In der Gruppe «Mein Weg» verbringen junge Menschen mit und ohne Behinderung Zeit miteinander. Sie teilen ihren Alltag, sie kochen zusammen, sie feiern. Die Gruppe, getragen von der katholischen und reformierten Landeskirche, besteht seit zehn Jahren.

Um die 20 Namen stehen auf der Adressliste von «Mein Weg», etwa die Hälfte traf sich am Freitag Abend (4. September) auf der Terrasse der katholischen Landeskirche, um das Jubiläum zu feiern. Mit dabei auch Max Scheitlin (29), der 2008 in einem Gespräch mit dem damaligen Behindertenseelsorger Gregor Gander den Wunsch geäussert hatte, eine Jugendgruppe von Menschen mit und ohne Behinderung zu bilden. Die Idee nahm Gestalt an, und am 5. Mai 2010 fand das erste Treffen statt. Seither ist «Mein Weg» für viele Jugendliche ein wichtiger Freundeskreis.

«Ein unkompliziertes Miteinander»

«Es geht um einen Austausch und die Darstellung seiner grossen sowie kleinen Wünsche, Ziele und Lebensträume – um eine Vision ihres Lebens», schrieb der Max Scheitlin damals in einer Medienmitteilung. Hans Sutter, reformierter Sozialdiakon im Ruhestand, spricht heute von einem «unkomplizierten Miteinander». Er leitet die Gruppe mit Heidi Bühlmann von der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche. Seit 2010 fanden rund 50 Treffen statt. Es gab schon Filmabende, Spielen und Kochen sind beliebt, viele Treffen richten sich nach den Jahreszeiten und Kirchenfesten, Religion und Glaube spielen immer wieder eine Rolle. «Wir machen alles gerne», hatte Brigitte Kunz im Mai 2019 in einem «Kirchenschiff»-Beitrag erklärt; am Jubiläumsabend ist sie mit ihrem Partner Gilbert Löhle wiederum dabei. Wichtig sei ihr, bei «Mein Weg» Freundinnen und Freunde zu treffen, die sie nicht oft sehe, und über Themen in den Austausch zu kommen, die nicht alltäglich seien.

Sandra Dietschi, welche «Mein Weg» von 2015 bis 2019 mitgeleitet hatte, erinnert sich an «berührende Gespräche», die sie oft erlebt hat: «Ihr lasst uns Anteil nehmen an euren Geschichten, das ist nicht selbstverständlich», dankte sie am Jubiläumsabend den Anwesenden. In der Gruppe «Mein Weg» werde nicht nur von Inklusion gesprochen, «hier wird sie gelebt», hatte Dietschi schon im erwähnten «Kirchenschiff»-Artikel betont.

Bisherige Leitungspersonen: auf katholischer Seite Gregor Gander (2010–2015), Sandra Dietschi (2015–2019) und Heidi Bühlmann (seit 2019), auf reformierter Seite Stefan Sägesser (2013–2015), Hans Sutter (seit 2015)

KONTAKT: Heidi Bühlmann, Behindertenseelsorge der kath. Landeskirche, 041 419 48 43, heidi.buehlmann@lukath.ch

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Am 20. Mai war Premiere. Der Animationsfilm «Kirche kommt an» ging mit Erfolg an die Öffentlichkeit und sorgte nach all den Terminabsagen für ein bisschen Jubiläumsstimmung. Was hinter dem Projekt steckt und welches die Highlights eines Animationsregisseurs sind, das verrät der Rückblick auf den künstlerischen Prozess.

Klar war, dass es einen Film geben wird. Wie dieser aussehen und was darin eigentlich passieren sollte, war offen. Verschiedene Ideen und Vorstellungen kursierten, alles nur sehr vage. Klar war aber auch, mit wem der Auftrag realisiert wird: Team Tumult, ein Animationskünstler*innen-Kollektiv aus Zürich, sagte Ja zum Projekt. Es folgte ein erstes Treffen. Ein paar Gedanken. Austausch. Ja, gut, so fahren wir weiter, ein Zeitplan wurde erstellt. Da war es noch Sommer 2019. Am 20. Mai 2020 sollte der Film Premiere feiern, am Treffen der beiden Synoden zum 50-Jahre-Jubiläum der beiden Landeskirchen. Heute wissen wir, dass alles anders kam.

Ein Plädoyer für Umwege

War der Film ein Experiment? Ja, aber Beni Morard von Team Tumult sieht das nicht als Problem. «Es ist ja bei jedem Film anders.» Es gebe natürlich immer gewisse Schemata, an die man sich halten könne. Die Gefahr bestehe dann darin, dass man anfange, gewisse Punkte zu überspringen. Zum Beispiel die Brainstormingphase, weil man denke, man wisse, was es braucht. Das sei bei diesem Filmprojekt nicht passiert. «Wir haben uns wirklich Zeit gelassen, um auszuprobieren», pflichtet Morard bei. Zu Beginn gab es die Idee eines Scripts. Der Plot des Films ward gesucht. Nach einem bereichernden Hin und Her zwischen der Arbeitsgruppe der Landeskirchen, der Projektleiterin und Beni Morard kristallisierte sich heraus, dass die Leute auf der Strasse diesen Plot bestimmen würden.

Raus auf die Strasse

Mit dem Mikrofon auf der Kamera ging es also durch den Kanton Luzern auf Stimmenfang. «Welches Bild von Kirche hast du?», lautete die Einstiegsfrage ins Gespräch. Das waren schöne Begegnungen, berührende Momente, lustige auch, und die Menschen sehr offen und ehrlich. Zurück im Büro wurde geschnipselt und die Sätze wie ein Puzzle aneinandergereiht, zusammengelegt. Und plötzlich war eine Geschichte spürbar. Hörbar. Der Stimmenteppich ging weiter zu Team Tumult. «Als ich die Tonaufnahmen hatte, ging für mich der kreative Prozess richtig los», sagt Beni Morard. Er fing an, den Ton zu schneiden. Und dazu machte er sich die ersten Bilder im Kopf.

Ausschnitt aus dem Film «Kirche kommt an» | © 2020 Team Tumult

Das Schneiden nennt Morard eines der Highlights während der Produktion. Wenn auch das Storyboard gemacht ist, kann alles zusammengesetzt werden. «Dann hast du sozusagen die Blaupause deines Films. Das ist ein toller Moment.» Dann ging es an die Umsetzung. Die Figuren zu den Stimmen sind erfunden. Morard hat ihnen ein Gesicht gegeben, einen Charakter eingeflösst. (Allein die Situation mit dem Mann, der seinen Traktor auftankt, die hat wirklich so stattgefunden. Die konnte man nicht besser erfinden.) Ein weiteres Highlight sei der Moment, wenn er die Figuren zum ersten Mal in bewegten Bildern sehe, wenns ans Handwerk gehe: «Also wenn ich animiere.» Morard hat bei diesem Projekt gleich mehrere Jobs gemacht, war in der Produktion und als Regisseur tätig. «Als Animationsregisseur bin ich eigentlich der mit der kreativen Mission. Ich muss vor dem inneren Auge schon sehen können, wie es am Ende aussehen kann.»

Fleur Budry

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Kirche bietet handfeste Hilfe. In Luzern unterstützt die kirchliche Gassenarbeit Menschen, die von Sucht und Armut betroffen sind, in allen Lebenlagen. Die Kirche, damals Gründerin des Trägervereins, setze hier ihre urchristliche Haltung in die Tat um, sagt Seelsorger Franz Zemp.

«Uns geht es um die Würde jedes einzelnen Menschen, um Gerechtigkeit und Selbstverantwortung», sagt Zemp. Das heisst zum Beispiel, ganz praktisch: In der Kontakt- und Anlaufstelle gibts Duschen und saubere Kleider. «Damit Frauen und Männer trotz Sucht und Armut einigermassen gepflegt, frisiert und gut angezogen unterwegs sein können», wie die Mitarbeiterin Angelika Wanner sagt. Oder das Paradiesgässli: Es kümmert sich um die Kinder von süchtigen oder armutsbetroffenen Eltern. Hier geht es um Verantwortung und Erziehungskompetenz, um Rechts- und Finanzfragen.

Der Barmherzige Samariter machte es vor

«Dabei entscheiden wir nicht über jemanden, sondern mit ihm», betont Franz Zemp. Der Theologe ist seit August 2015 Seelsorger «uf de Gass» und seither für die Menschen am Rand ein Boot-Schafter in vielerlei Hinsicht: er hört zu, hat Zeit, findet die Worte, wenn sie anderen fehlen. Sich einzusetzen für andere sei «eine urchristliche Aufgabe», sagt Zemp, und beruft sich dabei auf den barmherzigen Samariter aus der Bibel, der für den von Wegelagerern Ausgeraubten zu einer Herberge führt und den Wirt für Obdach und Pflege entlöhnt.

Die katholische Kirche Stadt Luzern hatte die Gassenarbeit 1985 gegründet; sie bildet bis heute mit der reformierten Stadtkirche und den drei Landeskirchen die ökumenische Trägerschaft des Vereins Kirchliche Gassenarbeit. Längst fliessen auch staatliche Gelder in die Gassenarbeit; Kirchen und Staat teilen sich die Aufgabe heute in gegenseitiger Verantwortung.

Viele Anlegestellen

Die kirchliche Gassenarbeit Luzern besteht aus fünf Betrieben: der Gassenküche, der Kontakt- und Anlaufstelle, dem Schalter 20, der aufsuchenden Sozialarbeit und der Seelsorge. Vergangenes Jahr nutzten rund 950 Klientinnen und Klienten diese Angebote (siehe Kasten).

Vertreterinnen und Vertreter der Betriebe erklären im ersten Kurzfilm, der im Jubiläumsjahr der Landeskirchen entsteht, was «Kirche kommt an» bei ihnen bedeutet. Im Verlauf des Jahres entstehen drei weitere solche Filme; Regie führt jeweils die Luzerner Filmemacherin Antonia Meile. Von weiteren Anlegestellen berichten die Kirchen in Text und Bild; alle Beiträge sind über die Website kirche-kommt-an.ch verfügbar. Unter anderem führt die Bootsfahrt im Februar zur Notfallseelsorge und am 15. März zum Wallfahrtsort Heiligkreuz.

Dominik Thali

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Praktische Hilfe im Alltag

«Wir wissen, dass es nie eine suchtfreie Gesellschaft geben wird. Die Suchtformen wie auch unser Zielklientel verändern sich indessen ständig. Uns ist es wichtig, zeitgemäss zu bleiben», sagt Franziska Reist, Geschäftsführerin des Vereins Kirchliche Gassenarbeit seit Oktober 2018. Darauf war der Verein schon immer bedacht. So führte er beispielsweise im Jahr 2000 ein damals ein in der ganzen Schweiz einzigartiges Angebot für suchtbetroffene Eltern und ihre Kinder ein – das Paradiesgässli. Dieses feiert nun im Februar 2020 sein 20-jähriges Bestehen. 

Im vergangenen Jahr (2019) nutzten insgesamt 949 Klientinnen und Klienten die Angebote des Vereins Kirchliche Gassenarbeit, durchschnittlich 80 Klientinnen und Klienten suchten täglich die GassenChuchi – Kontakt- und Anlaufstelle auf. 10‘447 Essen wurden ausgegeben, 387 Wunden behandelt. 338 Mal wurde geduscht und 572 wurden Kleider gewaschen. Die Beratungsangebote führten 90 Einkommensverwaltungen und 304 Sozialberatungen und das Paradiesgässli betreute 80 Familien mit deren 100 Kindern.

Acht Leute kommen durch Inputs zu Ritualen im Familienalltag miteinander ins Gespräch. Was zaghaft beginnt, wird immer dichter, mitunter sehr heiter, und es wird deutlich, wie wertvoll der Austausch unter Eltern für alle Beteiligten ist. Ein Beobachtungsbericht mit open End.

«Hallo Michaela.»
«Hoi Karin.»
«Jo ciao, hoi Bernadette!»
«Sali.»
«Hallo, freut mich, Elisabeth.»

Der Einstieg fiel leicht, war man doch mit dem Ritual der Begrüssung bereits mitten im Thema. «Mit Ritualen den Familienalltag gestalten», so hiess der zweite Abend für Eltern, der im Rahmen des Pilotprojekts «Getauft – und jetzt?» in der Pfarrei Römerswil angeboten wurde. «Sich in irgendeiner Form zu begrüssen, das kennen alle, es als Ritual wahrnehmen, das tun die wenigsten», meint Thomas Villiger-Brun, Mitarbeiter Fachbereich Pastoral in der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern, der zusammen mit der Religionspädagogin Rita Amrein-Stocker durch den Abend leitet. Von dieser Achtsamkeit handelt der Abend.

Wider das Chaos

Vielleicht ist es das Schicksal vieler Rituale: Sie verkommen zu Gewohnheiten, werden automatisiert, gehen unter. Aber sie verschwinden nicht einfach so. Darum ist es wohltuend, sie wieder einmal aufzuzählen: Kindern Gschichtli erzählen, zusammen essen, singen/beten vor dem Essen, Abschiedskuss, einen guten Morgen wünschen, Geburtstag/Namenstag feiern, Abendgebet, Gott Danke sagen, jemanden an die Tür begleiten, den Tag Revue passieren lassen, sich entschuldigen, eine Kerze anzünden für…, Weihwasser geben/nehmen, Begrüssung, Verabschiedung, zusammen anstossen.

Die Liste wird im Verlauf des Abends immer länger. Ausgelöst hat dieses Zusammentragen von Ritualen auch, dass den Teilnehmerinnen wieder bewusst wurde, was sie bereits alles machen. Wow. Stimmt ja.

In der Auseinandersetzung mit den gesammelten Ritualen kamen die Mütter und ein Vater schnell ins Gespräch auch darüber, wo diese gelingen, und wo nicht. «Beim ersten Kind war das anfangs irgendwie eine Katastrophe. Beim zweiten lief es dann einfach», erinnert sich eine Teilnehmerin. «Ja, man sollte gleich beim dritten Kind anfangen», kontert eine andere, und die Stimmung wird immer lockerer, vertrauter auch. Als Familie muss erst ein Weg gefunden werden, Rituale in den Alltag zu integrieren und vor allem: die passenden zu finden. «Die ganze Theorie ist ja nett, aber bei mir in der Praxis sieht das ein bisschen anders aus. Manchmal geht es einfach nicht.» Fast schon ein bisschen erleichtert ist eine Mutter nach dieser Meldung. Und alle stellen fest: Chaos im Alltag gibt es halt auch.

Eine Mutter von bereits erwachsenen Kindern kann dann wieder beschwichtigen, dass die Familie ja mit der Zeit wachse, auch zusammenwachse, sie wird gefestigter, und dabei können Rituale unterstützend wirken. «Rituale bilden dank ihrer entschleunigenden Wirkung einen Kontrast im oft so hektischen Alltag», sagt Rita Amrein-Stocker. «Wir müssen selbst eine Sprache finden für das, was passiert, für das Unerklärbare, für das Göttliche.» Kinder können uns dabei helfen, diese Sprache zu entwickeln, Zeichen zu finden. Denn Kinder fragen einfach, sind direkt.

Familienrat

Freitagabend. Bei Familie Amrein-Stocker war das die Zeit für den gemeinsamen Wochenrückblick. Über die Woche hinweg konnten Themen und Anliegen auf Zettel geschrieben und in den Familienrat-Briefkasten geworfen werden. Diese Themen wurden dann gemeinsam angegangen, diskutiert, es wurde über Entscheidungen verhandelt, ein «Das stört mich, weil…» hatte genau so Platz wie «Nachfreuen».

Auch bei Villiger-Bruns gabs den Rat. Auf einer Wandtafel wurden die Themen zusammengetragen. «Dürfen wir über alles hier im Familienrat beschliessen?», fragten die Kinder eines Tages. Und ja, weil das die Idee dieser Treffen ist, wurden die Eltern mit 3:2 überstimmt und der Fernseher kam ins Haus. Mit Regeln zu dessen Nutzung natürlich.

Mit dem Familienrat geben Rita Amrein-Stocker und Thomas Villiger-Brun einen nächsten Input in den Abend. Aus eigener Erfahrung sprechend, konnten sie die hierfür wichtigen Punkte für die Umsetzung herausfiltern: «Die Regelmässigkeit solcher Treffen ist wichtig», betont Villiger-Brun. Weiter gelte es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem sich die Familie (z.B. wöchentlich) trifft. So wird der Familienrat zum verbindlichen Termin. Und bitte, ein bisschen Atmosphäre schaffen. Da ist es leichter, ins Gespräch zu kommen.

Mitsprache und Schutz sind zwei weitere Stichworte, die für einen funktionierenden Familienrat mitbedacht werden müssen. Er soll dem Alter der Kinder angepasst sein, soll nicht überfordern, sondern das Verständnis füreinander fördern. Das ist wie mit dem Joghurtregal im Supermarkt: Anstatt das dreijährige Kind direkt vor dem Regal zu fragen, welche Sorte es denn gerne hätte, suchen sich die Eltern besser drei bis fünf Sorten aus und lassen das Kind zuhause am Kühlschrank wählen.

Fleur Budry

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Rituale


Aus dem Lateinischen ritu (nach Art, wie) stammend, definiert das Ritual eine Grundordnung (festgelegtes Zeremoniell). Es kann von weltlicher oder religiöser Art sein. Ein Ritual braucht einen wiederkehrenden Ablauf und hat symbolische Bedeutung, ist also mehr als eine Gewohnheit. Religiöse Rituale weisen über sich hinaus (z.B. Kerze anzünden, um an jemanden zu denken) und helfen, Übergänge zu gestalten. Sie geben Sicherheit im Alltag und stiften sowohl Identität als auch Gemeinschaft. Rituale verbinden uns – auch mit Gott.


Buchtipp

Monika Arnold: «Religiöse Rituale geben Vertrauen und Geborgenheit – Für den Alltag mit Kindern von 0 bis 3», Don Bosco Verlag 2017, ISBN 978-3-7698-2321-9

«Rituale sind gleichbleibende und sich wiederholende Abläufe und Handlungen, die Kindern Verlässlichkeit, Orientierung und Sicherheit vermitteln. Überdies fördern religiöse Rituale die Persönlichkeitsentwicklung und unterstützen die Entwicklung einer spirituellen Kompetenz», schreibt der Don-Bosco-Verlag über dieses Praxisbuch. «Es bietet Rituale zu den Ereigniszeiten des Tages: Morgenkreis, Wickeln, Essen, Schlafen – Aufwachen, Verabschieden; entwicklungsbezogene Rituale zur Körperwahrnehmung und Identität, sowie Rituale zu den Festen im Jahreskreis. Enthalten sind auch 16 Lieder und Liedrufe, die als mp3-Dateien heruntergeladen werden können.»

Kinder ihre Vorstellung über die magische Welt erzählen lassen, sie achten und ihre Gefühle ernst nehmen: Das alles sind Bestandteile der spirituellen Erziehung. Theologe Anton A. Bucher erklärt die Kinderspiritualität – und wie sie sich im Laufe des Lebens weiterentwickeln kann.

Wer Kinder beim Spielen in der Natur beobachtet oder mit ihnen über Gott und die Schöpfung spricht, der spürt: Sie scheinen irgendwie näher dran am Kosmos zu sein. Die ersten Jahre ihres Lebens sind geprägt vom Staunen und von der Fähigkeit, sich die Welt in einem ganz eigenen Tempo zu erschliessen. Kinder erkunden mit allen Sinnen und dort wo diese nicht reichen, vertrauen sie auf Glauben und Fantasie.

«Kinder sind spirituelle Wesen», sagt der Schweizer Theologe und Pädagoge Anton A. Bucher katholisch.de. Und zwar im heutigen Sinne des Wortes. Früher sei Spiritualität gleichbedeutend mit kirchlicher Frömmigkeit gewesen, etwa wenn Ordensfrauen den Rosenkranz beteten. Unter spiritueller Erziehung habe man klassische Religionspädagogik verstanden. «Kinder lernten Beten und den Katechismus auswendig, nahmen an religiösen Handlungen teil und gingen in die Kirche», so der Autor des Buches «Wurzeln und Flügel. Wie spirituelle Erziehung für das Leben stärkt».

Heute werde der Begriff Spiritualität weiter gefasst, erklärt Bucher. «Er steht für eine Verbundenheit des Menschen mit der Natur, dem Kosmos, mit der sozialen Mitwelt, bis hin zur Menschheit als eine einzige grosse Familie. Und schliesslich mit einem höheren, transzendenten Wesen, in unserer Tradition Gott.» Kinder fühlen sich mit der Natur und ihren Mitmenschen verbunden und können leicht an übernatürliche Wesen glauben. «Anders als Erwachsene vermögen sie ihre Umgebung zu beseelen», sagt der Theologe, der selbst Vater von sechs Kindern ist.

Spirituell zu erziehen heisst, Kindern zuzuhören, wenn sie von ihren Vorstellungen über die magische Welt erzählen, sie zu achten und ihre Gefühle ernst zu nehmen. So fasst es Benediktinerpater Anselm Grün im Interview mit dem Elternportal «Spiel und Zukunft» zusammen.  Gemeinsam mit dem Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge hat er das Buch «Kinder fragen nach Gott. Wie spirituelle Erziehung Familien stärkt» geschrieben und wie auch Bucher sind beide der Meinung: «Spirituelle Erziehung soll die Verbundenheit von Kindern stärken.»

«Spiritualität in der Erziehung entlastet Eltern»

Etwa durch warmherzige familiäre Beziehungen von Beginn an. «Indem Eltern ihr Kind zum Beispiel zärtlich tragen, statt es im Wagen vor sich herzuschieben», so Bucher. Gemeinsame Ausflüge in die Natur, die Pflege eines Haustiers, familiäre Rituale, gemeinsames Beten und Feiern der Feste im Kirchenjahr, respektvolle und einfühlsame Freundschaften – all das fördere Verbundenheit. Erziehungsberater Rogge betont auch den wertschätzenden Umgang der Erziehenden mit sich selbst. «Die Bereitschaft der Eltern, nicht perfekt zu sein, ist für mich eine wichtige Zutat für Spiritualität. Kinder wollen geerdete Eltern, die zu sich und ihrem Handeln stehen.»

«Spiritualität in der Erziehung entlastet Eltern. Sie gibt ihnen das Vertrauen, dass sie aus einer Quelle schöpfen, die weit mehr ist, als das Wissen um Dinge», betont Grün. Und doch unterscheide sich der elterliche Glaube von dem ihrer Kinder. «Wachsen Kinder heran, ändert sich ihre Gottesvorstellung», so Bucher. Der starke Mann mit Bart, der von oben herabschaut, wird abgelöst durch symbolische Vorstellungen, etwa Gott als Licht, als Liebe. «Die Fähigkeit, Verbundenheit zu spüren, kosmische Geborgenheit, kann aber ein Leben lang gleichbleiben», erklärt Bucher. «Anders als Kinder können Erwachsene bewusst einen meditativen Weg beginnen, in sich schauen, tief über sich selbst nachdenken.»

Wie wichtig ist die Spiritualität der Eltern? «Sie kann der kindlichen Entwicklung förderlich sein», so Bucher. Untersuchungen belegten: Spirituelle Mütter stillen ihre Kinder häufiger und länger, sie schenken ihnen eine noch tiefere Geborgenheit. Spirituelle Väter bringen sich mehr ein, in die Erziehung des Kindes und die gemeinsam gestaltete Zeit ist ihnen wichtiger. Hinzu kommt, dass Kinder von Modellen lernen. «Wenn sie ihre Eltern als fürsorglich erleben, als tierliebend, als engagiert für die Umwelt, nehmen sie vieles davon auf. Besonders beeindrucken kann es Kinder, wenn sie ihre Eltern sehen, die in einem tiefen Gebet versunken sind.»

Die Verbundenheit ihrer Kinder mit dem Göttlichen können Eltern vertiefen, indem sie ihnen entsprechende Geschichten erzählen, empfiehlt Bucher. Etwa die Bibelgeschichte von Josef, in der es immer wieder heisst: «Und Gott war bei ihm.» Was jedoch, wenn Eltern atheistisch sind? Anke und ihr Mann Ralf sind beide Naturwissenschaftler*in und während Ralf gar nicht mehr an Gott glaubt, hat Anke grosse Zweifel an seiner Existenz. Am Abendbrottisch bekommt die siebenjährige Tochter Malou die Gespräche ihrer Eltern mit und sagte kürzlich zu einer Freundin: «Gott gibt es nicht.» Ihre Mutter sorgt sich nun: «Nehmen wir unserer Tochter etwas weg?»

Anton Bucher rät grundsätzlich von dogmatischen Sätzen wie «Gott gibt es nicht» ab. Besser sei die Aussage: «Ich persönlich glaube nicht, dass es ihn gibt.» Auf diese Weise werde seine Existenz offengelassen. Im Fall von Anke, Ralf und Malou würde Bucher das Gespräch mit der Tochter suchen. «Kinder sind keine leeren Gefässe, sondern vielmehr kleine Philosophen und Theologen. Fragen Sie ihr Kind, warum es meint, dass es Gott nicht gibt.» In erster Linie gehe es in der Erziehung darum, das Kind zu begreifen, so Bucher. Der Priester und Jugendseelsorger Romano Guardini habe dazu einmal geschrieben: «Wir haben erst dann das Recht ein Kind zu erziehen, wenn wir versucht haben, es zu verstehen.»

Janina Mogendorf für katholisch.de, erschienen am 1. Januar 2019

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Kindliche Spiritualität

Die kindliche Spiritualität zu fördern, wirkt sich laut Studien positiv auf die physische und seelische Gesundheit aus. Danach sind Menschen, die sich verbunden und in der Welt geborgen fühlen, gelassener, stressresistenter und belastbarer. Sie haben ein geringeres Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Empirisch ist hinreichend erwiesen, dass sich spirituelle Kinder und Jugendliche wünschenswerter entwickeln, seltener in Sucht oder Depression geraten, sich wahrscheinlicher altruistisch-nächstenliebend verhalten.


Professor Anton A. Bucher

Schweizer Theologe, Pädagoge und Autor. Er lehrt Praktische Theologie an der Universität Salzburg und erforscht seit vielen Jahren die Psychologie von Spiritualität und Religiosität. In diesem Zusammenhang hat er sich auch mit kindlicher Spiritualität und spiritueller Erziehung befasst.

2017 erhielten Eltern in Römerswil beim dort traditionellen Taufbaumfest ein «Schatzchischtli». Die kleine Kartonbox ist wertvoller Wegbegleiter für Eltern und Kind und so wurde die Idee bereits auch in anderen Pfarreien umgesetzt. Inzwischen ist die Stiftung Brändi in Luzern für das Befüllen der «Schatzchischtli» zuständig.

Den Glauben leben in der Familie? Das geht, zum Beispiel, so: Vor dem Essen beten Eltern mit ihren Kindern: «Guter Gott, segne und stärke uns, damit wir Freundschaft teilen, hier an diesem Tisch und mit allen Menschen. Amen.» Oder: Am Morgen zeichnet der Vater seinem Sohn mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn und schickt ihn mit den Worten auf den Schulweg: «Gott segne dich mit Freude an diesem Tag.» Am Abend wiederum setzt die Mutter sich zu ihrer Tochter ans Bett, geht mit ihr den Tag erinnernd durch und dankt gemeinsam Gott für das Schöne und Gute, das ihnen heute geschenkt wurde. An einem Nachmittag schliesslich erzählt die Grossmutter ihren Enkelkindern eine biblische Geschichte, etwa vom Zöllner Zachäus auf dem Baum. Dazu gibt es ein Zämesetzi und eine Zeichnung zum Ausmalen.

Begleitung auf dem Glaubensweg

Anregungen und Vorlagen für Gebete und Rituale wie diese gibt es im Schatzchischtli, das in der Pfarrei Römerswil Eltern, die ihr Kind taufen liessen, erstmals 2017 am Taufbaumfest erhielten. Zu diesem Fest lädt der Pfarreirat jeweils am Palmsonntag die Taufkinder des vergangenen Jahres und deren Familien ein.

Das Chischtli ist ein Behältnis aus Karton, klein wie eine Kinderfaust, und angelegt wie eine Kartei. Es gibt darin Kärtchen mit kurzen Texten zu den Themen Weihwasser, Tischrituale und -gebete, Abendrituale und -gebete sowie biblische Geschichten, Bilder zu einem möglichen Abendritual, zwei Puzzles und mehrere Ausmalbilder. Mit dem Namen des Taufkinds auf dem Deckel wird das Schatzchischtli zu einem persönlichen Wegbegleiter, das Eltern hilft, ihre Kinder auf dem Glaubensweg zu begleiten und den Kindern ihren Platz in der Pfarreigemeinschaft gibt.

Jedes «Schatzchischtli» trägt den Namen des getauften Kindes, das es erhält. | © 2019 Thomas Villiger

Die Idee zum Schatzchischtli hatte Religionspädagogin Rita Amrein-Stocker. Zusammen mit dem Pastoralassistenten gab sie es erstmals 2017 den Taufeltern ab. Mitglieder des Pfarreirats von Römerswil halfen bei dem Befüllen der Chischtli. Von allen Beteiligten war das eine grosse, freiwillig geleistete Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Pilotprojekt «Getauft – und jetzt?» von der Landeskirche (Verantwortlicher Thomas Villiger-Brun) entwickelte Rita Amrein-Stocker das Schatzchischtli weiter und so steht es nun zur Freude vieler fertig da.

Kirche unterstützt Arbeitsintegration

Künftig erhalten auch die Taufeltern der anderen drei Pfarreien im Pastoralraum das Schatzchischtli; es gibt dort jeweils ähnliche Bräuche wie das Taufbaumfest in Römerswil. Weil damit der Aufwand grösser geworden ist, hat die Stiftung Brändi in der Rösslimatt in Luzern das Befüllen übernommen. «Eine interessante Arbeit», sagt dort Mitarbeiter Theo, und für seine Kollegin Sandra sind die Schatzchischtli eine willkommene Abwechslung. Sandra ist im ersten Lehrjahr als Printmedien-Praktikerin EBA. Bei diesem Auftrag kann sie ihr ganzes Geschick einsetzen. Die katholische Kirche unterstützt damit die beruflliche Eingliederung von Menschen mit einer Behinderung.

Dominik Thali

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Wer ein Kind verliert, stürzt aus der Welt. Und stösst oft auf Menschen, die in Überforderung verletzend reagieren. Die «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt am zweiten Dezembersonntag mit einer ökumenischen Gedenkfeier Betroffenen Gelegenheit, Trauer und Schmerz zu teilen. Eine Möglichkeit, dem Unsagbaren Raum und Sprache zu leihen.

Julia kam an einem Novembersamstag vor zwei Jahren zur Welt. Und verliess sie nach einer Stunde schon wieder. Einfach so. Nichts hatte darauf hingedeutet. «Das hat uns den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt ihre Mutter Katarina Honauer. Julia war ihre erste Tochter.

Den Schmerz teilen

Katarina und ihr Ehemann André Honauer leben in Küssnacht. Zwei Wochen nach dem Ereignis nahmen die beiden in Luzern an der jährlichen Gedenkfeier für und mit Menschen teil, die ein Kind verloren haben – manche bei der Geburt, andere später durch eine Krankheit oder einen Unfall; mitunter sitzen Frauen und Männer in den Reihen, bei denen der Verlust Jahre zurückliegt, die aber nie darüber sprechen konnten und allein damit fertig werden mussten. In der Lukaskirche teilen sie ihren Schmerz mit anderen Müttern und Vätern, mit Patinnen und Paten, Geschwistern und Grosseltern. «Sammle meine Tränen» heisst die Gedenkfeier, die es seit 2005 auf Initiative der «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt. Die Theologin Li Hangartner brachte die Idee damals aus Deutschland mit und wollte damit ein Thema ans Licht holen, «von dem man nur weiss, wenn man selber davon betroffen ist», wie sie bis heute feststellt. «Der normale Lauf ist doch: Jemand wird schwanger, das Kind kommt zur Welt und ist gesund. Der Tod hingegen ist ein Tabu.»

Hilflosigkeit und Überforderung prägen den Umgang damit. Katarina Honauer erinnert sich, wie jemand «mitfühlend und aufmunternd» gemeint habe, sie solle froh sein, dass Julia gleich nach der Geburt gestorben sei, später wäre der Verlust «viel schlimmer» gewesen.
Die Gedenkfeier «Sammle meine Tränen» will mit Texten, Ritualen und Musik den trauernden Menschen «eine Sprache leihen, wenn sie noch in der eigenen Sprachlosigkeit verharren», erklärt Li Hangartner. Unter anderem sind alle eingeladen, den Namen ihres verstorbenen Kindes in das «Buch des Lebens» einzutragen, dessen Seiten sich mit den Jahren füllen. Im zweiten Teil der Feier werden diese Namen vorgelesen, und für jedes Kind brennt am Ende eine Kerze.

Die Schwere auflösen

Schmerz und Trauer verdichten sich dabei. Das sei kaum auszuhalten, findet Katarina Honauer, der Gang zum Lebensbuch sei für sie «sehr drückend» gewesen. Die Hebamme Susanne Leu, welche die Gedenkfeier mitgestaltet, kann dies mitfühlen. «Aber die Tränen in der Gemeinschaft fliessen lassen zu können, vermag auch Schwere im Bauch aufzulösen. Man fühlt sich nach der Feier leichter», meint sie. Leu macht auch die Erfahrung, dass Eltern und Angehörige, die glauben, den Verlust eines Kindes «anders tragen können und getragen werden». Es komme nicht darauf an, woran man glaube, aber der Glaube könne «ein innerer Lebensmotor» sein, wenn jemand dadurch einen Tod deuten könne, für den es keine medizinische Erklärung gebe.

Die Tränen fliessen zu lassen hilft. Das erlebte auch Katarina Honauer so. Hilfreich waren für sie daneben vor allem der Austausch mit Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Anderen, die bei der Begegnung mit Menschen, die ein Kind verloren haben, unsicher sind, empfiehlt sie, auf vermeintlich gut gemeinte Aussagen zu verzichten: «Mitgefühl zu äussern reicht völlig.»

Dominik Thali

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«Sammle meine Tränen» heisst die jährliche ökumenische Gedenkfeier in Luzern für Menschen, die um ein Kind trauern. Sie findet seit zehn Jahren jeweils am zweiten Sonntag im Dezember statt, am Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder.


Ein Kind taufen heisst: Es in die Gemeinschaft der Pfarrei aufnehmen. In Römerswil kein leeres Wort: Hier lädt der Pfarreirat die Taufkinder des vergangenen Jahres und ihre Familien immer am Palmsonntag zu einem Fest ein. Der Taufbaum, auf dem die Namen der Täuflinge angebracht wurden, fällt, mit dem Holz wird grilliert und eine Woche später die neue Osterkerze entzündet. Ein Kreislauf des Lebens.

Die Taufe, ein Sakrament, ist ein Zeichen der Nähe Gottes, will für das Kind ein Segen sein. «Sie heisst: Du bist angenommen und geliebt; so, wie du bist», sagte Katechetin Rita Amrein-Stocker gestern (25. März 2018) den Familien der 15 Mädchen und Buben, die übers Jahr in der Pfarrei Römerswil getauft worden waren. Die Kinder wachsen in ihre Familien, aber auch die Pfarreigemeinschaft; «das will das Taufbaumfest bewusst machen», erklärte Pfarreiratspräsidentin ad interim Susanna Beck. «Leben entsteht, ist ein Wunder und braucht aber auch Begleitung.»

Zeichen davon ist der Taufbaum aus dem Wald der Kirchgemeinde, den der Pfarreirat jeweils am Karsamstag vor der Kirche aufstellt. Wird ein Kind getauft, schreibt er dessen Namen gross auf eine farbige Holztafel und befestigt diese am Stamm. Die Täuflinge werden also nicht nur ins Taufbuch der Pfarrei eingetragen, sondern auch nach aussen gut sichtbar willkommen geheissen. Am Palmsonntag schliesst sich der Kreis. Dann sind die Familien der Taufkinder zum Taufbaumfest eingeladen. Auch diesen Anlass organisiert der Pfarreirat 1. Man trifft sich um 16 Uhr, gemeinsam wird der Baum gefällt, die Namenstafeln werden abgeschraubt und den Familien mit nach Hause gegeben. Vor der Kirche kommt es zum Stelldichein der Kinderwagen und herrscht ein fröhliches Treiben. Manche der jungen Mütter und Väter lernen sich an diesem Tag erst kennen.

«Getauft – und jetzt?»

In der Kirche In der Kirche laden Rita Amrein und Benjamin Meier Eltern und Kinder in den Kreis um die Osterkerze. «Kinder müssen wir nicht glauben lehren; das Gottvertrauen ist ihnen angelegt», weiss sie aus Erfahrung. Die Kleinkinderfeiern, die in Römerswil Martina von Moos, Andrea Bucher, Michaela Huber und Susannne Achermann gestalten, sollen die Mütter und Väter in der spirituell-religiösen Erziehung ihrer Mädchen und Buben zusätzlich unterstützen. Zum zweiten Mal erhalten die Eltern zudem eine kleine Schatztruhe, auf dem der Name ihres Kindes steht und in dem allerlei Tipps und Hinweise zu diesem Thema enthalten sind. Neu lädt Römerswil kommenden Herbst die jungen Eltern und ihre Kinder zur Reihe «Getauft – und jetzt?»  ein, drei Veranstaltungen für Mütter und Väter, um sich über religiöse Fragen und Themen auszutauschen, um Kirche und Glaube zu erleben, um voneinander und miteinander zu lernen – ein Pilotprojekt, an dem auch der Pastoralraum Baldeggersee, die reformierte Kirche und die Landeskirche beteiligt sind.

Ein solches «– und jetzt?» ist freilich auch schon das Taufbaumfest selbst. Nach der Viertelstunde in der Kirche wechseln Eltern und Kinder in die Kaplanei, wo Reto Bucher und Othmar Feer inzwischen mit einem Teil des gefällten Stammes ein Feuer unterm Grill entzündet haben. Schon bald brutzeln darauf Würste, was mit den Salaten und Kuchen, die viele mitgebracht haben, ein feines  Znacht gibt. An den Tischen hebt ein grosses Plaudern an, Kinder wuseln herum und Kontakte werden geknüpft.

Das restliche Holz des Taufbaums wird derweil beiseite gelegt. Es wird am folgenden Samstag im Osterfeuer verbrannt werden. Daran wird die neue Osterkerze entzündet, und in der Osternacht auch das neue Taufwasser geweiht. Ostern – das Fest des Lebens, das Wunder geht weiter.

Dominik Thali

1 Dem Pfarreirat Römerswil gehören an: Antonia Wicki, Priska Fuchs, Monika Minder, Susanna Beck, Reto Bucher, Claudia Vogel und Benjamin Meier als Vertreter des Seelsorgeteams.

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