«Mut» lautete das Motto von Kirchen und Kanton Luzern zum diesjährigen Bettag. Ausdruck davon sind die Bäume, welche die drei Landeskirchen heute aus Anlass ihres 50-Jahre-Jubiläums an sechs Orten pflanzten. Mut machten die Kirchen an diesem Sonntag auch dazu, für die Sorgen und Nöte der Menschen einzustehen.

Medienmitteilung vom 19. September 2021

Ein Apfelbaum in Kriens und Willisau, ein Nussbaum in Wolhusen, eine Kastanie in Hochdorf, eine Hopfenbuche in Sursee und eine Eiche in Luzern: Diese sechs Bäume bilden seit heute Sonntag «ein neues Lebens-Netzwerk im Kanton Luzern», wie es der reformierte Pfarrer Peter Willi an der ökumenischen Feier in Kriens ausdrückte. Die Aktion war der Ersatz für die schon 2020 in Willisau geplante grosse Feier zum Bettag, welche die drei Landeskirchen auch in ihrem zweiten Jubiläumsjahr wegen der Pandemie nicht durchführen konnten. Dafür luden sie heute die Bevölkerung zu sechs kleineren Feiern in alle Regionen des Kantons ein und pflanzten an deren Rand einen Baum. Das passte zum diesjährigen Bettagsthema «Mut» von Kirchen und Kanton.

Die Bäume stehen für jedes der fünf Jubiläums-Jahrzehnte der Landeskirchen und das angebrochene sechste Jahrzehnt. Die Äpfel, die an die Teilnehmenden der Feiern verschenkt wurden, sind die Ernte derjenigen Bäume, die Generationen vor uns gepflanzt hatten. Auf der Tafel, die bei jedem Baum an das Jubiläum erinnert, heisst es: «Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben» – ein Satz aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser.

Für die Wahrheit einstehen

Vom Mut, den es mitunter dazu braucht, ist schon in der Bibel die Rede. Das Markus-Evangelium erzählt vom blinden Bartimäus, den Jesus zu sich bittet und zu dem die Umstehenden sagen: «Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.» Für den reformierten Pfarrer Uwe Tatjes etwa, der die Feier in Willisau mit seinem katholischen Kollegen Andreas Wissmiller gestaltete, heisst das heute, «Kirche auf Augenhöhe» zu sein, eine Kirche, die neugierig ist, die ihre Umgebung wahrnimmt und versteht, was die Menschen bewegt». Manchmal sei sie aber «blind für die Zeichen der Zeit und Sorgen und Nöte der Menschen», meinte Tatjes selbstkritisch.

Der katholische Pfarrer von Hochdorf, Roland Häfliger, knüpfte hier an und sprach von «Demut» als einer Haltung, die Wirklichkeit zu sehen, «wie sie ist», hinzuhören und abzuwägen. Mut sei dann lebensfördernd, wenn er «mit Wahrheit und Weisheit» einhergehe, und heisse nicht, alles mitzumachen, ohne zu hinterfragen. «Gib uns Weisheit, gib uns Mut, für die Wahrheit einzustehen und die Not um uns zu sehen», heisst es in einem Lied, das in mehreren Feiern gesungen wurde.

Kirche kommt an

Das 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen von 2020 stand unter dem Motto «Kirche kommt an». Die Corona-Pandemie führte zu Absagen und Programmänderungen, weshalb es dieses Jahr mit einem «+1» weiterging. Die Website www.kirche-kommt-an.ch erzählt die in den gut anderthalb Jahren entstandenen Geschichten von Menschen, bei denen die Kirche angekommen ist, und den Plänen, die trotz der Pandemie umgesetzt werden konnten. Unter anderem zeigen Kurzfilme, was die Kirche im Leben von Menschen und für Organisationen bedeutet.

Die heutigen Bettagsfeiern haben das Jubiläum nach aussen abgeschlossen. Nach innen pflegen die drei Landeskirchen ihre ökumenische Zusammenarbeit weiter. Das nächste Mal wird dies im gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst auf Tele 1 am 25. Dezember zum Ausdruck kommen.

Grussworte überbracht
Vertreterinnen und Vertreter der Landeskirchen überbrachten an allen sechs Orten Grussworte. «Wir blicken inzwischen auf 51 Jahre Errungenschaften unserer Landeskirchen zurück», sagte Lilian Bachmann, Synodalratspräsident der reformierten Landeskirche in der Hofkirche in Luzern. Dazu gehörten etwa dieSeelsorge für Menschen mit einer Behinderung, in Spitälern, in Kliniken, in Strafanstalten, Alterszentren oder auf Palliativstationen, die Ehe- und Lebensberatung, Sozialberatung, Gassenarbeit, Notfallseelsorge oder die Ausbildungen von Katechetinnen und Katecheten. Gemeinsam mit den staatlichen und nicht-staatlichen Partnern erfüllten die Kirchen «wichtige Aufgaben unserer Gesellschaft», sagte Bachmann. Ihre katholische Kollegin Renata Asal-Steger bezeichnte die sechs Bäume als «Zeichen des Lebensmutes und der Zuversicht – für uns heute und für die Menschen, die nach uns kommen». – «Wann immer ein Baum gepflanzt wird, ist dies ein Zeichen des Vertrauens, des Vertrauens in die Zukunft», fasste Esther Albert, Präsidentin christkatholische Kirchgemeinde Luzern, in Sursee zusammen.

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Bilder in Druckauflösung

Die Bilder zur Baumpflanz-Aktiom zum Bettag können hier in Druckauflösung herunterladen werden. Die Namen der Fotografinnen und Fotografen finden sich in den Bildlegenden im Beitrag.

Die geplante grosse Feier zum Bettag können die drei Landeskirchen auch in ihrem zweiten Jubiläumsjahr nicht durchführen. Dafür laden sie am 19. September die Bevölkerung zu sechs kleineren Feiern in alle Regionen des Kantons ein und pflanzen dort einen Baum. Das passt zum diesjährigen Bettagsthema Mut.

Medienmitteilung vom 6. September 2021

Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag findet jeweils am dritten Sonntag im September statt. Die katholische, reformierte und christkatholische Kirche wollten vergangenes Jahr an diesem Tag aus Anlass des Jubiläums «50 Jahre Landeskirchen im Kanton Luzern» eine öffentliche Feier in Willisau durchführen, die sie wegen der Pandemie aber absagen und verschieben mussten. Die Corona-Bestimmungen liessen es allerdings auch dieses Jahr nicht zu, ein Fest dieses Umfangs zu planen. Deshalb laden die Kirchen stattdessen zu sechs kleineren ökumenischen Feiern ein, die an verschiedenen Orten im Kanton stattfinden – in Luzern, Kriens, Wolhusen, Willisau, Sursee und Hochdorf. Dort pflanzen sie je einen Baum.

Die Aktion passt zum Thema Mut, das Kirchen und Kanton dieses Jahr für die Plakataktion gewählt haben, mit der sie seit zwölf Jahren auf den Bettag hin jeweils gemeinsam an die Öffentlichkeit gelangen. Mut ist gefragt in dieser Zeit der Herausforderungen. Wie gehen die Menschen mit diesen um? Was empfinden sie als Zu-Mut-ung? Woraus schöpfen sie anderseits neuen Lebens-Mut? «Danke für Ihren Mut, Ihre Ausdauer und Ihre Zuversicht», heisst es dazu im Begleittext zum Plakat. Daran knüpfen die Landeskirchen an. Die sechs Bäume, die sie am Bettag pflanzen, sind ein Ausdruck dieser Zuversicht. Sie stehen für jedes der fünf Jubiläums-Jahrzehnte und das angebrochene sechste Jahrzehnt. Manche der Bäume werden später Früchte tragen. Die Äpfel, die an die Teilnehmenden der Feiern verschenkt werden, sind die Ernte derjenigen Bäume, die Generationen vor uns gepflanzt haben.

Schliesslich heisst es auf der Tafel, die bei jedem Baum an das Jubiläum erinnert: «Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben» – ein Satz aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser.

Kirche kommt an

Das 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen, auf 2020 angesetzt, stand unter dem Motto «Kirche kommt an». Die Corona-Pandemie führte zu mancher Absage und Programmänderung, weshalb es dieses Jahr mit einem «+1» weitergeht. Die Website www.kirche-kommt-an.ch erzählt die in dieser Zeit entstandenen Geschichten von Menschen, bei denen die Kirche angekommen ist, und den Plänen, die trotz der Pandemie umgesetzt werden konnten. Unter anderem zeigen Kurzfilme, was die Kirche im Leben von Menschen und für Organisationen bedeutet.

Die Bettagsfeiern vom 19. September schliessen das Jubiläum nach aussen ab. Nach innen pflegen und verstärken die drei Landeskirchen ihre ökumenische Zusammenarbeit weiter. Das nächste Mal wird dies im gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst auf Tele 1 am 25. Dezember zum Ausdruck kommen-

«Wir pflanzen einen Baum»: Die sechs ökumenischen Bettagsfeiern vom Sonntag, 19. September

Hochdorf10.30 Uhr, kath. Pfarrkirche, Hochdorf
Kriens10.00 Uhr, Mehrzweckhalle Krauer, Horwerstrasse 10, Kriens
Luzern10.00 Uhr, Kapellplatz, bei schlechtem Wetter in der Hofkirche, Luzern
Sursee10.30 Uhr, kath. Pfarrkirche, Sursee
Willisau09.30 Uhr Beginn mit Baumpflanzung vor der ref. Kirche
10.00 Uhr Gottesdienst in der kath. Pfarrkirche
Wolhusen10.30 Uhr, kath. Pfarrkirche, Wolhusen

Die Bevölkerung ist eingeladen, an einer dieser Feiern teilzunehmen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zu beachten sind die dann geltenden Schutzmassnahmen.

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«Kirche kommt an» gilt mitunter auch in der Tierwelt: Weil es in Häusern immer weniger Estriche gibt, die nicht isoliert sind, werden Dachstöcke von Kirchen für Fledermäuse noch wichtiger. Die Wallfahrtskirche Hergiswald in Kriens etwa dient zwei Arten im Sommer als Wochenstube.

Der Aufgang zu Turm und Dachstock der Kirche Hergiswald ist nichts für Menschen, die an Klaustrophobie leiden. Oben auf dem mit Holzbrettern belegten Plateau angelangt, leuchtet Manuel Lingg mit einer Rotlicht-Taschenlampe ins Gebälk. Das stört die Fledermäuse nicht. «Sie haben keine Rezeptoren für Rotlicht», flüstert Lingg. Der 39-Jährige ist Biologe und ungefähr in einem 20-Prozent-Pensum Fledermausschutz-Beauftragter des Kantons Luzern.

Ein paar Tiere sind zu erspähen, wie bei Fledermäusen üblich in hängender Position. Sie haben zwar Füsse, können aber nicht darauf stehen. Das Hängen erfordert für sie keine Kraftanstrengung, die Fusskrallen rasten sich durch ihr Gewicht quasi im Holz ein. Sie schlafen ruhig, um nachts gerüstet zu sein für die Jagd auf Insekten, ihrem praktisch einzigen Nahrungsmittel.

Die Kirche Hergiswald dient einer Kolonie von ein paar Dutzend Brauner Langohren als sogenannte Wochenstube. Von Anfang/Mitte Juni bis zirka Ende August finden sich Weibchen ein, die hier ihr Junges gebären, säugen und aufziehen, bis es nach ein paar Wochen selber fliegen kann. Männchen sind nicht dabei, sie gehen andere Wege, ehe man sich im Spätherbst wieder irgendwo in einer Höhe mit den Weibchen trifft und der Fortpflanzungsakt von Neuem beginnt. Dabei geht es recht wild durcheinander. Fledermäuse sind nicht treu, sie paaren sich wiederholt mit verschiedenen Partnern. Weibchen können als Besonderheit den Samen speichern und nach dem monatelangem Winterschlaf im Frühling die eigentliche Befruchtung selber steuern.

Viel Verständnis in den Kirchen

Während die im Mittelmeerraum von den Fledermäusen bevorzugten Höhlen bei uns zu wenig warm wären, bieten solche Dachstöcke dank der Sonnenwärme geeignete Bedingungen für Wochenstuben. Zudem ist das Versteck sicher, vor allem vor Katzen, die an Fledermäusen gerne ihren Jagdtrieb ausleben. Und was ist mit dem Kirchengeläut? Das stört Fledermäuse anscheinend nicht, selbst wenn die Glocke in unmittelbarer Nähe ist. «Kirchen sind aber nicht nur für Wochenstuben wichtig, sondern je länger je mehr für Fledermäuse allgemein», sagt Manuel Lingg. Der Grund: Anders als früher werden viele Häuser meist bis unters Dach ausgebaut. Sogenannte Kalt-Estriche, die nicht isoliert sind und trotz ihres Namens im Sommer deutlich wärmer werden, werden immer seltener.

In Kirchen jedoch bleiben die Dachstöcke meist unangetastet. Lingg: «Es ist ein Glücksfall, dass das Einvernehmen mit ihnen sehr gut ist, mit unseren Anliegen für den Schutz der Fledermäuse stossen wir auf viel Verständnis und Rücksichtnahme.» Wenn zum Beispiel eine Dachrenovation ansteht, werden Arbeiten nicht im Sommer während der Anwesenheit der Tiere ausgeführt. Oder ein Gerüst wird so aufgebaut, dass die Fledermäuse trotzdem Zugang haben. Vermieden wird auch, dass bei nachts beleuchteten Kirchen die Scheinwerfer direkt ins Einflugloch strahlen. Das würde die Tiere massiv irritieren.

In der Kirche Hergiswald hat das Einflugloch die Form ein grosses Kreuzes, das in der Mauer ausgespart ist. Ein symbolträchtiges Bild – wobei das offene Kreuz nicht unbedingt nötig wäre. Die etwa fünf Zentimeter langen und ein paar Gramm schweren Braunen Langohren würden den Weg hinein und wieder hinaus auch über einen etwas locker sitzenden Ziegel finden. Aber bei einer Flügelspannweite von 25 bis 27 Zentimetern schätzen sie womöglich eine breite Öffnung. Dort lassen sie sich auch leichter zählen – ein Amt, die der lokale Fledermausschützer Hans Gysin ein paar Mal jährlich ausübt. Etwa 60 Tiere registriert er im Maximum.

In der Kirche Hergiswald hat das Einflugloch die Form eines grossen Kreuzes, das in der Mauer ausgespart ist. | © 2021 Roberto Conciatori

In St. Ottilien versammeln sich bis zu 600 Tiere

Die Braunen Langohren sind eine von über einem Dutzend Fledermaus-Arten, die im Kanton Luzern heimisch sind (gesamtschweizerisch gibt es rund 30 Arten, weltweit über 1000). Mit grossem Abstand am häufigsten bei uns sind Zwergfledermäuse. Neben den Brauen Langohren bilden auch die Grossen Mausohren Wochenstuben in Dachstöcken. Die meisten anderen Arten bevorzugen Spalten an den Aussenseite von Gebäuden oder natürliche Verstecke an Bäumen. Bekannt als Wohnstube für Grosse Mausohren ist die Wallfahrtskapelle St. Ottilien in Buttisholz, wo jeweils bis zu 600 Tiere beisammen sind. Die Mausohren sind eine Art, deren Bestand tendenziell zugenommen hat in den letzten Jahren, aber «Fledermäuse stehen allgemein stark unter Druck, vor allem, weil es zunehmend weniger Insekten gibt», sagt Manuel Lingg.

Für Fledermäuse gibt es im Kanton Luzern sogar eine Pflegestation. Monika Lachat aus Kriens und Giselle Knüsel-Buchs aus Ruswil kümmern sich ehrenamtlich um verletzte, geschwächte oder noch flugunfähige Tiere und päppeln sie liebevoll auf. Bei unserem Besuch in der Kirche Hergiswald brachte Manuel Lingg aus der Station ein Braunes Langohr mit. Es war auf Hergiswald bei Untersuchungen des Holzes leicht verletzt und in die Pflegestation gebracht worden. «Tiere werden möglichst immer dorthin zurück gebracht, wo sie gefunden worden sind.»

Vorsicht ist immer angebracht

Beim Aussetzen trägt Lingg Handschuhe. Fledermäuse können beissen und zum Beispiel Tollwut übertragen. Theoretisch. In der Praxis hat das der Fledermausschutz-Beauftragte aber noch nie erlebt. «Trotzdem sei für Leute, die viel mit Fledermäusen zu tun haben, immer etwas Vorsicht angebracht und neben Handschuhen auch eine Tollwut-Impfung Pflicht.

Dass sich nicht wenige Leute vor Fledermäusen mit ihrem etwas «vampirhaften» Aussehen ängstigen, kann Manuel Lingg halbwegs nachvollziehen. Diese Ängste würde aber zumeist auf Schauermärchen beruhen. Nicht auszurotten sei unter anderem die Behauptung, Fledermäuse würden gerne in die Haare eines Menschen fliegen. Manuel Lingg bekommt das oft zu hören, kennt aber keinen einzigen konkreten Fall. Linggs Überzeugung: «Wenn man Fledermäuse in Ruhe lässt, sind sie für Menschen völlig ungefährlich.»

Hans Graber

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Kirchen als Fledermäuse-Wochenstuben

Unter anderem in diesen Luzerner Kirchen zogen in den vergangenen Jahren Fledermaus-Weibchen in Gesellschaften (Wochenstuben) ihr Jungtier hoch:

  • Braune Langohren: Buttisholz, Doppleschwand, Eich, Ettiswil, Hasle, Hitzkirch, Kriens (Hergiswald), Marbach, Rain, Richenthal (Guthirt-Kapelle), Roggliswil (Wendelin-Kapelle), Rothenburg (Bertiswil), Rüediswil (Kapelle), Ruswil, Stettenbach (Kapelle St. Antonius), Sursee (Kapelle Mariazell), Ufhusen, Werthenstein (Klosterkirche), Willisau (Heiligblutkapelle), Winikon, Wolhusen, Zell
  • Grosse Mausohren: Buttisholz (Wallfahrtskapelle St. Ottilien), Grossdietwil, Malters, St. Urban (Klosterkirche).

Ob wirklich noch in allen diesen Kirchen Wochenstuben anzutreffen sind, wurde im zu Ende gehenden Sommer vom kantonalen Fledermausschutz überprüft.

  • Meldungen von Fledermaus-Nachweisen in Dachstöcken sind beim Fledermausschutz Luzern  willkommen: www.fledermaus.info

 

Die Kirche unterstützt junge Menschen. Zum Beispiel über Jungwacht Blauring und die Pfadi. «Mega froh» sind deren Leiterinnen und Leiter darum. Vereinnahmen lassen sie sich deswegen aber nicht. Gott und die Welt sind ihnen am Lagerfeuer näher als im Gottesdienst.

«Glauben leben» heisst einer der fünf Grundsätze im Leitbild von Jungwacht Blauring Schweiz. Damit sind allerdings nicht Lagergottesdienste gemeint – solche gibt es kaum mehr. «Sondern unser Alltag», sagt Elias Müller, Co-Präsident von Jungwacht Blauring Kanton Luzern. «Am Lagerfeuer sitzen und übers Leben reden, singen, etwas erleben und Erfahrungen teilen.» Glaube habe in der Jubla wie Pfadi wenig mit der Kirche als Einrichtung und traditionellen Feiern gemein. Wichtig ist er vielen Leiterinnen und Leitern in den Jugendverbänden gleichwohl. Etwa Pfadi-Kantonsleiter Simon Hofstetter. Seine damalige Abteilung sei eng mit der Pfarrei verbunden; er habe dadurch auch erfahren, «wie die Kirche funktioniert und was sie alles unterstützt».
Finanziell seien die beiden Verbände «mega froh» um die Kirche, sagt Hofstetter. Sie schätzten aber auch, dass in der Regel keine Bedingungen daran geknüpft seien. Die Kinder und Jugendlichen bekämen durch die Pfarreinähe ohnehin mit, «was die Kirche alles Cooles macht». Müller nickt. Kritik – «wenn zum Beispiel wieder etwas von Rom kommt» – könne er gut verstehen. «Ich sage dann aber jeweils: Kirche findet in erster Linie vor Ort statt. Wir dürfen auch anders denken.»

«Nicht exklusiv sein»

Anja Amrein pflichtet ihm bei. Die Co-Präsidentin des Jubla-Kantonslagers, das im Juli in Rotkreuz stattfindet, trifft man wie ihre Kollegen kaum im Sonntagsgottesdienst. «Mit den traditionellen Abläufen kann ich wenig anfangen», sagt sie. Herkömmliche konfessionelle Feiern seien in einem Jubla- oder Pfadilager ohnehin nicht mehr zeitgemäss: «Wir wollen nicht exklusiv sein gegenüber anderen Religionen.» Amrein fühlt sich allerdings im katholischen Glauben verwurzelt und ist von der Kirche Schweiz überzeugt: «Was das System Kirchensteuern anbelangt, stehe ich jedenfalls voll dahinter.»

Begeisterung und Verantwortung

Katholisch? Reformiert? Das spielt in der Jubla wie in der Pfadi keine Rolle (mehr). Zwar ist Jungwacht Blauring im katholisch geprägten Luzern stärker vertreten als die geschichtlich nicht konfessionsgebundene Pfadi. Was die beiden Verbände verbindet: Die Begeisterung für die «coole Truppe», wie es Elias Müller ausdrückt: «Das zieht einen einfach rein.» Anja Amrein gefällt der Teamgeist, der schnell aufkomme, auch wenn man sich noch gar nicht kenne, und Simon Hofstetter bekommt jetzt noch Hühnerhaut, wenn er sich an die 1000 Pfadikinder lange Polonaise im Kantonslager 2018 in Escholzmatt erinnert.

Dass sie viel Freizeit für Jubla und Pfadi hergeben, ist für die drei keine Frage. «Ich bin eben ein Lagerkind», sagt Anja Amrein, und erwähnt nebenbei, dass sie ein paar Tage vor dem Kantonslager noch ihre Masterarbeit abgeben müsse. Alltag auf der Stufe Leitung. Elias Müller schmunzelt: Es profitierten ja auch viele Kinder von diesem Einsatz. «Wir sehen, dass es sich lohnt, und das gibt uns auch viel zurück.»

Dominik Thali

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Eine sechsstellige Summe für Jubla und Pfadi

Luzern ist mit 76 Scharen und rund 7000 Mitgliedern der stärkste Jubla-Kanton. Der Pfadi-Kantonalverband zählt 33 Abteilungen und rund 3500 Mitglieder. Die katholische Landeskirche unterstützt die beiden Verbände mit insgesamt 104 000 Franken pro Jahr. Bei der reformierten Kantonalkirche fliessen jährlich rund 10 000 Franken in die Jugendarbeit. Zusätzlich erhalten viele Scharen und Abteilungen Beiträge von ihren Kirchgemeinden vor Ort. 

Weltweit sind nach Angaben der UNO über 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Kinder und Jugendliche machen dabei mehr als die Hälfte aus. Auch im Kanton Luzern leben Menschen, für die die Schweiz zum Zufluchtsland wurde. Die Schicksale sind vielfältig. Die Luzerner Landeskirchen rufen anlässlich des Flüchtlingssonntags vom 20. Juni 2021 zur Solidarität auf.

Medienmitteilung vom 15. Juni 2021

Einige stehen noch im Asylverfahren. Andere haben als anerkannte Flüchtlinge oder als vorläufig Aufgenommene in unserem Kanton inzwischen ein neues Zuhause gefunden. Hinzu kommen Menschen, die als Sans-Papiers ohne geregelten Aufenthaltsstatus hier leben und arbeiten. Sie alle sind Teil der Luzerner Gesellschaft. In den vergangenen Jahren ermöglichte die «Aktionswoche Asyl» rund um den Weltflüchtlingstag, dass es im Sport, in der Kultur und weiteren Aktivitäten zu zusätzlichen Begegnungen zwischen der lokalen Bevölkerung und geflüchteten Menschen gekommen ist. Dabei ging es um das gegenseitige Verständnis – einander Fragen zu stellen, sich besser kennenzulernen und Ängste abzubauen. Der Kanton Luzern soll für Geflüchtete zu einer neuen Heimat werden. Denn: Solidarität kennt keine Grenzen.

Auswirkungen der Pandemie

Die weltweite Corona-Pandemie verschärft nicht nur die Situation vieler Menschen auf der Flucht massiv und teilweise lebensbedrohlich. Sie verunmöglicht leider, wie schon im Jahr 2020, auch die Aktionswoche Asyl. Begegnung, Austausch und Integration finden aber nicht nur in der Aktionswoche statt – sie passieren jeden Tag. An der Bushaltestelle, auf dem Spielplatz, an der Ladenkasse, im Treppenhaus, bei der Arbeit, in der Schule. Die katholische, die reformierte und die christkatholische Landeskirche des Kantons Luzern rufen anlässlich des Flüchtlingssonntags und des Weltflüchtlingstags vom 20. Juni 2021 zu Solidarität und Mitgefühl bei diesen Gelegenheiten auf: im Kanton Luzern, in der Schweiz und weltweit (Originaltext hier).

Gemeinsames Engagement

Im Kanton Luzern engagieren sich täglich viele Menschen freiwillig, in Organisationen und seitens der Kirchen zusammen mit geflüchteten Menschen für die Gemeinschaft. Oft ist das leise und manchmal für viele unsichtbar. Am Flüchtlingssonntag bzw. dem Weltflüchtlingstag finden vielerorts Gottesdienste und weitere Aktivitäten wie «Solidarität kennt keine Grenzen vom 17. bis 27. Juni 2021» statt, um die Flucht und die Schicksale hörbar, sichtbar und erlebbar zu machen.      

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Die Kirchen helfen Menschen in Not, ohne lange Fragen zu stellen. Das gehört zu ihrem Grundauftrag. Ihre Sozialberatungen sind in der Corona-Zeit besonders gefragt. «Menschen, denen es ohnehin nicht gut geht, geht es jetzt noch schlechter», heisst es dort. Finanziell wie familiär.

Doris Krummenacher kennt alleinerziehende Frauen, «die sich mit fünf bis zehn Putzjobs im Stundenlohn durchschlagen und sich zusätzlich engagiert um ihre Kinder kümmern». Beatrice Geuking sitzt Personen gegenüber, «für die es vor einem Jahr in weiter Ferne gelegen hätte, fremde Hilfe zu holen. Aber jetzt haben sie die Stelle verloren oder die Enge in der kleinen Wohnung führt zu familiären Konflikten». Krummenacher leitet die Sozialberatung der reformierten Kirche Stadt Luzern, Geuking jene der katholischen. Die Corona-Zeit mache «alles dichter», sagt Geuking. «Menschen, denen es ohnehin nicht gut geht, geht es noch schlechter», doppelt Krummenacher nach.

Die Zahlen steigen in allen Bereichen

Die Zahlen steigen in allen Bereichen. Bei der reformierten Sozialberatung ersuchten 2020 ein Viertel mehr Personen als im Vorjahr um einen Geldbetrag. Die Kirchgemeinde gab dafür 165 000 Franken aus, weitere 65’000 trugen Gesuche an externe Stellen bei. Die katholische Sozialberatung wiederum verzeichnete vergangenes Jahr etwa einen Drittel mehr vertiefte Beratungen, und die 50 Neuanmeldungen im ersten Quartal 2021 entsprechen einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Ihr Sozialfonds wird aus den Antoniuskassen der Stadtpfarreien gespiesen. Daraus flossen 2020 rund 85’000 Franken.
Die Sozialberatungen haben Richtlinien für ihre Unterstützung. Sie helfen punktuell und dann, wenn dies keine andere Stelle kann. Offen sind sie hingegen für alle, die an sie gelangen; Herkunft und Religion spielen keine Rolle. Die reformierte Stelle gewichtet allerdings nach der Konfession, weil sie ein grösseres Einzugsgebiet hat als die katholische und entsprechend mehr Anfragen. Da wie dort geht es in knapp zwei Dritteln der Fälle ums Geld, ebenso oft jedoch um persönliche Beratung, Stärkung und um Informationen. Beatrice Geuking spricht von «Selbstwirksamkeit» und meint damit: «Menschen befähigen, mit dem wenigen, das sie haben, einen guten Umgang zu finden.» Die Sozialberatung könne nur anstossen und begleiten, den Weg müssten die Menschen selber gehen.

«Das kommt der ganzen Gesellschaft zugute»

Die beiden Sozialberaterinnen schätzen, dass sie sich für die Beratung mehr Zeit als die staatlichen Sozialämter nehmen und auf jedes Thema eingehen können. «Da sind wir unkompliziert», sagt Geuking. Wo die Teams nicht selbst helfen können, vermitteln sie an andere Einrichtungen, zum Beispiel die Lebensberatung «elbe», die von den Kirchen mitgetragen wird.
Die kirchlichen Sozialberatungen arbeiten ohne staatlichen Leistungsauftrag. «Weil die Kirchen schon immer Verantwortung für Menschen in Not und am Rand der Gesellschaft übernommen haben», sagen Geuking und Krummenacher übereinstimmend. Die dafür eingesetzten Kirchensteuern seien gut angelegtes Geld: «Wenn wir eine Person darin unterstützen können, dass sie selbstbestimmt ihren Weg gehen kann, kommt das der ganzen Gesellschaft zugute.»

Dominik Thali

Doris Krummenacher (links) leitet die Sozialberatung der reformierten, Beatrice Geuking jenen der katholischen Kirche der Stadt Luzern. Die beiden sitzen im Garten des Lukaszentrums, in dem sich die reformierte Sozialberatung befindet. | © 2021 Dominik Thali
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Sieben Sozialberatungsstellen im Kanton

In der Corona-Krise haben manche Einrichtungen und Menschen überhaupt erst erfahren, dass die Kirche Sozialarbeit leistet. Eine wichtige Partnerin in diesem Bereich ist die Caritas Luzern.

Sozialberatungen wie jene der katholischen und reformierten Kirche Luzern gibt es noch im Rontal und in Sursee (jeweils ökumenisch getragen) sowie in den Pastoralräumen Emmen-Rothenburg, Kriens und Baldeggersee (katholisch). In den Pastoralräumen Horw und «Im Rottal» stehen Stellenprozente für Diakonie zur Verfügung.

Die katholische, die reformierte und die christkatholische Landeskirche im Kanton Luzern haben dieses Jahr wiederum einen Oster-Fernsehgottesdienst angeboten: Tele1 strahlte diesen am 4. April aus – auch in Gebärdensprache für schwerhörige und gehörlose Menschen. Insgesamt verfolgten rund 14’000 Zuschauende diesen Gottesdienst mit.

Medienmitteilung vom 21. April 2021

In den Pfarreien und Kirchgemeinden fanden Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen aufgrund der Corona-Schutzmassnahmen während Ostern nur mit bis zu 50 Personen statt. Die drei Landeskirchen im Kanton Luzern haben mit dem ökumenischen Oster-Fernsehgottesdienst wiederum einen ergänzenden digitalen Zugang für sehr viele Menschen geboten, welche nicht alle vor Ort teilnehmen wollten oder konnten bedingt durch die beschränkte Anzahl Plätze. Insgesamt haben rund 14’000 Zuschauende den Fernsehgottesdienst am Ostersonntag, 4. April 2021, zwischen 10 und 10.30 Uhr auf Tele1 und PilatusToday mitverfolgt. Zudem wurde dieser für schwerhörige und gehörlose Menschen in Gebärdensprache übersetzt.

Kirche kommt an – 50+1 Jahre Landeskirchen im Kanton Luzern

Im Jubiläumsjahr 2020 des 50-jährigen Bestehens hatten die Luzerner Landeskirchen in ökumenischer Verbundenheit unter dem Motto «Kirche kommt an» verschiedene Anlässe geplant. Aufgrund der Massnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie mussten Aktivitäten abgesagt, verschoben und wie mit den Fernsehgottesdiensten neu umgesetzt werden. Die katholische und die reformierte Kirche haben entschieden, das Jubiläum im Jahr 2021 um ein weiteres Jahr unter dem Motto «50+1» zu verlängern und neu entsprechend der Lage zu gestalten.

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Weil in den Pfarreien und Kirchgemeinden Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen nach wie vor nur mit bis zu 50 Personen stattfinden konnten, standen auch am Ostersonntag nur eine beschränkte Anzahl Plätze zur Verfügung stehen, um die Auferstehung von Jesus zu feiern. Die drei Landeskirchen im Kanton Luzern boten deshalb mit dem ökumenischen Oster-Fernsehgottesdienst wiederum einen ergänzenden digitalen Zugang für sehr viele Menschen, die aufgrund der Corona-Lage nicht alle vor Ort teilnehmen konnten oder wollten. 

Fernsehzugang via Tele1 

Der 30-Minuten Ostergottesdienst aus der Reformierten Kirche Reiden war am Sonntag, 4. April 2021, um 10 Uhr im Regionalfernsehen Tele1 zu sehen. Für schwerhörige und gehörlose Menschen wurde der Gottesdienst erneut in Gebärdensprache ausgestrahlt. Der katholischen, der reformierten und der christkatholischen Landeskirche des Kantons Luzern ist der christliche Wert der gesellschaftlichen Inklusion und der Solidarität auch bei einem Fernsehgottesdienst ein zentrales Anliegen. Es wirkten mit: Edith Pfister (Leiterin des Pastoralraums Pfaffnerntal-Rottal-Wiggertal, katholisch), Barbara Ingold (Pfarrerin Reformierte Kirchgemeinde Reiden und Umgebung) und Adrian Suter (Pfarrer Christkatholische Kirchgemeinde Luzern). 

Walter Ziörjen (Organist) und Ruth Soland (Kantorin) begleiteten den Fernsehgottesdienst musikalisch. In Gebärdensprache übersetzte Agnes Zwyssig (Gebärdensprachdolmetscherin).

Sie feierten den Oster-Fernsehgottesdienst vom 4. April 2021 (von links): Edith Pfister (kath.), Barbara Ingold (ref.) und Adrian Suter (christkath.). Die Feier wurde in der reformierten Kirche Reiden aufgezeichnet, | © 2021 Dominik Thali
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50+1 Jahre Landeskirchen im Kanton Luzern

 
Im Jubiläumsjahr 2020 des 50-jährigen Bestehens hatten die Luzerner Landeskirchen in ökumenischer Verbundenheit unter dem Motto «Kirche kommt an» verschiedene Anlässe geplant. Aufgrund der Massnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie mussten die Aktivitäten wie mit den Fernsehgottesdiensten gemeinsam umgestaltet werden. Die katholische und die reformierte Kirche haben entschieden, das Jubiläum im 2021 um ein weiteres Jahr unter dem Motto «50+1» zu verlängern.

 

Mit 30 Jahren wurde Aline Mumbauer im September des vergangenen Jahres die jüngste Gemeindeleiterin im Bistum. In Konolfingen nennen sie manche auch mal «Frau Pfarrer». Die Luzernerin aus Sempach erlebt die Kirche in der weitläufigen Pfarrei bisweilen «wie ein Labor».

Seelsorgerin werden? Religionsunterricht erteilen? Jemanden beerdigen? Das war alles nicht ihr Plan. Auf die Theologie kam Aline Mumbauer – Bachmann hiess sie bis zu ihrer Heirat im Dezember –, weil das Gemeindeleiterpaar ihrer Heimatpfarrei sie dazu ermuntert hatte. Die damals 18-jährige Maturandin stieg ein und war begeistert davon, ihre Gottesbeziehung, die sie schon immer gehabt habe, im Studium zu hinterfragen. «Aber ich war bis zum Schluss nicht sicher, ob ich in den kirchlichen Dienst will.» Kann und will ich das, was ich in mir selbst spüre, auch mit so vielen anderen Menschen teilen, fragte sich die junge Frau. Und predigen? «Da exponiert man sich ja enorm. Wie weiss ich, ob mit dem, was ich sage, auch jene, die mir zuhören, etwas anfangen können?»

Glaubwürdig sein

Inzwischen hat Aline Mumbauer erfahren: Ihr Tun muss nicht allen gefallen, sondern glaubwürdig sein. «Ich kann nur davon erzählen, wie ich Gott erlebe, welches mein Weg ist. Das spricht vielleicht jemanden an.» Anfang November etwa führte sie dieser Weg zu den acht Familien ihrer Pfarrei, in denen während des Jahres jemand verstorben war. Weil Corona eine gemeinsame Gedenkfeier verunmöglicht hatte, brachte sie den Angehörigen ein Kerzengesteck nach Hause. Konolfingen ist eine weitläufige Kirchgemeinde, Mumbauer war einen Tag lang mit dem Auto unterwegs, sie hatte sich nirgendwo angemeldet, «ich läutete einfach und sagte, ich sei die neue Gemeindeleiterin». In mancher Stube sass sie schliesslich eine Stunde lang, erzählt sie, «wir haben geredet und gelacht und geweint zusammen».

Aline Mumbauer strahlt. Und sagt: «Ich habe den schönsten und erfüllendsten Beruf, den ich mir vorstellen kann.»

Dabei war der Weg, der die junge Luzernerin vor fünf Jahren in die Berner Diaspora führte, nicht gradlinig. Aline Mumbauer wuchs in Sempach mit drei Geschwistern auf; da waren die befreundeten Kinder des Gemeindeleiterpaars und war das Pfarrhaus offen, Aline wurde Ministrantin, Mini-Leiterin, machte da und dort und überall in der Pfarrei mit, «eine wunderbare Kindheit», blickt sie zurück.  «Aber ich nahm natürlich auch die Schattenseiten des pastoralen Dienstes wahr. Wie schwierig es oft ist, Familie und Beruf zu vereinen.»

Frohe Botschaft verkünden statt Pixel verschieben

Mumbauer schrieb sich deshalb nicht als Bistumsstudentin an der Uni ein. Und sie schlug nach dem Theologie-Master erst eine andere Richtung ein und dockte als Praktikantin bei einem IT-Unternehmen an, wo sie unter anderem E-Learnings für eine Grossbank gestaltete. Doch nicht lange: «Eines Tag meinte meine Chefin, dieser Pfeil da auf Folie sowieso sei zwar richtig platziert, aber ich solle ihn doch noch um ein drei Pixel verschieben.» Mumbauer lacht: «Das war wie eine Gottesbegegnung. Der Moment, in dem ich gewahr wurde: Ich schiebe da Pixel herum und könnte stattdessen mit Leuten unterwegs sein und von der frohen Botschaft erzählen!»

Ab da ging es ohne Umwege weiter. Aline Mumbauer meldete sich beim Bistum und wurde in die Pfarrei Ostermundigen geschickt. Sie solle als Kontrast doch in die Diaspora, befand man in Solothurn. Mumbauer willigte gerne ein und blieb hängen: Den zwei Vorjahren, die sie zwischenschalten musste, weil ihr die Vorkenntnisse als Bistumstudentin fehlten, folgten in der gleichen Pfarrei die zwei «richtigen» Jahre der Berufseinführung.

Nach dieser gleich eine Pfarrei zu übernehmen, ist nicht üblich. Doch Mumbauer wollte in der Region bleiben, weil ihr Mann in Bern in der Ausbildung steckt und ergriff die Gelegenheit, als ihr die offene Stelle in Konolfingen angeboten wurde. «Eine Chance, viele neue Erfahrungen zu sammeln», sagte sie sich.

© 2021 Pia Neuenschwander

Teamsitzung mit sich selber

Was sich seit dem Stellenantritt im September bewahrheitet. Ihre Aufgabe sei «sehr intensiv, aber auch sehr vielfältig», sagt Aline Mumbauer. Will heissen: Gottesdienst, Religionsunterricht, Trauerfeier, Krankenbesuch, Pfarrhaus-Umbau – die Ansprechperson heisst immer Aline Mumbauer. Zwar arbeiten «supertolle Leute» – zwei Katechetinnen, zwei Organisten, eine Sakristanin und zwei Aushilfen und eine Sekretärin in der Pfarrei mit, «aber Teamsitzungen führe ich mehr oder weniger mit mir selbst», schmunzelt Mumbauer. Um sogleich nachzuschieben: «Aber das ist alles sehr schön. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr verausgabe und bloss von einer dringenden Pendenz zur nächsten renne.»

Es gibt also einerseits viele Verpflichtungen, anderseits auch viel Freiheit. Katholisch-Konolfingen zählt etwa 2100 Mitglieder, die sich aber auf 20 politische Gemeinden verteilen. Wer am Sonntag z Chele will, und das sind jeweils bloss um die 15 bis 20 Personen, muss sich ins Auto setzen. Für Aline Mumbauer eine «extrem spannende» Ausgangslage, die sie «wie ein Labor» erlebt, in dem man «in die Zukunft der Kirche» schauen könne – mit kleinen Zentren, die Gläubigen weit herum verstreut.

Dazu passt vielleicht, dass manche Aline Mumbauer auch mal «Frau Pfarrer» sagen. Selbige schmunzelt, sie sähe sich – «warum nicht» – durchaus als Diakonin, wenn das denn kirchenrechtlich möglich wäre. Diesbezüglich hält sich Mumbauer allerdings zurück. Nicht dass ihr Gleichstellung in der Kirche egal wäre – mitnichten. «Aber ich mag mich nicht zu sehr an kirchenpolitischen Fragen aufreiben», sagt sie, sie wolle darob nicht verbittern, «und wie soll da noch ein Funke springen, wenn man keine Freude ausstrahlt?»

Aline Mumbauer steckt ihre Energie also lieber in die Suche danach, wie denn mit Menschen von heute überhaupt noch über Glaube und Spiritualität ins Gespräch zu kommen ist. Für sich selbst erfahren zu haben, dass Gott den Menschen «so nahe ist, wie er es immer schon war», erachte sie als «Privileg», sagt Mumbauer. Die steigende Anzahl Kirchenaustritte hingegen liessen sie «in manchen Momenten auch leiden».

Den Heiligen Geist durch die Kirche fegen lassen

Die junge Gemeindeleiterin macht sich nichts vor: Die Kirche schrumpft. Doch in das nach ihrer Erfahrung «ein wenig verbreitete kirchliche Jammern, alles sei so schwierig», mag sie nicht einstimmen. Anderseits: Womöglich gehört das mit zum Programm. «Wenn ich mir vorstelle, dass der Heilige Geist durch die Kirche fegt und gleichzeitig weiss, dass er mit uns ist, denke ich: Der will uns doch etwas zeigen. Wir haben uns bloss noch nicht wachrütteln lassen».

Dominik Thali

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Mitte März jährt sich der erste harte Lockdown der Schweiz – ein hartes Jahr auch für «Die Dargebotene Hand», Telefon 143. Geschäftsführer Klaus Rütschi berichtet – und weiss, wie sich Isolation anfühlt: «Der Hausarrest war belastender als ich dachte.»

Wie so viele Gespräche dieser Tage findet auch dieses per Video-Schaltung statt. Klaus Rütschi, Geschäftsführer von «Die Dargebotenen Hand» Zentralschweiz, ist daheim in Quarantäne. «Nun hat es auch mich getroffen», sagt er, «jemand in meinem Umfeld ist an Corona erkrankt». Der 52-Jährige zupft den Kragen seines bunt karierten Hemdes zurecht und atmet sichtlich auf. Es ist sein letzter Tag in Isolation. «Ich durfte erstmals raus heute, um mich testen zu lassen – welch Freiheitsgefühl. Und dann das Resultat – negativ zum Glück.»

Rütschi leitet seit zwölf Jahren Telefon 143 Zentralschweiz mit Sitz in Luzern, wo insgesamt 60 Freiwillige und vier Festangestellte in Vierstunden-Schichten rund um die Uhr erreichbar sind. Er weiss um die Not querbeet durch alle Alter und Gesellschaftsschichten. «Doch was viele zurzeit bewältigen müssen, ist oft sehr schwer.» Die vergangenen zehn Tage mit seiner Ehefrau in der Wohnung bei Zug haben Rütschi zugesetzt. «Der Hausarrest war belastender als ich dachte», sagt er und vergleicht seine Psyche mit einem Tisch, an dessen Standbein Gesundheit gehörig gerüttelt wurde. Partnerschaft, Arbeitsstelle, Umfeld aber hielten stand. Das ist längst nicht bei allen so.»

Ein Jahr Lockdown mit 15 154 Anrufen

Mitte März jährt sich der erste harte Lockdown der Schweiz – ein hartes Jahr auch für «Die Dargebotene Hand», vom Bund als systemrelevante Institution eingestuft. Nahm die Zahl der Anrufenden schon in den Vorjahren stetig um rund fünf Prozent zu, beträgt der Anstieg innert Jahresfrist 12 Prozent: Im Coronajahr suchten schweizweit 208 958 Menschen bei der Dargebotenen Hand Hilfe, 15 154 davon aus der Zentralschweiz. «Wir stellen fest, dass die Einsamkeit zu einem veritablen Volksleiden wird. Früher war es oft die erweiterte Familie, die auffangen konnte. Heute verlässt man sich weniger auf andere, will keine Hilfe annehmen, ist selbstbewusster, selbstbestimmter, unverbindlicher. Vielen wird in dieser Krise nun schmerzlich bewusst, dass die lose geknüpften Netze nicht tragen», sagt der studierte Betriebswirtschafter, der für seine Stelle in Luzern noch ein Studium in angewandter Psychologie anhängte.

Klaus Rütschi ist es wichtig, regelmässig selbst am Telefon zu sein, «als Springer überbrücke ich, wenn jemand aus dem Team verhindert ist.» Er berichtet von verzweifelten Müttern mit kleinen Kindern in engen Wohnungen, die Väter auf Kurzarbeit im Heimbüro; von jungen Männern ohne Arbeit, ohne nahe  Beziehungen; von Kindern gar, die am Telefon von physischer, psychischer, sexueller Gewalt berichten, über Mobbing auch in Sozialen Medien und Schule. «Die Hilfesuchenden werden immer jünger», sagt der gebürtige Vorarlberger, «das beschäftigt uns sehr». Waren vor einem Jahrzehnt knapp die Hälfte der Anrufenden über 65 Jahre, sind es heute noch ein Drittel. Ein weiterer Drittel ist zwischen 40 bis 65, der Rest unter 40 – mit rasantem Zuwachs der unter 18-Jährigen. «In der Pandemie melden sich zudem vermehrt Alkoholisierte, leider auch Menschen mit Suizidgedanken», so Rütschi.  

«Um Gottes Willen – wir haben eine Haltung»

Wie begegnet er und sein Team diesen Menschen, wie kann geholfen werden – wo doch die Dargebotene Hand eben gerade nicht eingreift und die Anonymität der Betroffenen wahrt? «Dies erachten viele gerade als Vorteil», sagt Rütschi, «wir schalten nicht gleich die Polizei oder sonst eine Stelle ein.» Damit aber bleiben doch auch viele in ihrer Not zurück? «Um Gottes Willen nein» entgegnet er, «sonst bräuchte es uns nicht. Wir haben eine Haltung.»

Der Weg führe übers aktive Zuhören zu Triage und möglichst verbindliche Abmachungen. Das Team habe Kenntnis von 650 Fach- und Beratungsstellen im Raum Luzern. «Am Ende fragen wir stets: Wissen Sie nun, was Sie als nächstes tun, an wen Sie gelangen?» Das könne eine Budgetberatung, ein unentgeltlicher Rechtsdienst, der Hausarzt, die Lehrerin des Vertrauens sein. «Und sollte der nächste Schritt nicht weiterhelfen, können die Betroffenen erneut anrufen.»

Der Zürcher Finanzplatz ist weit weg

Klaus Rütschi, der einst in Zürich für eine Grossbank und dann in Kaderposition für einen internationalen Rückversicherer arbeitete, hat sich in Eifer geredet. Wie kam er damals dazu, vor dem nächsten grossen Karriereschritt alles hinzuschmeissen und als Quereinsteiger zur Dargebotenen Hand zu wechseln? Rütschi muss nicht lange überlegen. «Ich sah keinen Sinn mehr dahinter, Hypotheken, Versicherungen und am Ende Kreditkarten-Pagages zu verkaufen. Dann sah ich das Stelleninserat und dachte: Das ist es.»

Und blieb es. «Heute verdiene ich Geld mit Zuhören, nicht mehr mit Reden», sagt er. «Anderen beizustehen, gibt mir viel. Das ist das beste, was mir passieren konnte.»

Pia Seiler

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Kirchen unterstützen «Die Dargebotene Hand»

Die Nummer 143 steht Hilfesuchenden schweizweit rund um die Uhr zur Verfügung. Im Team Zentralschweiz arbeiten 60 Freiwillige und vier Festangestellte, zuständig für die Kantone Luzern, Zug, Schwyz, Uri, Ob- und Nidwalden. Die Freiwilligen durchlaufen eine neunmonatige Ausbildung, erhalten Supervision und nehmen an jährlichen Weiterbildungstagen teil. Auf der Zentralschweizer Stelle verbleiben die stillen Helferinnen und Helfer – sie dürfen ihre Mitarbeit nirgends erwähnen –  durchschnittlich erfreuliche acht Jahre.

«Die Dargebotene Hand» erhält bis heute keine staatliche Unterstützung und ist auf Stiftungen, Donationen und Privatspenden angewiesen. Die katholische und reformierte  Kirchen Luzern unterstützen den Zentralschweizer Ableger mit Sitz in Luzern. «So gesehen bin ich ein professioneller Bettler», sagt Geschäftsführer Klaus Rütschi und freut sich: «Die Beiträge der beiden Kirchen sind die einzigen, mit denen ich seit Jahren fix rechnen darf.»