kirche Freude», bekam das Organisationsteam häufig zu hören. Heute ist «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» ein gemeinschaftliches Projekt mit dem Elternrat, der Kontaktnetzgruppe und der Jubla Nebikon. Ein wahrer Genuss, findet Ursula Grob: «Unglaublich viele Menschen helfen motiviert mit.»

Eine dieser Helferinnen ist Maria Dias. Vor 29 Jahren kam sie von Portugal in die Schweiz – ohne Deutschkenntnisse oder Ansprechpersonen. Doch Maria Dias besuchte einen Deutschkurs, suchte den Kontakt. Mittlerweile ist sie Mitglied des Pfarreirats und gestaltet den Nebiker Kirchenalltag aktiv mit. «Das Zusammensein und der Austausch im Rat tun mir gut. Hier fühle ich mich zuhause.» Ihr altes Zuhause teilt Maria Dias am Fest der Nationen mit anderen; mithilfe von guten Worten, viel Lachen und köstlichen Kokosküchlein.

«Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf»

Während die älteren Generationen noch beim Dessert sitzen, vergnügen sich die Jüngeren beim Königsschach oder Frisbee-Spielen mit den Leiterinnen und Leitern der Jubla Nebikon. Diese haben bereits die Essensstände fürs Fest aufgestellt und helfen nun bei der Kinderbetreuung. «Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf», meint Scharleiter Reto Burri: «Da sind wir gerne mit dabei.» Dann wendet er sich wieder dem Königsschach zu. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut, der Hunger gestillt; vor dem Aufräumen liegt bestimmt noch die eine oder andere Partie drin.

Anna Mirjam Graf

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